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Freiburg, Schweiz: Lehrer will das Schülerin BH trägt - Sexismus-Debatte an Schule

Schweiz: Mädchen machen sexistische Erfahrungen in der Schule öffentlich

Sexismus-Debatte: Lehrer ermahnt Schülerin, weil sie ohne BH zur Schule kam

Ohne BH in die Schule
Lehrer kritisiert 16-Jährige, weil sie ohne BH in die Schule kommt.
picture alliance / ZB, Jens Kalaene

Lehrer aus Freiburg (Schweiz) löst mit Kommentar Sexismus-Debatte aus

In Freiburg (Schweiz, 35 Kilometer südwestlich von Bern) haben Frauenrechtler nachts Dutzende BHs am Zaun einer Schule aufgehängt. Sie protestieren gegen Sexismus. Der Hintergrund: Ein Lehrer soll sich abfällig über das Outfit einer Schülerin geäußert haben, weil sie keinen BH trug. Jetzt gehen Mädchen auf die Barrikaden und erzählen in sozialen Netzwerken, was sie sich von Lehrern schon alles anhören und gefallen lassen mussten, nur weil sie Mädchen sind.

Frauenrechtler sind empört über Sexismus an Schulen

Der Pädagoge wies die 16-Jährige zurecht, weil sie ohne BH zum Unterricht erschienen war. Der Jugendlichen sei gesagt worden, dass es „unanständig“ sei, in der Schule keinen BH zu tragen, erklärte das Frauenstreik-Kollektiv Freiburg bei Facebook. Die Gruppe machte den Fall öffentlich. „Es ist nicht normal, dass sich Mädchen nicht in einem gesunden und wohlwollenden Schulumfeld entwickeln können“, kritisierte die Gruppe. Stattdessen seien sie sexualisierter Gewalt, Übergriffen, abfälligen Kommentaren und Blicken ausgesetzt.

Doch dann passierte etwas, womit selbst die Frauenrechtlerinnen nicht gerechnet hatten: Immer mehr Mädchen meldeten sich unaufgefordert bei der Gruppe und berichteten von ihren sexistischen Erfahrungen und fragwürdigen Zwischenfällen an Schulen im Kanton Freiburg. Ein Lehrer habe Bikinis im Schwimmunterricht bevorzugt, ein anderer starrte den Mädchen auf die Brüste, wieder ein anderer nannte Schülerinnen „Schlampen“, berichteten Mädchen bei Instagram.

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Immer mehr Schülerinnen melden sich mit ihren Geschichten

Die Frauenrechtler hätten Aussagen aus praktisch allen Schulen des Kantons gesammelt, erklärte Marie Spang, Sprecherin des Freiburger Frauenstreik-Kollektivs dem SRF. Den „Freiburger Nachrichten“ sagte sie, dass die Gruppe keinen Aufruf gestartet habe. Die Leute hätten von sich aus angefangen, ihre Erlebnisse einzuschicken. Offenbar waren viele froh, endlich mal darüber sprechen zu können. „Wir glauben euch“, schrieb das Kollektiv bei Facebook.

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Schulen sollten ein Ort sein, wo alle sich wohlfühlen

Gibt es also ein generelles Sexismusproblem an Schulen? François Piccand, der Vorsteher der Mittelschulen im Kanton Freiburg zeigte sich im SRF-Interview „bestürzt“ über die Berichte der Schüler. „Für uns ist es wichtig, dass die Schulen ein Ort sind, wo alle sich wohlfühlen“, sagte er dem Sender.

„Die Schülerinnen und Schüler sind mutiger und trauen sich, darüber zu sprechen“, zitieren die „Freiburger Nachrichten“ Lukas Lehmann, Leiter Ausbildung der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Die Jugendlichen würden jetzt damit an die Öffentlichkeit gehen und sagen, dass sie das Verhalten ihrer Lehrer nicht in Ordnung finden.

Frauenrechtlerin Spang sagte dem SRF, dass es sie störe, dass für Mädchen einfach andere Maßstäbe gelten würden als für ihre männlichen Klassenkameraden. „Eine junge Frau, die ein Trägertop trägt, wird von ihrem Lehrer kritisiert. Ein junger Mann, der ein ärmelloses Leibchen trägt, hört keine Kommentare“, sagte sie dem Sender. Der Körper von Schülerinnen werde unnötig sexualisiert, kritisierte sie.