RTL News>Tiere>

Friedrich-Loeffler-Institut schlägt Alarm: "Derzeit die stärkste Geflügelpest-Epidemie überhaupt"

Unbemerkt neben Corona

Friedrich-Loeffler-Institut schlägt Alarm: "Derzeit die stärkste Geflügelpest-Epidemie überhaupt"

Ein Schild mit der Aufschrift "Geflügelpest Schutzzone".
"Wir erleben in Deutschland und Europa derzeit die stärkste Geflügelpest- Epidemie überhaupt", warnt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI).
deutsche presse agentur

Täglich kommen neue Vogelgrippe-Fälle dazu

Überlagert von den Meldungen zur Corona-Pandemie spielt sich derzeit ein weiteres Drama weitgehend unbemerkt ab: "Wir erleben in Deutschland und Europa derzeit die stärkste Geflügelpest- Epidemie überhaupt", teilte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems der Deutschen Presse-Agentur mit. Täglich kämen neue Fälle hinzu, und das nicht nur bei Wildvögeln. Wie gefährlich ist die Vogelgrippe für Haustier und Mensch? Und können wir weiter Fleisch und Eier essen? Wir klären alle Fragen rund um die Geflügelpest.

Auch Rotfüchse, Kegelrobben und Seehunde an Vogelgrippe erkrankt

"Ein Ende ist nicht in Sicht, die betroffenen Länder reichen von Finnland über die Faröer Inseln bis Irland, von Russland bis Portugal." Auch aus Kanada, Indien und Ostasien kämen Meldungen. Für die kommenden Winterwochen seien das keine guten Aussichten, hieß es vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit weiter. Allein in Deutschland wurden seit Anfang Oktober bis zum 29. Dezember 394 Infektionen bei Wildvögeln wie Wildenten, Wildgänsen, Schwänen und Möwen erfasst, hauptsächlich entlang der Küste und insbesondere in Schleswig-Holstein. Zudem wurden vom FLI 46 Ausbrüche in Geflügelhaltungen registriert, allein 18 davon in Niedersachsen. Weitere Fälle betrafen NRW (9), Mecklenburg-Vorpommern (8), Schleswig-Holstein (4), Berlin-Brandenburg, Bayern und Thüringen (jeweils 2) sowie Sachsen-Anhalt (1).

Europaweit wurden den FLI-Daten zufolge in diesem Zeitraum 675 Infektionen bei Wildvögeln und 534 Ausbrüche in Haltungen erfasst. Hinzu kämen Einzelfälle bei Säugetieren: So seien in diesem Jahr bereits nachweislich Rotfüchse in den Niederlanden und Finnland,
Kegelrobben in Schweden, Seehunde unter anderem in Deutschland und Fischotter in Finnland an Vogelgrippe erkrankt.

Wie gefährlich ist die Geflügelpest für Singvögel und Haustiere?

Wer zu Hause ein Vogelhäuschen hat, darf erst mal aufatmen: Trotz der Ausbreitung der Geflügelpest können Vögel weiter im Garten gefüttert werden. "Die Vogelgrippe ist gefürchtet, weil sie hohe Verluste bei Nutzgeflügel verursachen kann. Aber für Menschen, Haustiere oder Singvögel sind die bei uns kursierenden Virustypen keine Gefahr", erklärte Torben Langer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit Sitz in Hilpoltstein Mitte Dezember. Dennoch müssen Vogelhäuschen regelmäßig gereinigt oder im besten Fall durch Futtersäulen ersetzt werden.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Wie gefährlich ist die Geflügelpest für Menschen?

Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf seiner Internetseite mitteilt, wurden im Februar 2021 durch russische Behörden die ersten menschlichen Infektionen mit HPAIV H5N8 der Klade 2.3.4.4b kommuniziert. „Eine Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch wurde jedoch nicht beobachtet. Bisher liegen keine weiteren Hinweise auf humane Infektionen oder natürliche Infektionen mit HPAIV H5N1 bzw. H5N8 bei Säugetieren in Deutschland vor.“

Infektionen des Menschen seien jedoch nicht prinzipiell auszuschließen, heißt es weiter. „Insbesondere bei einer Exposition gegenüber hohen Viruslasten, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten sind, ergeben sich Infektionsrisiken der dort tätigen Personen.“

Wie sollten sich Jäger, Vogelhalter und Bevölkerung verhalten?

Jägern und Personen, die mit Wildvögeln in Kontakt gekommen sind, wird darum vom FLI geraten, Ställe, in denen sich Geflügel befindet, in den folgenden 48 Stunden nicht zu betreten. Auch der direkte Kontakt von Personen und Haustieren zu toten oder kranken Wildvögeln sollte vermieden werden.

Die Bevölkerung sei zudem aufgerufen, Beobachtungen von unnatürlichen Verhaltensweisen bei Wasservögeln (z. B. unkoordiniertes Kopfkreisen) sowie Totfunde von Wildvögeln und Säugetieren (vor allem Marderartige, freilaufende Katzen, Seehunde und Robben) den Veterinärbehörden zu melden. Tote Vögel sollten allerdings nicht selbst aufgesammelt werden, sondern unter Anwendung von entsprechender Schutzausrüstung eingesammelt, untersucht und anschließend sicher entsorgt werden, um eine Umweltkontamination oder eine Übertragung auf aasfressende Vögel zu vermeiden, teilt das FLI mit.

Weil die Übertragung nicht nur von Tier zu Tier, sondern auch indirekt durch Menschen, Fahrzeuge, Mist, Futter oder Transportkisten möglich ist, sei die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen sowie die wirksame Reinigung und Desinfektion von Händen, Kleidung, Schuhen, Geräten und Fahrzeugen entscheidend.

Was sollten Hundehalter und Spaziergänger beachten?

Wer beim Spaziergang also tote Wasservögel entdeckt, sollte sie nicht berühren und dem Veterinäramt Bescheid geben. Hundehalter ruft der LBV dazu auf, ihre Tiere in Wassernähe an der Leine zu führen. "Hunde könnten auch tote Wildvögel aufstöbern und verschleppen oder noch lebende, möglicherweise infizierte Wildvögel aufscheuchen. Beides würde zur Weiterverbreitung des Virus beitragen", so Langer vom LBV.

Können wir weiter Fleisch und Eier essen?

Der Verzehr von Geflügelfleisch, Eiern und sonstigen Geflügelprodukten sei unbedenklich, teilt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf seiner Internetseite mit. „Selbst bei einer Infektion von Hausgeflügelbeständen ist für den Verbraucher keine Gefahr zu erwarten, weil das Virus bereits bei +70° Celsius – und damit bei der üblichen küchenmäßigen Zubereitung – sicher abgetötet wird.“ Dennoch sollten die allgemeinen Hygieneregeln für die Zubereitung von Geflügelfleisch beachtet werden. (dpa, akr)