RTL-Recherchen zum Formel-1-Fahrerpuzzle

De Vries Favorit bei Alfa Romeo - was wird aus Vettel und Hülkenberg?

Formel-E-Weltmeister Nyck de Vries könnte 2022 im Alfa Romeo sitzen
Formel-E-Weltmeister Nyck de Vries könnte 2022 im Alfa Romeo sitzen
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09. September 2021 - 22:26 Uhr

Die letzten Ausläufer der Silly Season wirbeln durchs Fahrerlager

George Russell zu Mercedes, Valtteri Bottas zu Alfa Romeo, Alex Albon zu Williams: Das Formel-1-Fahrerpuzzle für 2022 setzt sich Stück für Stück zusammen. Vor dem Großen Preis von Italien in Monza (Sonntag, 14 Uhr, LIVE bei RTL) haben wir uns im Fahrerlager umgehört. Was steckt hinter dem Albon-Wechsel zu Williams? Wer sitzt nächstes Jahr neben Bottas im Alfa? Wie stehen Nico Hülkenbergs Chancen für ein F1-Comeback? Und: Wann herrscht endlich Klarheit über Sebastian Vettels Zukunft bei Aston Martin?

Das steckt hinter Albons Wechsel zu Williams

Nur noch ein paar Monate muss Alex Albon als Reserve- und Simulatorfahrer für Red Bull herhalten, dann heißt es für den Thailänder: Zurück in die Formel 1. Nachdem es vergangene Woche noch geheißen hatte, Albon stünde bei Alfa Romeo hoch im Kurs, schlug der britische Traditionsrennstall Williams diese Woche zu, machte die Personalie vor dem Italien-GP offiziell.

Dass das Red-Bull-Eigengewächs Albon bei Williams anheuert, kam für Insider nicht überraschend – obwohl der große Bullen-Gegner Mercedes das Team mit Motoren ausstattet. Zum einen hat Red Bull mit Albon weiterhin "Optionen für die Zukunft", wie der Brause-Rennstall wissen ließ. Zum anderen steht Red Bull als Konzern hinter Albons Wechsel zu Williams.

Albon-Deal macht für alle Beteiligten Sinn

Hintergrund: Die thailändische Familie Yoovidhya ist mit 51 Prozent Red-Bull-Mehrheitseigner – und war im Vorjahr nicht sehr glücklich, als Christian Horner und Helmut Marko ihren Landsmann Albon degradierten, um den erfahrenen Sergio Perez als Nummer 2 neben Max Verstappen zu installieren. Entsprechend stark machte sich Red Bull für ein F1-Comeback Albons. Dass Erzrivale Mercedes im Williams-Heck röhrt, spielte dabei keine Rolle.

Und auch für Williams lohnt sich die ganze Sache. Erstens, kommt mit Albon ein starker Fahrer, der seine Klasse in der F1 (trotz des Rauswurfs bei RB) schon gezeigt hat. Zweitens, bringt der Thai-Pilot ein nettes Millionen-Mitgift, das der Rennstall um Teamchef Jost Capito gut gebrauchen kann. Mit anderen Worten: Es ist ein Deal, der für alle Beteiligten Sinn macht.

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De Vries rüttelt an Giovinazzis Stuhl

Bleibt die Frage, wie es bei Alfa Romeo weitergeht. Valtteri Bottas steht als Nachfolger von Kimi Räikkönen fest, das zweite Cockpit ist noch nicht vergeben. Nach RTL-Recherchen deutet sich an, dass Nyck de Vries das Rennen macht und der bisherige Stammfahrer Antonio Giovinazzi seinen Platz verliert.

Der Holländer de Vries gilt schon lange als Mann für die Formel 1. Erst vor kurzem gewann der 26-Jährige die Formel-E-WM, 2019 triumphierte de Vries in der Formel 2. Pluspunkte für de Vries: Er wird von Toto Wolff gemanagt und pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu Alfa-Romeo-Teamchef Frédéric Vasseur. Wolff hatte schon am Rande des Zandvoort-Wochenendes gesagt, de Vries keinesfalls an Mercedes ketten zu wollen und dessen Weg in die Formel 1 nicht zu blockieren.

Übrigens: Dass Mercedes immer wieder als künftiger Motorenlieferant von Alfa Romeo gehandelt wird, ist für die Verhandlungen unerheblich. Teamchef Vasseur soll in der Fahrerfrage den Hut auf haben, kann – so sieht es jedenfalls aus – frei entscheiden.

Ganz abschreiben sollte man Giovinazzi aber nicht. Denn: Nach RTL-Infos bleibt Ferrari Motorenpartner von Alfa Romeo. Und hinter dem einstigen Ferrari-Junior Giovinazzi steht mit Fiat und der mächtigen Agnelli-Familie ein potenter Player.

Formula One F1 - Dutch Grand Prix - Circuit Zandvoort, Zandvoort, Netherlands - September 2, 2021  Alfa Romeo's Antonio Giovinazzi during the FIA Press Conference Pool via REUTERS/Andrej Isakovic
Antonio Giovinazzi könnte bald in die Röhre gucken, was die Formel 1 angeht
© Pool via REUTERS, ANDREJ ISAKOVIC, zc

Vettels Zukunft noch immer ungewiss

Für Nico Hülkenberg sieht es in puncto Formel-1-Comeback damit wohl düster aus. Nachdem die Tür zu Williams zu ist, bleibt eigentlich nur noch Alfa Romeo als Option. Im Poker mit de Vries und Giovinazzi dürfte der "Hulk" allerdings keine besonders guten Karten haben.

Die brennendste Frage aus deutscher Sicht: Wann kommen Aston Martin und Sebastian Vettel endlich aus dem Quark? Noch immer ist nicht offiziell, dass der viermalige Weltmeister auch im nächsten Jahr für die Briten fährt. Klar ist: Vettels Prioritäten im Leben haben sich seit geraumer Zeit verschoben, die Formel 1 spielt in der Welt des 34-Jährigen nicht mehr die überragende Rolle wie noch vor Jahren. Mit einem Rücktritt Vettels rechnet indes kaum jemand, zumal der Deutsche bei seinem Antritt bei Aston Martin von einem langfristigen Projekt gesprochen hatte.

Sollte Vettel aber doch die Bombe platzen lassen, wäre Aston Martin für Hülkenberg wohl die letzte Chance, zurück in die Formel 1 zu kommen. Der 34-Jährige ist bereits Ersatzfahrer bei den "Grünen", genießt im früheren Racing-Point-Team zudem nicht erst seit seinen starken Kurzeinsätzen während der Corona-Saison 2020 hohes Ansehen. Vielleicht kann uns Hülkenberg am Sonntag ja mehr erzählen: In Monza ist der Hulk als RTL-Experte im Einsatz. Wir übertragen den Italien-GP ab 14 Uhr live und exklusiv im Free-TV. (mar/fgö)