Red Bull und Mercedes in der Zwickmühle

Verstappen: Entwicklungsrennen entscheidet die Formel-1-WM

Endlich mal wieder ein ganz enger WM-Kampf: Max Verstappen im Infight mit Lewis Hamilton (r.)
Endlich mal wieder ein ganz enger WM-Kampf: Max Verstappen im Infight mit Lewis Hamilton (r.)
© imago images/Motorsport Images, Zak Mauger via www.imago-images.de, www.imago-images.de

10. Juni 2021 - 12:32 Uhr

Knallhartes Wettrüsten - im Schatten der neuen Saison

Max Verstappen gegen Lewis Hamilton, Red Bull gegen Mercedes – so spannend war die Formel 1 schon lange nicht mehr. Vor allem: Erstmals seit langen kämpfen zwei Piloten aus verschiedenen Teams um die Krone der Königsklasse. Das macht die WM 2021 zu einem knallharten Wettrüsten – das allerdings bereits überschattet wird von den radikalen Regeländerungen für die kommende Saison. Für WM-Leader Verstappen kann es aber nur einen Weg geben.

"Wir müssen ständig neue Teile in das Auto einbringen"

"Wir müssen uns weiter verbessern, wir müssen ständig neue Teile in das Auto einbringen. Dann, denke ich, haben wir eine sehr gute Chance", sagt der Red-Bull-Star. Das heißt: Die WM-Entscheidung fällt auch in den Entwicklungsabteilungen in Brackley (Mercedes) und Milton Keynes (Red Bull). "Jeder einzelne im Team ist entscheidend", betonte Verstappen bei gpfans.com.

Zwar waren die Brause-Autos zuletzt in Monaco und auch in Baku schneller als die Schwarzpfeile – was sich in der Führung in der Fahrer- und Konstrukteurswertung niederschlägt. Doch Verstappen schätzt Mercedes auf "normalen Strecken" immer noch stärker ein. Und die stehen nun auf dem Programm: Paul Ricard in Frankreich, der Red-Bull-Ring in Österreich, Englands Traditionsstrecke in Silverstone und Ungarns Hungaroring. Dort wird es wieder auf Kleinigkeiten ankommen – den Unterschied könnten eben auch die Entwicklungsabteilungen machen.

Neues Reglement eröffnet neue Chancen

"Wenn wir Mercedes schlagen wollen, dürfen wir nicht nachlassen, sonder müssen weiter neue Teile ans Auto bringen", betonte Verstappen auch bei "Auto, Motor und Sport". Das wird allerdings kaum bis zum Ende der Saison durchzuhalten sein. Denn die Teams müssen schon jetzt Kapazitäten in die Entwicklung der 2022er-Boliden investieren. Wegen der umfassenden Regelementänderung, die dann greift, werde die Autos völlig anders sein als die aktuellen.

Ein neues Regelwerk bietet erfahrungsgemäß aber auch noch große Interpretationsspielräume. Was bedeutet: Zeit, die man in die Entwicklung des künftigen Autos steckt, könnte sich weit stärker auszahlen, als die mühsame Suche nach Tausendstelsekunden-Vorteile bei einem bereits weit entwickelten Modell.

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F1 Grand Prix of Azerbaijan 44 Lewis Hamilton GBR, Mercedes-AMG Petronas F1 Team, 14 Fernando Alonso ESP, Alpine F1 Team, 33 Max Verstappen NED, Red Bull Racing, F1 Grand Prix of Azerbaijan at Baku City Circuit on June 5, 2021 in Baku, Azerbaijan. Ph
Im WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton (li.) und Max Verstappen (re.) könnte es 2021 auf Kleinigkeiten ankommen.
© HOCH ZWEI/Pool/XPB Images, ps

"Es wäre dumm, jetzt alles wegzuwerfen"

Die Frage, die sich alle Rennställe stellen, lautet: Wie viel Ressourcen investieren wir in die Entwicklung des aktuellen Autos, wie viel in die des 2022ers? Keine leichte Entscheidung – schon gar nicht für Red Bull und Mercedes, die um die Titel fahren.

Für Verstappen kann es nur eine Antwort geben: "Solange die Chance auf den WM-Titel so groß ist, müssen wir am Ball bleiben", forderte der 23-Jährige. "Es wäre dumm, jetzt etwas wegzuwerfen, nur um auf das nächste Jahr zu schauen. Wer gibt dir die Garantie, dass wir nächstes Jahr gewinnen, wenn wir uns jetzt ganz auf das neue Auto konzentrieren?"

Verstappen ist zuversichtlich, dass sein Team ausreichend Kapazitäten hat, um parallel zu entwickeln: "Ich denke, wir haben genug Leute im Team, dass wir auch für nächstes Jahr ein gutes Auto entwickeln können." Zudem sei die Mannschaft nach den jüngsten Erfolgen "noch einmal zusätzlich" motiviert, die Titelserie von Mercedes zu beenden, erklärte Teamchef Christian Horner.

Am Ende entscheiden Kleinigkeiten

Es gehe "hin und her" im Fight zwischen Verstappen und Hamilton, so Horner. Allein beim Rennen in Baku habe sich das Blatt gleich mehrmals gewendet: "Max hätte seinen WM-Vorsprung um zehn oder elf Punkte ausbauen können, wenn es so zu Ende gegangen wäre, wie es fünf Runden vor Schluss stand", sagte Horner. Nun habe er weiter vier Punkte Vorsprung, obwohl es nach seinem Ausfall kurzzeitig "so aussah, als könnte er sich einen Rückstand von 21 Zählern einfahren".

Das Rennen in Baku hat aber auch gezeigt: Ein einziges Teil am Auto oder ein kleiner Fehler kann über Sieg oder Niederlage entscheiden – am Ende auch in der Weltmeisterschaft. (wwi)

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