Erschütternde Vorfälle in Graz (Österreich)

Frauen in Corona-Testcenter offenbar sexuell belästigt

Im Messezentrum Graz finden derzeit Corona-Massentests statt.
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21. Januar 2021 - 15:40 Uhr

Vorwurf: Österreichische Soldaten sollen Frauen belästigt haben

Mit sexistischen Sprüchen sollen mehrere junge Frauen bei einem Coronatest in der Grazer Messe belästigt worden sein, berichtet das österreichische Nachrichtenportal "Heute.at". Aber dabei soll es nicht geblieben sein. Die mutmaßlichen Täter, offenbar Soldaten des Österreichischen Bundesheeres, sollen die Frauen später auch bei Facebook angeschrieben haben. Das Bundesheer hat inzwischen interne Untersuchungen eingeleitet und die betroffenen Frauen gebeten, sich zu melden und bei der Aufklärung zu helfen, teilte Oberst Michael Bauer, Pressesprecher des Bundesheeres, am Donnerstag auf RTL-Anfrage mit.

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Bundesheer-Soldaten sollen Frauen mit dummen Sprüchen belästigt haben

Im Gespräch mit dem österreichischen Nachrichtenportal berichtet eine der Frauen, die anonym bleiben möchte, von den Vorfällen. Demnach sei sie am Montagmittag gegen 12.15 Uhr im Messezentrum der Stadt Graz von einem "jungen Herrn" begrüßt und zum Testplatz Nr. 14 geschickt worden. "Dort wurde ich mit der Frage, ob ich denn schon nervös sei, auf den Testsessel gebeten", schildert sie die Situation laut gegenüber "Heute.at", und weiter: "Ich nahm also meine FFP2-Maske ab, woraufhin mir einer der drei dort anwesenden Männer zuzwinkerte und dabei sagte: 'Na, also wir beide sehen uns bestimmt wieder!'".

Außerdem soll sie gefragt worden sein, ob bei ihr schon einmal ein Nasenabstrich gemacht worden sei. Sie verneinte und sagte, dass bisher nur ein Rachenabstrich gemacht wurde. Daraufhin soll der Soldat gefragt haben: "Und, in welchem Loch war es denn angenehmer?" Knapp zwei Stunden später habe sie vom besagten jungen Mann eine Freundschaftsanfrage bei Facebook erhalten. "Die Krönung dieser Dreistigkeit ist also auch noch der wissentliche Missbrauch meiner Daten, die dazu genutzt wurden, mich auf Social Media ausfindig zu machen", wird sie zitiert.

„Na, bei dir stecken wir das Stäbchen in beide Löcher“

In "Heute.at" kommt auch eine andere Frau zu Wort. Im Vorbeigehen soll einer der Männer zu ihr gesagt haben: "Na, bei dir stecken wir das Stäbchen in beide Löcher." Daraufhin hätten alle gelacht. "Ich fühlte mich absolut unwohl und wollte dort nur mehr raus", wird sie zitiert. Anschließend habe sie sich mit einer Freundin ausgetauscht, die ähnliches erlebt haben soll. Mittlerweile berichten mehrere Frauen in verschiedenen sozialen Netzwerken von sexuellen Anspielungen und Kontaktaufnahme seitens der Tester.

Nur ein „Streich unter Jugendlichen“?

RTL hat beim Österreichischen Bundesheer um eine Stellungnahme zu den geschilderten Vorfällen gebeten. Sprecher Oberst Michael Bauer bestätigte am Donnerstag, dass die Fälle dem Bundesheer bekannt und interne Untersuchungen eingeleitet worden sind. Mehrere betroffene Frauen seien bereits kontaktiert worden, bislang habe sich eine Person zurückgemeldet. Sie habe den Vorfall allerdings sinngemäß als "Streich unter Jugendlichen" bezeichnet, sagte der Sprecher. Für sie sei die Sache erledigt. Dennoch nehme das Bundesheer die geschilderten Vorfälle ernst, auch wenn sich der Vorwurf der sexuellen Belästigung bislang nicht bestätigen konnte. Es stehe aber der Vorwurf des Datenmissbrauchs durch Soldaten im Raum.

Inzwischen seien Soldaten ermittelt worden, die unerlaubt persönliche Daten im Testzentrum Graz verwendet haben sollen, bestätigte Oberst Bauer. Zudem sollen mehrere Soldaten, die dort im Einsatz waren, befragt werden. Am Donnerstagvormittag hatte er sich bereits via Twitter zu den Vorfällen geäußert und sich bei den betroffenen Frauen entschuldigt. "Ich entschuldige mich für dieses völlig inakzeptable Verhalten. Wir bringen jeden Fall zur Anzeige und ahnden ihn disziplinär", twitterte der Bundesheer-Sprecher. Er bittet nun auch andere Betroffene um eine Kontaktaufnahme, damit die Vorfälle aufgeklärt werden können.

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