Wir müssen bereit sein, mehr Geld auszugeben

Für mehr Tierwohl: Wie erkennt man besseres Fleisch und was kostet es?

© dpa, Patrick Pleul

17. September 2019 - 12:56 Uhr

Neue Aufnahmen werfen Frage nach Haltungsbedingungen auf

Wieder sind erschreckende Videoaufnahmen aus Schweinemastbetrieben in NRW an die Öffentlichkeit gelangt. Sie stammen aus mittelständischen, gut bürgerlichen Betrieben, bei denen man als Verbraucher eigentlich glaubt, Fleisch aus würdigen Haltungsbedingungen zu bekommen. Wieder stellt sich deshalb die Frage: Wie kann man überhaupt sicherstellen, Fleisch von Tieren zu bekommen, die wirklich artgerecht gehalten wurden?

Wir zeigen, welche Label und Siegel man als Verbraucher kennen sollte und was man für Fleisch aus guten Haltungsbedingungen wirklich ausgeben muss.

Fleisch-Siegel beachten

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Bio-Fleisch mit dem grünen EU-Bio-Siegel sollte bei der Wahl das Minimum sein.

Das Tierwohl-Label für Fleisch, das die großen Supermarktketten im Frühjahr eingeführt hatten, gibt im Label-Dschungel einen ersten Anhaltspunkt und unterscheidet vier verschiedene Haltungsformen. Nur die oberste der vier Stufen, die "Premium"-Stufe, entspricht in etwa dem EU-Bio-Siegel. Der Großteil des Fleischs, das in Supermärkten und Discountern verkauft wird, stammt aus der "Haltungsform 1" – und die entspricht gerade einmal gesetzlichen Mindeststandards.

Bio-Fleisch mit dem grünen EU-Bio-Siegel sollte für Konsumenten, denen die Haltungsbedingungen der Tiere wichtig sind, das Minimum sein. Die Tiere, von denen solches Fleisch stammt, haben in ihren Ställen mehr Platz und zudem mehr Auslauf, auch ihr Futter muss bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Aber: Auch dieses Siegel erlaubt industrielle Tierhaltung. Auch bei Fleisch mit EU-Bio-Siegel ist es eher die Ausnahme, dass die Tiere glücklich auf einer grünen Wiese groß werden durften.

Wir müssen mehr Geld für Fleisch ausgeben

Die Kriterien von Anbauverbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland sind noch strenger als beim EU-Bio-Siegel. Tiere werden artgerechter gehalten, haben Einstreu im Stall sowie mehr Platz und Auslauf zur Verfügung, bekommen besseres Futter und nur selten Antibiotika. Weidehaltung ist aber auch hier keine Bedingung.

Wer gutes Fleisch haben möchte, sollte es beim Landmetzger, der selbst züchtet oder bei einem regionalen Bio-Bauern kaufen, der seine Tiere artgerecht hält und frei herumlaufen lässt. Im Supermarkt sollte man Bio- oder Demeter-Fleisch kaufen, bei dem sich die Herkunft nachvollziehen lässt. Fleisch in solcher Qualität hat natürlich einen deutlich höheren Preis - daran ist nicht zu rütteln.

Um für Nutztiere in Deutschland bessere Haltungsbedingungen schaffen zu können, forderten der Deutsche Tierschutzbund und Politiker jüngst eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch auf 19 Prozent.

Rechenbeispiel: So viel kostet hochwertiges Fleisch im Vergleich

ARCHIV - Ein Schwein liegt am 17.06.2016 in einem Schweinestall der Versuchsstation Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim in Eningen unter Achalm (Baden-Württemberg) auf Stroh. (zu dpa «Was bringt das staatliche Tierwohl-Label?» vom 19.01.201
Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung hat seinen Preis - aber das sollte es uns wert sein.
© dpa, Marijan Murat, mut sab pat

Um deutlich zu machen, wie viel mehr man für qualitativ hochwertiges Fleisch ausgeben muss, haben wir beispielhaft die Fleisch-Preise von einem Demeter-Bauernhof mit denen für Fleisch aus konventioneller Haltung, das man im Supermarkt bekommt, verglichen. Für Fleisch in Demeter-Qualität zahlt man je nach Sorte ungefähr zwei- bis dreimal so viel wie für Fleisch aus konventioneller Haltung:

  • Schweinefilet: circa 40 Euro/kg statt 15 Euro/kg
  • Schweinenackenkotelett: circa 22 Euro/kg statt 8 Euro/kg
  • Schweineschnitzel: ca. 25 Euro/kg statt 10 Euro/kg
  • Rinderhüftsteak: circa 35 Euro/kg statt 24 Euro/kg
  • Rindergulasch: circa 22 Euro/kg statt 13 Euro/kg

Wer seinen Fleischkonsum insgesamt reduziert, kann die Mehrkosten zugunsten der Qualität und des Tierwohls damit ausgleichen. Günstiges Fleisch geht immer auf die Kosten von Tieren und Umwelt - die jüngsten Aufnahmen aus den Schweinemastbetrieben sind nur ein weiteres trauriges Beispiel dafür.