Frau aus Mali bringt Neunlinge zur Welt

SO viele Babys auf einmal - wie gefährlich ist das?

Einer der frühgeborenen Neunlinge wird im Krankenhaus in Marokko von einer Krankenschwester betreut.
Einer der frühgeborenen Neunlinge wird im Krankenhaus in Marokko von einer Krankenschwester betreut.
© dpa, Abdeljalil Bounhar, JB BC pda exa

10. Mai 2021 - 10:50 Uhr

Halima Cissé erwartete "nur" Siebenlinge

Fast unvorstellbar: In einer marrokanischen Privatklinik hat die 25-jährige Halima Cissé gerade neun (!) Babys auf einmal per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Eigentlich hatten die Malierin und ihre Ärzte "nur" sieben erwartet – bei der Geburt kamen dann allerdings zwei weitere Babys zum Vorschein.

Laut Berichten der Nachrichtenagentur AP geht es sowohl Mutter und Kindern soweit gut. Aber wie viel Glück war dabei im Spiel? Sind solche seltenen Mehrlingsgeburten nicht extrem gefährlich? Und wie hoch ist die Chance, dass eine solche Schwangerschaft ohne künstliche Befruchtung entsteht? Wir haben mit Hebamme Yvonne Mantwill gesprochen.

Neunlinge ohne künstliche Befruchtung: Ist das möglich?

Yvonne Mantwill hat als Hebamme viel Erfahrung. Dass eine Frau allerdings so viele Babys auf einmal austrägt, hat sie noch nie erlebt: "Das Höchste, was ich je in der Betreuung hatte, waren Drillinge." Der Direktor der marrokanischen Ain Borja Klinik, der Harima betreut, erklärte gegenüber AP: Seines Wissens nach habe die Mutter keine Fruchtbarkeitsbehandlungen erhalten. Dass eine Neunlingsgeburt spontan, also auf natürlichem Weg zustandekommt, hält Mantwill allerdings für "sehr sehr unwahrscheinlich": "Ich denke, unser Körper ist so klug und lässt das nicht zu."

Ultraschall bei Neunlingen „ultrakompliziert“

Dass zwei Kinder während Halimas Schwangerschaft schlichtweg übersehen wurden, kann Mantwill gut verstehen: "Die liegen wirklich querbeet da drin. Wenn Sie sich vorstellen: Bei sieben Kindern haben Sie schon 28 Arme und 28 Beine, sieben Köpfe, sieben Körper. Das können Sie nicht auseinanderhalten. Dann kann es natürlich auch sein, dass sie hintereinander liegen. Das ist für den Arzt, der den Ultraschall macht, ultrakompliziert."

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Wie gefährlich ist so eine Schwangerschaft für die Mutter?

Laut Klinikdirektor Youssef Alaoui hatte Halima bei der Geburt heftige Blutungen. Was passiert bei so vielen Babys im Körper? "Die Gebärmutter ist ja ein großer Muskel. Wenn da so viele Kinder drin sind, wird der völlig überdehnt. Wenn die Kinder dann draußen sind, kann es passieren, dass sich dieser Muskel nicht mehr zusammenzieht", erklärt die Hebamme. Bei Neunlingen müsse man sich außerdem vorstellen, dass "fast die ganze Gebärmutterinnenwand mit Plazenta überzogen ist". Wenn diese Mutterkuchen sich dann ablösen, öffnen sich Blutgefäße, die sich möglicherweise nicht mehr verengen, so Mantwill. "Das kann für die Frau lebensgefährlich werden." Im schlimmsten Fall müsse man die Gebärmutter dann entfernen, damit die Blutung zum Stillstand kommt.

Für die Mutter seien die ersten Stunden nach der Geburt laut Mantwill sehr gefährlich: Hohes Blutungs- und Infektionsrisiko, die Gefahr einer Fruchtwasserembolie. Mit jedem Tag werde das Risiko dann geringer.

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Hohes Risiko für Neunlings-Frühchen

Bei den neun Kindern, die in der 30. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt wurden, sähe es anders aus: "Die sind sicher sehr unreif geboren." Frühchen-Risiken wie "Hirnblutungen, eine noch nicht ordentlich ausgebildete Lunge, das Verdauungsproblem" sowie ein erhöhter Sauerstoffbedarf und die Gefahr einer Netzhautablösung seien zunächst hoch, so die Expertin.

Wie hoch die Überlebenschancen von Neunlingen sind, hänge vom Geburtsgewicht und der Schwangerschaftswoche ab, aber auch von der Entwicklung der Lunge: "Man kann bei einer drohenden Frühgeburt mit einem Medikament die Lunge ein bisschen zum Reifen bringen", erklärt Mantwill. Laut AP wiegen die fünf Mädchen und vier Jungen, die Halima Cissé zur Welt brachte, zwischen 500 und 1.000 Gramm.

„Fünf und mehr ist eine Katastrophe“

Vor den Aufgaben, die Eltern von Mehrlingen erwarten, hat Mantwill riesigen Respekt: "Wer nur ein Kind hat, weiß, wie viel Arbeit ein Kind macht. Mit Zwillingen ist es schon eine Herausforderung – aber fünf und mehr ist eine Katastrophe", sagt sie. Bei der Drillingsfamilie, die sie betreut hat, sei die Mutter "ganz schnell am Ende ihrer Kräfte" gewesen. "Das ist schon heftig. Und die finanzielle Seite ist ja dann das Nächste." Ein guter familiärer Rückhalt und die Unterstützung durch medizinische Fachkräfte seien deshalb das A und O.

RKA

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