Zeuge erhebt schwere Vorwürfe

Tödliches Achterbahn-Unglück im Freizeitpark Klotten: "Niemand hat kontrolliert, ob die Bügel sitzen"

Rheinland-Pfalz: Frau stürzt aus Achterbahn und stirbt Schock im Freizeitpark
01:15 min
Schock im Freizeitpark
Rheinland-Pfalz: Frau stürzt aus Achterbahn und stirbt

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Sommer, Sonne, Ferienstimmung - und dann das tragische Unglück im Freizeitpark Klotten in Rheinland-Pfalz: Eine Frau ist am Samstagnachmittag aus der Achterbahn gestürzt und verstorben. Wie das passieren konnte, ist noch völlig unklar. Doch ein Zeuge erhebt schwere Vorwürfe gegen die Betreiber.

Retter mussten verunglückte Frau erst suchen

Eine Mitarbeiterin des Wild- und Freizeitparks Klotten stoppte am Sonntag auf der Zufahrt zum Park Besucher.
Eine Mitarbeiterin des Wild- und Freizeitparks Klotten stoppte am Sonntag auf der Zufahrt zum Park Besucher.
htl bsc, dpa, Harald Tittel

Etwa eineinhalb Stunden vor der Schließung des Parks hat sich dort am Samstagnachmittag ein Drama zugetragen: Eine 57-Jährige aus dem saarländischen St. Wendel ist aus der fahrenden Achterbahn gestürzt. Ein Zeuge sagte der „Bild“-Zeitung: „Sie wurde in das schwer zugängliche, dicht bewachsene Gebiet in Richtung Mosel geschleudert, musste zunächst gesucht werden.“ Die Frau hat tödliche Verletzungen erlitten, Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg.

Am Sonntag war der Parkplatz direkt am Freizeitpark für Besucher nicht zugänglich. Mitarbeiterinnen erklärten Besuchern, dass es nicht weitergeht. Der Freizeitpark blieb am Tag nach dem Unglück geschlossen. Heute wird die Kriminalpolizei Mayen die Ermittlungen fortsetzen, die Staatsanwaltschaft ist, wie bei solchen Fällen üblich, eingeschaltet worden. Noch stehen alle Untersuchungen ganz am Anfang: Handelte es sich um einen technischen Defekt, war Fahrlässigkeit oder tödlicher Leichtsinn im Spiel? Lag eine natürliche Todesursache, wie etwa ein Herzinfarkt, vor? Um das festzustellen, könnte die Staatsanwaltschaft eine Obduktion anordnen.

Der Augenzeuge, dessen Tochter kurz vor der folgenschweren Fahrt mit der 532 Meter langen Achterbahn gefahren war, sagt: „Niemand hat manuell kontrolliert, ob die Sicherheitsbügel fest sitzen.“ Die Polizei konnte am Samstagabend nicht sagen, wie voll der Park zum Zeitpunkt des Vorfalls war oder wie viele Menschen unmittelbare Zeugen waren.

Achterbahn-Unfall wird im Netz diskutiert: "Würde länger als nur einen Tag schließen"

Ein Absperrband versperrt den Zugang zum Wild- und Freizeitparks Klotten. Der Park war am Sonntag geschlossen, nachdem Samstagnachmittag eine Frau auf einer Achterbahn tödlich verunglückt ist.
Ein Absperrband versperrt den Zugang zum Wild- und Freizeitparks Klotten. Der Park war am Sonntag geschlossen, nachdem Samstagnachmittag eine Frau auf einer Achterbahn tödlich verunglückt ist.
htl bsc, dpa, Harald Tittel

In sozialen Medien gibt es Dutzende Posts, die den Vorfall kommentieren - meist mit Äußerungen des Entsetzens und dem Wunsch, dass die Angehörigen der Frau nun viel Kraft finden, um mit dem Geschehen fertig zu werden. Der Freizeitpark hat auch auf seiner Facebook-Seite die Schließung des Parks am Sonntag mitgeteilt und die Kommentarfunktion gesperrt. In einem darunter stehenden Post gibt es einige kritische Kommentare. „Ich würde länger als nur einen Tag schließen nachdem eine Frau aus eurer Achterbahn gefallen ist. Sollte euch der Vorfall wert sein“, schreibt einer.

Der Park in Klotten wurde 1970 als Wildpark auf den Moselhöhen bei Klotten eröffnet, wie es auf der Webseite heißt. Seit den 90ern wurde er mit neuen Attraktionen zu einem Freizeit- und Familienpark ausgebaut. Die Achterbahn eröffnete demnach 2004. „Kurvenreich, maximales Gefälle und bis zu 60 Stundenkilometer schnell, da kann schon mal der Atem stocken und das Herz den angestammten Platz verlassen. Aber alles wird gut: Wer die 550 Meter Strecke gemeistert hat, den kann zumindest an diesem Tag nichts mehr schocken.“ So bewirbt der Betreiber die Achterbahn. In einem Video ist zu sehen, dass das Auf und Ab teilweise durch eine Art künstliche Schlucht führt. Die Fahrt sei „nichts für Angsthasen“.

Immer wieder Achterbahn-Unglücke trotz Sicherheitsmaßnahmen

Achterbahnunfall in Dänemark
Der tödliche Unfall in dem Freizeitpark Aarhus hatte sich auf dieser Achterbahn ereignet.
APTN

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen und technischen Maßnahmen: Tödliche Unfälle mit Achterbahnen oder in Freizeitparks mögen selten sein, sorgen aber für besondere Aufmerksamkeit, wenn der Nervenkitzel schlimm ausgeht.

Mitte Juli kam bei einem schweren Unfall in einer Achterbahn im dänischen Aarhus ein 14-Jähriges Mädchen ums Leben. Im September vergangenen Jahres stürzte eine Sechsjährige aus einer Achterbahn in einem Freizeitpark im US-Bundesstaat Colorado. Sie war nicht richtig angeschnallt. Und im Dezember 2021 wurden bei der Entgleisung einer Achterbahn in Schottland acht Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. (cwa)