30.000 Euro Pfand gesammelt

Freiwillige räumen hinter Festivalbesuchern auf - für sozial benachteiligte Kinder

17. September 2019 - 16:42 Uhr

von Finn Tönjes

Ein Festival ohne Getränke wäre undenkbar. Nur landen die leeren Flaschen und Dosen häufig auf dem Boden oder im Mülleimer – obwohl es dafür Pfand gäbe. Eine Gruppe junger Menschen macht vor, wie Festivallaune und Umweltgedanke zusammenpassen. Wie das aussieht, wenn Festivallaune, Umweltschutz und tausende Pfandflaschen und -Dosen zusammenkommen, sehen Sie im Video!

Die großen Festivals machen den Umweltschutz vor

Elektronische Tanzmusik und viele Menschen, die den Alltag hinter sich lassen wollen: Über 70.000 Menschen täglich pilgerten dieses Jahr nach Weeze, um in Parookaville abzufeiern. Steve Aoki, Robin Schulz, Felix Jaehn – das Line-up glänzte mit hochkarätigen Namen. Aber nicht alle tanzten zur Musik. Für 30 junge Menschen war sie zweitrangig. Bei ihnen stand Umweltschutz und der gute Zweck im Vordergrund, indem sie Pfandflaschen und -Dosen sammelten. Und die gibt's bei Festivals zur Genüge.

Naturschutz wird für Festivals immer bedeutender. So lädt das Lollapalooza seine Besucher zum aktiven Auseinandersetzen mit der Umwelt ein. Das weltweit bekannte "Burning Man" in den USA hat in seine Richtlinien geschrieben, dass es "keine Spuren hinterlassen will" und das Glastonbury-Festival in Großbritannien kooperiert mit Greenpeace und hält seine Besucher dazu an, Müll zu trennen und Wasser verantwortungsvoll zu nutzen.

130.000 Dosen und Flaschen gesammelt

In Deutschland gehört das Parookaville in Weeze zu den bekanntesten Festivals. Dieses Jahr bewohnten 40.000 Camper zwei Campsites. Jeden Tag besuchten die Helfer Campinggruppen, um vor Ort zu informieren und Pfand einzusammeln. "Wir informieren die Camper einerseits über die Aktion und sensibilisieren andererseits für den Umweltschutz", sagt Bernard Lay, Organisationsleiter des "Rotaract Club Köln". Der Discounter Penny unterstützte die Ehrenamtlichen dabei logistisch.

130.000 Dosen und PET-Flaschen hat das Team für den guten Zweck gesammelt. "Mit dem gesammelten Pfand könnte man ein 25 x 8 Meter großes Schwimmbad füllen" sagt Lay. "Wie sonst soll man sich 300 m³ vorstellen?" Umgerechnet konnten die Freiwilligen ganze 29.351,25 Euro für den guten Zweck sammeln, die von Penny auf 30.000 Euro aufgerundet wurden.

Nicht alle nutzen die vielen Pfandflaschen für den guten Zweck - einige professionelle Pfandsammler schlagen aus dem Müll ordentlich Profit.

Was passiert mit dem Erlös?

Der Erlös kommt verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und Initiativen zugute, die die musikalische Bildung sozial benachteiligter Kinder fördern. Beispielsweise wurden im vergangenen Jahr zwei Fonds zur musikalischen Förderung in Köln und Goch am Niederrhein gegründet, aus denen Musikunterricht finanziert wird. Damit haben die Kinder die Möglichkeit, auf Instrumenten zu spielen, die sich weder Kindergarten noch Familie privat leisten könnten.

Dieses Mal soll ein neues Projekt dazukommen: Mit einem Teil des Erlöses soll ein Jugendhaus finanziert werden, in dem bereits Hausaufgabenbetreuungen stattfinden– und nun auch ein Tonstudio für Hip-Hop-Fans entstehen soll. Neben den schulischen Aufgaben stehen dann also auch Texte schreiben und Beats bauen auf dem Programm.

Alles möglich gemacht, durch die riesige Menge an leeren Pfandflaschen und -Dosen, die für den Großteil der Festivalbesucher einfach nur Müll waren.