Kai Ebel analysiert das Haas-Duell

Darum ist Mick besser als Mazepin

Nikita Mazepin (l.) und Mick Schumacher
Nikita Mazepin (l.) und Mick Schumacher
© Imago Sportfotodienst , Laci Perenyi

04. Mai 2021 - 6:12 Uhr

Formel 1: Ebel sieht Mick vorne

Im RTL-Instagram-Live-Format "Letzte Runde" hat Kai Ebel das Duell zwischen Mick Schumacher und Nikita Mazepin unter die Lupe genommen. Der Formel-1-Reporter erklärt, warum Mick seinem Haas-Kontrahenten überlegen ist, obwohl der eigentlich in einer wesentlich komfortablen Situation ist.

Die Ruhe ist Micks große Stärke

Für Mick hat Ebel nur lobende Worte. "Zunächst glaube ich, dass er die absolut richtig Herangehensweise hat. Was mich unglaublich wundert, ist, dass er in seinem jungen Alter so ruhig, so abgeklärt und so aufgeräumt ist", sagt der 56-Jährige. "Man denkt, dass die Jungs da normalerweise viel hitziger sein müssen, wir haben da ja das lebende Gegenbeispiel bei ihm im Team mit Nikita Mazepin. Bei ihm hat man ja das Gefühl, da fährt ein Bündel Dynamit durch die Gegend und die Zündschnur von ihm ist relativ schnell."

Ganz anders Schumacher jr., der bislang einen sehr guten Eindruck in seiner ersten Formel-1-Saison macht. "Und der Mick macht das in einer Ruhe, obwohl er eigentlich allen Grund hätte, sich zu ärgern. Denn wenn du das langsamste Auto hast, ist das auch nicht die große Referenz. Du kommst mit dem großen Namen Schumacher und bist dann hinten, das ist nicht schön", sagt Ebel. "Aber da macht er eben das Beste draus, weil er weiß, dass es für ihn nicht darum geht, den Titel zu holen, sondern er muss einfach nur seinen Teamkollegen schlagen und dann gucken, wie viel Luft nach vorne ist."

Seinen Teamkollegen Mazepin hat Mick bisher total im Griff. Bei allen drei Saisonrennen schnitt der 22-Jährige besser als der Russe ab – und dazu glückte ihm im vergangenen Rennen gegen Williams-Fahrer Nicholas Latifi sein erstes Überholmanöver. "Das ist ihm hoch anzurechnen, dass er einen Williams überholt hat, das ist schon ein enormer Erfolg mit dem schlechtesten Auto. Das sind so die kleinen Motivationsmomente, die er sich holen und auf die er aufbauen kann", sagt Ebel. "Nun kann er sich auf das nächste Rennen freuen und sagen, dass es jetzt wieder darum geht, den Teamkollegen im Griff zu haben und dann mal sehen, ob ich wieder an einen anderen herankomme. Nur das kann die Maxime sein, denn er hat da kein Siegauto stehen. Diesen Wagen setzt auch ein Lewis Hamilton nicht in die erste Reihe."

Familie und Management lenken Mick in die richtige Bahn

Doch woher hat Mick diese Gelassenheit? Ebel hebt da vor allem sein Umfeld hervor. Sowohl die familiäre Erziehung als auch die Betreuung durch das Management in Person von Sabine Kehm, die schon Michael Schumacher betreute, lobt der Formel-1-Experte. Aufgrund dieser Einflüsse, sei Mick auch abseits der Strecke ein angenehmer Zeitgenosse. "Einige laufen da mit einem Hals rum, die grüßen nach Tageslaune. Wenn sie mal Lust haben, sagen sie mal 'Hallo', dann mal nicht. Aber Mick ist da immer korrekt, immer freundlich, immer geradeaus und antwortet auch auf Fragen, kommt immer zum Interview. Das macht auch nicht jeder", sagt Ebel.

Und Mazepin? Der ist immer wieder gereizt, fühlt sich benachteiligt und macht Fehler. "Da mache ich mir schon Gedanken, warum das so ist", sagt Ebel und betont die komfortable Situation des 22-Jährigen, dessen Vater das Haas-Team mitfinanziert. "Denn eigentlich dürfte er deswegen gar keinen Druck haben. Der muss einfach nur seinen Job machen und Auto fahren."

Ganz anders sei die Situation bei Mick. "Da ist der Druck aus meiner Sicht viel größer, weil alle erwarten von einem mit dem Namen Schumacher früher oder später Podeste und Siege und von dem Namen Mazepin erwartet momentan keiner was", sagt Ebel.

SHO

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