Merz wettet im RTL-Interview mit unserer Reporterin

"Wir werden bei der Bundestagswahl ein Ergebnis von mehr als 30 Prozent haben"

22. April 2021 - 10:59 Uhr

CDU/CSU im Umfrage-Tief - was sagt Friedrich Merz zum Wahltrend?

Was für ein Remmidemmi in der Union! Eine heiße Debatte um den Kanzler-Kandidaten zwischen Armin Laschet und Markus Söder, der dramatische Absturz in den aktuellen Umfragewerten. Nur noch Platz 2 hinter den Grünen, besagt das aktuelle Trendbarometer von RTL/ntv. Das kann in der Union niemandem gefallen. Auch nicht Friedrich Merz, der im Interview mit RTL-Reporterin Franca Lehfeldt aber gelassen auf die Bundestagswahl blickt.

Merz: "Wir werden deutlich vor den Grünen liegen"

Friedrich Merz wollte eigentlich auch wieder ganz oben mitspielen, musste sich dann aber im Januar bei der Wahl zum CDU-Chef geschlagen geben. Am Wochenende war er dann mal wieder Sieger: In seiner Heimat, dem Sauerland, setzte er sich gegen den aktuellen Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg durch und kandidiert jetzt wieder für den Bundestag.

Aber nicht nur persönlich erwartet Merz ein positives Abschneiden der Union bei der Bundestagswahl. "Ich bin bereit, wirklich mit Ihnen zu wetten, dass wir ein Ergebnis von 30 Prozent plus haben und dass wir auch deutlich vor den Grünen bei der Bundestagswahl liegen", so Merz im exklusiven RTL-Interview.

Damit widerspricht Merz deutlich dem aktuellen Trend in der Deutschen Bevölkerung. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv hatte erst am Dienstag ergeben, dass die Kanzlernominierung von Annalena Baerbock, aber auch der Streit zwischen Laschet und Söder die Union massiv Zustimmung gekostet hatte. Die Grünen waren hingegen zur stärksten Kraft aufgestiegen.

Merz: Kanzlerkandidaten-Tausch ist ausgeschlossen

Trotz der Verluste und der schlechten Umfragewerten für den Unionskandidat, sieht Merz in Armin Laschet den richtigen Bewerber für das Kanzleramt. Die Partei habe sich zwei Mal - nämlich bei Laschets Wahl zum Parteivorsitzenden und bei seiner Nominierung durch den CDU-Parteivorstand, für Laschet entschieden. Außerdem habe sich auch die CSU inzwischen für Laschet als Kandidaten ausgesprochen. Einen Tausch des Kanzlerkandidaten im Fall von anhaltend schlechten Umfragewerten hält Friedrich Merz deshalb "für ausgeschlossen".

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Dennoch spiegelten die aktuellen Umfragewerte auch das schlechte Corona-Management der Bundesregierung wider, so Merz. "Wir müssen zeigen, dass wir das besser machen können. Nicht nur besser als die Grünen, sondern auch besser, als die aktuelle Bundesregierung." Denn nur so könne das Ziel erreicht werden, dass "ohne die Union oder gegen die Union keine Regierung möglich" sei.

Merz schließt Ministeramt nicht aus

Sollte Merz Wunsch in Erfüllung gehen und die Union auch an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein, kann sich der CDU-Politiker offenbar auch ein Ministeramt vorstellen. Auf die Frage von RTL-Politik-Korrespondentin Franca Lehfeldt, ob er für ein solches Amt zur Verfügung stehe, sagte Merz: "Ich würde es zumindest nicht von vorneherein ablehnen."

Kein klares Ja, aber auch ein Dementi sieht anders aus. Dass Merz aber zumindest am Amt des Wirtschaftsministers Interesse hat, hatte er schon nach seiner Wahlniederlage um den CDU-Vorsitz gegen Armin Laschet deutlich gemacht. Damals hatte er direkt nach der Auszählung gefordert, dass man ihn sofort zum Wirtschaftsminister ernenne. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das jedoch abgelehnt.

Merz: Ich bin ein Teamplayer und Fürsprecher der Jungen

Trotz seiner Alleingänge – Merz sieht sich immer noch als Teamplayer. Auf die Frage, welche Rolle er für sich in einer kommenden Legislaturperiode in der Unionsfraktion sehe und ob er ein Teamplayer sei, antwortete der Sauerländer: "Ja, selbstverständlich, bin ich immer gewesen, auch entgegen dem, was man mir manchmal nachsagt." Er wolle für ein "überdurchschnittlich gutes Ergebnis" in seinem Wahlkreis sorgen und wolle zu einem guten Gesamtergebnis der Union beitragen.

Auch generell versucht Merz im RTL-Interview mit einem gewissen Image seiner Person aufräumen zu wollen. So bezeichnet er sich auch als Fürsprecher der jungen Menschen in Deutschland. Man dürfe nicht länger den Status Quo verwalten, sondern müsse den jungen Menschen ein Angebot machen, so Merz. "Das hat mich bewogen auch noch einmal für den Deutschen Bundestag zu kandidieren. Das ist eine ganz wesentliche Triebfeder gewesen und nicht mein Ego."

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