"Kein Mitarbeiter soll an diesem Abend arbeiten!"

Der coolste Chef der Welt: REWE-Leiter gibt Mitarbeitern für Eintracht Frankfurt-Finale frei

Für diese Entscheidung tragen sie ihren Chef bei einem Pressetermin auf Händen!
Für diese Entscheidung tragen sie ihren Chef bei einem Pressetermin auf Händen!
© REWE Kaffenberger

13. Mai 2022 - 18:52 Uhr

von Deborah Göpferich

Mit dieser Aktion hat sich Bernd Kaffenberger (36) aus Bad Vilbel den Titel "Coolster Chef der Welt" mehr als verdient! Der 36-Jährige leitet sechs Rewe-Märkte in Bad Vilbel und Eschborn und ist nebenbei noch ein riesiger Fan der Eintracht Frankfurt, die am 18. Mai im großen UEFA Europa League-Finale gegen die Glasgow Rangers spielt. Bernd Kaffenberger gehört zu den Glücklichen, die Tickets für das große Spiel in Sevilla haben. Während er jedoch die Eintracht im Stadion anfeuert, müssen seine Mitarbeiter die Stellung halten. Das geht gar nicht, findet der Chef und fällt kurzerhand eine Entscheidung: am Tag des Finales schließt er alle seine Läden um 20 Uhr, damit seine Mitarbeiter Fußball schauen können – und organisiert für sie sogar noch ein Public Viewing.

Alle freuen sich - außer der HSV-Fan

"Die Entscheidung kam relativ spontan", erzählt Bernd Kaffenberger im Gespräch mit RTL. Nachdem er Tickets für Sevilla ergattern konnte, plagte ihn doch das schlechte Gewissen seinen Mitarbeitern gegenüber. "Jeder in der Rhein-Main-Region fiebert darauf hin." Außerdem seien die letzten zwei Jahre nicht einfach für seine Mitarbeiter gewesen, sie hätten viel leisten müssen. "Die Entscheidung sollte einfach eine schöne Geste sein", so der 36-Jährige.

Und seine Mitarbeiter sind von dieser Geste mehr als begeistert. "Es sind sehr viele Fans der Eintracht. Außer einer, der ist HSV-Fan. Den hat das jetzt nicht so gebockt", schmunzelt Bernd Kaffenberger. Besonders berührt hat ihn eine Aussage der Metzgerei-Abteilungsleiterin: "Sie meinte, sie hat noch nie Fußball geschaut und jetzt hat sie Zeit dafür."

Kostenloses Grillhähnchen

Doch wer gedacht hat, dass die Mitarbeiter an diesem Tag einfach nur früher nach Hause gehen dürfen, der irrt sich! Für den Finalabend hat sich der Chef nämlich etwas besonderes überlegt. Da alle Feiern und Zusammenkünfte wegen der Pandemie in den letzten Jahren ausgefallen sind, soll das Eintracht-Finale der Startschuss für ein neues Miteinander sein. Denn alle Mitarbeiter der sechs Standorte schauen gemeinsam vor dem Rewe-Markt in Bad Vilbel das Spiel. "Wir haben donnerstags immer einen Hähnchenwagen vor dem Laden stehen. Ich habe mit ihm gesprochen, ob er nicht schon mittwochs anreisen könnte, dann wäre für die Verpflegung gesorgt", so Bernd Kaffenberger.

Und siehe da: der Hähnchenwagen kommt nicht nur einen Tag früher, er versorgt sogar alle Mitarbeiter kostenlos mit Essen. Selbst für die Bestuhlung ist gesorgt: für das Public Viewing kommt extra eine Firma und stellt Stühle auf. Denn eine einzige Regel hat Bernd Kaffenberger für diesen Abend aufgestellt: "Kein Mitarbeiter soll an diesem Abend arbeiten."

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Viel Zuspruch von Kunden und im Netz

Doch wie reagieren die Kunden auf die Nachricht, dass sie am kommenden Mittwoch zwei Stunden weniger Zeit haben zum einkaufen? Laut Bernd Kaffenberger sind die Reaktion durchweg gut. Auch der Zuspruch im Netz sei positiv. "Man hat das Gefühl, die Menschen haben Lust auf gute Nachrichten", erzählt er im Gespräch mit RTL. Letztendlich wäre auch nur vier Märkte von einer früheren Schließung betroffen. "Die anderen beiden sind Getränkemärkte, die schließen immer um 20.00 Uhr", erklärt er.

Natürlich ist ihm klar, dass er zu dieser Aktion nicht verpflichtet ist: "Ich hätte den Dienstplan schon besetzt bekommen, auch mit Nicht-Fans. Aber es geht auch einfach darum, dass die Mitarbeiter mal wieder eine Gemeinschaft genießen können."

Sein Tipp fürs Finale?

Nachdem alles so gut organisiert ist, kann Bernd Kaffenberger beruhigt nach Sevilla fliegen. Für das perfekte Glück fehlt jetzt natürlich nur noch ein Sieg der Eintracht. Sein Tipp? 3:2 für die Eintracht natürlich. "Ich wünsche mir ein enges Spiel mit vielen Emotionen. Aber die Eintracht muss knapp gewinnen." Lange bleibt der Chef aber nicht in der spanischen Sonne. Seinen Rückflug hat er bereits für den nächsten Tag gebucht. "Um 6.55 Uhr geht es zurück. Das wird hart", lacht er. Arbeiten muss er an diesem Tag glücklicherweise nicht mehr, da übernehmen seine Mitarbeiter die sechs Läden – und für diesen Chef machen sie das bestimmt gerne.