Vorwurf: Bandenmäßiger Drogenhandel!

Diese Jungunternehmer aus Fulda wollen mit ihren Cannabisprodukten doch nur helfen...

06. Juli 2021 - 15:05 Uhr

Und plötzlich steht die Polizei vor der Tür...

Phillip, Kerim und Marc sind selbst langjährige Cannabispatienten und wollen seit 2018 mit ihrem Unternehmen "Green Pioneers" auch anderen Leidenden helfen. Sie nutzen die Heilkraft der Hanfpflanze und sind mit ihren Ölen, Cremes und Tees in ihrem Laden im hessischen Fulda sehr erfolgreich – bis die Polizei plötzlich vor der Tür steht. Eigentlich ist der Vertrieb von rauschfreien CBD (Cannabidiol)-Produkten seit 2017 in Deutschland legal... Was dahintersteckt und wie die Jungunternehmer nach der unerwarteten Razzia weitermachen wollen – im Video!

Cannabidiol-Öl, CBD, Cannabis
Cannabidiol-Öl ist wegen seiner entkrampfenden und schmerzlindernden Wirkung sehr gefragt.
© RTL Hessen

Medizinische Hilfe soll kriminell sein?

Bandenmäßiger Drogenhandel – so lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Fulda im April 2021. Grund genug, das Geschäft der Green Pioneers zu stürmen. Im Fokus der Staatsanwaltschaft liegt der Hanftee aus legalen CBD-Blüten - den setzte die Ermittlungsbehörde offenbar mit illegalen Cannabis-Blüten gleich. Geschäftsführer Kerim Vierbock betont jedoch die 100 prozentige Legalität ihrer medizinischen Produkte: "Wir bauen EU-zertifiziertes Saatgut an, was von EU-zertifizierten Stellen vertrieben wird. (...) Das ist Saatgut, was nicht mutiert ist, wo das THC definitiv unter 0,2 Prozent ist und von daher sind alle Produkte legal."

Jetzt gilt es vor allem, den Imageschaden so klein wie möglich zu halten – und Kerim Vierbock, Marc Graf und Philipp Gärtner wollen auf dem Rechtsweg Schadenersatz einklagen. Die aktuelle Nominierung für den Hessischen Gründerpreis ist schon mal ein großer Schritt zur Wiederherstellung ihres Rufs.

CBD - Wundermittel mit Nebenwirkung?

CBD ist keine Droge, so lautet das Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Im Gegensatz zum Wirkstoff THC aus den Cannabispflanzen hat Cannabidiol "keine psychotropen Wirkungen oder schädlichen Auswirkungen". Das macht sich die Medizin seit der offiziellen Legalisierung 2017 auch in Deutschland zunutze und zahlreiche Drogerien und Geschäfte bieten rezeptfreie Öle, Cremes und Tabletten mit dem entkrampfenden, schmerzstillenden und entspannenden Wirkstoff an.

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Doch wie andere medizinische Produkte haben auch diese Nebenwirkungen – und das bringt natürlich auch Kritiker auf den Plan. Im Herbst 2020 fordert Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale das Verbot von CBD-Produkten. Dabei ging es ihr vor allem um die Food-Produkte in der Diskussion um CBD: Eigentlich fallen laut Franz diese Produkte unter die Novelfood-Verordnung, die die Zulassung neuartiger Lebensmittel regelt. "Die Produkte sind unzulässig und müssten vom Markt genommen werden", sagt uns Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale. (gmö)

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