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Forscher der Uni Konstanz entwickeln "Tumor-Lockdown": Hoffnung im Kampf gegen Krebs?

Neue Hoffnung in der Krebs-Forschung?

Wissenschaftler entwickeln "Lockdown" für Tumorzellen

3D Rendering einer Krebszelle - medizinische Illustration
Wissenschaftler der Uni Konstanz arbeiten an einem "Lockdown" für Tumorzellen.
peterschreiber.media, iStockphoto

Forscher der Universität Konstanz haben einen neuartigen Tumorzellen-Hemmer entdeckt, der in Krebszellen ein entscheidendes Enzym ausschaltet. Durch diesen könnte zukünftig verhindert werden, dass Tumorzellen in gesundes Gewebe eindringen und der Krebs streut.

Hemmstoff "Lockdown“ klebt Tumorzellen fest

Alle Prozesse, die in den Zellen unseres Körpers passieren, hängen vom Zusammenspiel zweier Enzymgruppen ab: der sogenannten Proteinkinasen sowie der Proteinphosphatasen. Diese steuern unter anderem auch das Wachstum sowie die Vermehrung und Migration von Zellen. Geraten Zellwachstum und -vermehrung außer Kontrolle, können Krebs-Tumore entstehen.

Ein Forscherteam der Universität Konstanz um den Zellbiologen Christof Hauck hat nun einen Hemmstoff entdeckt, der gezielt auf eine bestimmte Proteinphosphatase mit dem Namen "PPM1F" einwirken kann. Nach der Behandlung von Zellen mit dem Hemmer PPM1F stellten die Forscher fest: Die Zellen seinen "nicht mehr beweglich" gewesen, "sodass die Tumorzellen an Ort und Stelle verharren", wie die Uni Konstanz in einer Pressemitteilung verkündet.

Die Anwendung des Inhibitors habe bewirkt, dass die Zellen festklebten, wodurch die hohe Beweglichkeit von Tumorzellen unterbunden werden könne, heißt es weiterhin. Um diese besondere Eigenschaft des Hemmstoffs hervorzuheben, benannten die Forscher diesen in "Lockdown“ um.

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Metastasen-Bildung stoppen - bisher noch ein "ferner Traum"

Das Team testete zudem, ob "Lockdown" auch die Tumorzellinvasion unterbinden kann, die zur Bildung von Metastasen im Körper beiträgt. Und siehe da: "In der Tat konnte Lockdown verhindern, dass menschliche Glioblastomzellen , eine sehr invasive Form von Hirntumorzellen, Gewebebarrieren überwinden und in gesundes Gewebe eindringen", verkünden die Forscher stolz.

"Es mag noch ein ferner Traum sein, aber die Möglichkeit, die Metastasierung von Tumoren zu stoppen, wäre ein wesentlicher Fortschritt", folgert Tanja Grimm, Erstautorin der Studie, in der Pressemittelung. Dies könne gerade in Situationen hilfreich sein, in denen ein Primärtumor zwar entfernt werden konnte, doch "das mögliche Auftreten von Metastasen wie ein Damoklesschwert über den Patienten" hänge. (dhe)

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