Kommentar zur K-Frage

Armin Laschet ist Sieger - auf Bewährung!

Armin Laschet und Markus Söder.
Armin Laschet und Markus Söder.
© dpa, Michael Kappeler, mkx alf pil

21. April 2021 - 10:09 Uhr

Ein Kommentar von Nikolaus Blome

Der Machtkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder ist… ja, was eigentlich? Entschieden? Ja. Ausgestanden? Nein. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat von CDU und CSU, der "Union" wie sie heißt, aber in den letzten Tagen keineswegs war.

Armin Laschet, der CDU-Vorsitzende, hatte die Nerven und den Machtwillen, sich gegen seinen Konkurrenten zu behaupten. Am Ende sprach vor allem eines für ihn: Er steht an der Spitze der deutliche größeren "Schwester" der beiden Parteien. Mit einem sicheren Gespür für die Seele der CDU hat er darauf gesetzt, dass diese CDU noch nicht so tief gesunken ist, sich die Kanzler-Kandidatur von der "kleinen" Schwester CSU abspenstig machen zu lassen.

Das ist aber auch alles. Der Kampf um die Kandidatur zwischen den beiden Parteichefs ist entschieden. Aber keineswegs ausgestanden. Armin Laschet ist der Sieger. Aber einer auf Bewährung.

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Große Teile der Union gehen mit ungeliebten Spitzenkandidaten in den Wahlkampf

Nikolaus Blome
RTL-Politikchef Nikolaus Blome kommentiert die K-Frage der Union.
© RTL

Den eines weiß er, und es wird sich auch unter all' den versöhnlich klingenden Worten nicht begraben lassen, die nun folgen: Ein ungewöhnlich großer Teil seiner eigenen Partei, von der Mitglieder-Basis bis in die höchsten Ränge, trauen ihm den Wahlsieg im September nicht zu. Sie wollten lieber auf den Instinkt- und Bauch-Politiker Markus Söder setzen, und sie hatten handfeste Gründe dafür.

Das heißt: Große Teile von CDU und CSU gehen in den Wahlkampf mit einem ungeliebten Spitzenkandidaten, für den sie nicht "brennen". Mit Markus Söder wäre das freilich genauso gewesen, nur dass eben die andere Hälfte der gespaltenen Union dann mit der Faust in der Tasche angetreten wäre, weil sie dem Bayern wegen seiner vielen Wendungen und Widersprüche nicht über den Weg trauen. Auch für dieses Misstrauen gab es gute Gründe.

Machtkampf zwischen Söder und Laschet: Wunden werden noch lange für böses Blut sorgen

Die Wunden, die man sich gegenseitig schlug, sind also tief und werden lange noch für böses Blut sorgen. Der "richtige" Kandidat aus Sicht der Union kann Armin Laschet am Ende nur unter einer Bedingung werden: Dass die Stimmung im Land langsam dreht und die Pandemie mit den voranschreitenden Massenimpfungen bis zum Spätsommer in eine Art happy end mündet. Nur wenn der Kampf gegen Corona nicht mehr der alleinige Maßstab für die politische Zustimmung (oder Ablehnung) ist, kann Armin Laschet besser abschneiden, als es Markus Söder könnte – dessen aktuelle Popularität ja ganz allein auf seiner harten Corona-Linie beruht. Stehen die Zeichen im Sommer endlich auf nachhaltiges Lockern statt auf immer neuen lockdown, dann passt Armin Laschet aus dem Lockerer-Lager besser ins Bild.

Ob das gegen souverän aufspielende Grüne reicht, ob sich nach der Wahl nicht doch Koalitions-Mehrheiten ohne CDU und CSU bilden lassen, das ist offener denn je. Aber eines immerhin hat Armin Laschet unter Beweis gestellt: Er hat mehr Biss, als ihm viele zugetraut haben. Er hat den unbedingten Willen, Kanzler zu werden – ohne den man Kanzler nicht wird. Darin ähnelt er Angela Merkel.

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