Wechsel-Knatsch in der Formel 1

Löst die irre Piastri-Posse ein Cockpit-Chaos aus?

Mega-Talent Piastri hat F1-Cockpit abgelehnt Silly Season eben
01:16 min
Silly Season eben
Mega-Talent Piastri hat F1-Cockpit abgelehnt

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Vor wenigen Tagen kannten Oscar Piastri nur eingefleischte Motorsport-Fans, inzwischen geht sein Name um die Welt. Der junge Australier spielt die Hauptrolle in einer irren Wechsel-Posse in der Formel 1. Lange Geschichte kurz erzählt: Der Rennstall Alpine will seinem Ersatzfahrer ein festes Cockpit zur neuen Saison geben, verkündet das Supertalent als neuen Fahrer, bis der 21-Jährige bei Twitter aufräumt und sagt: „Ich werde nächstes Jahr nicht für Alpine fahren.“ Nun steht über dem Theater die Frage: Wie geht es weiter?

Alpine: Wir haben nichts falsch gemacht

Das Problem: Beide Seiten sehen sich im Recht. Ein Alpine-Sprecher sagte der BBC am Mittwoch, man habe alle Fristen eingehalten, Piastri sei damit vertraglich verpflichtet, im kommenden Jahr für Alpine in der WM zu starten. Der Haken: Auch Piastri sieht sich im Recht. Bei Twitter schrieb er: „Ich habe keinen Vertrag bei Alpine für 2023 unterschrieben.“ Oben im Video dröseln wir die Posse auf.

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Entscheidend ist dem Vernehmen nach eine Frist, die angeblich am 31. Juli um Mitternacht ausgelaufen ist. Innerhalb dieser Frist, so heißt es, hätte Alpine die Option auf eine weitere Zusammenarbeit mit Piastri ziehen müssen, was Teamchef Otmar Szafnauer aber nicht getan habe. Offensichtlich in der sicheren Annahme, sein Fahrer-Duo mit Alonso und Esteban Ocon werde auch im kommenden Jahr für den französischen Rennstall fahren. So hatte es zunächst auch ausgesehen. Doch seit vergangenem Montag ist klar, dass Alonso zu Aston Martin geht. Der Wechsel, der alles andere als geräuschlos über die Bühne ging , riss erst das Loch, das jetzt Piastri stopfen soll.

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Oscar Piastri: Welche Rolle spielt McLaren?

Hintergrund des Wechsel-Theaters könnte dieser sein: Piastri und sein Manager Mark Webber, früher Red-Bull-Teamkollege von Sebastian Vettel, stehen dem Vernehmen nach schon länger mit McLaren in Kontakt, wo Piastri-Landsmann Daniel Ricciardo nach schwachen Leistungen vor dem Aus steht.

Dem Vernehmen nach zieht es Piastri mit Macht zu McLaren, wo trotz aller Beteuerungen der Platz von Landsmann Daniel Ricciardo mächtig wackelt. Der Routinier hat seit langem das Nachsehen gegen Teamkollege Lando Norris, ist nie wirklich im Team angekommen. Zuletzt berichtete die spanische Sportzeitung "AS", dass es in dem noch eineinhalb Jahre gültigen Arbeitspapier zwischen McLaren und Ricciardo Ausstiegsklauseln geben soll, von denen der britische Konstrukteur im Zweifel Gebrauch machen könnte.

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Und da gibt es ja noch Williams

Neben den Gerüchten um McLaren ist derzeit nur noch ein Cockpit bei Williams offen, wo lediglich Alex Albon gesetzt ist. Der 26-Jährige hat dort am Mittwoch einen mehrjährigen Vertrag unterzeichnet. Dass Piastri den britischen Rennstall - den abgeschlagenen Letzten in der Konstrukteurs-WM - als Option sieht, wenn er die Möglichkeit hat, beim WM-Vierten Alpine oder WM-Fünften McLaren zu fahren, scheint ausgeschlossen. Denn es scheint es so, als würde Ex-F1-Pilot Mark Webber mit seinem Schützling Piastri den ersten großen Coup landen, indem er seinen jungen australischen Landsmann bei McLaren unterbringt.

Noch gibt es keine Signale oder Stellungnahmen vom Rennstall aus Woking. Im Hintergrund dürften die Leitungen jedoch glühen. Passend dazu verriet Szafnauer nun, dass "Oscar und sein Management die Möglichkeiten prüfen" würden. "Was immer das bedeute", fügte der 57-Jährige vielsagend an.

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Das letzte Wort scheint also noch lange nicht gesprochen. Dennoch: Sollte Piastri am Ende bei McLaren landen, bräuchte Alpine Ersatz. Er habe bereits "einen Haufen Anrufe von anderen potenziellen Fahrern erhalten", erklärte Szafnauer. Möglich, dass darunter auch das Management von Ricciardo war, dessen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte - trotz des schwachen Abschneidens zwischen 2019 und 2020 - denkbar erscheint. Der Alpine-Teamchef schloss diese Möglichkeit jedenfalls auf Nachfrage von "Motorsport.com" explizit nicht aus.

Sollte der Ringtausch allerdings scheitern, könnten sich ganz andere Möglichkeiten ergeben, die bis zuletzt noch ausgeschlossen schienen.

Da wäre Pierre Gasly, der seinen Vertrag bei AlphaTauri beinahe routinemäßig erst Ende Juni verlängerte, für den nächsten Karriereschritt aber nach fünf Jahren eigentlich aus Red Bulls Formel-1-Kosmos ausbrechen müsste. Bei Alpine könnte der talentierte Franzose zeigen, dass er auch ohne den Roten Bullen auf der Motorhaube zu guten Leistungen fähig ist.

Was macht Mick Schumacher?

Oder wird Alpine auf einmal zur Option für Mick Schumacher? Dafür müssten die Franzosen Schumi jr aus der Ferrari-Nachwuchsakademie rauskaufen. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Oder das RB-Schwesterteam schlägt bei Mick zu. Der junge Deutsche liebäugelt bereits seit Längerem mit einem performanteren Auto. AlphaTauri könnte ihm dieses bieten.

Schlussendlich wäre dann bei Haas ein Platz für Ricciardo frei. Ob der US-Rennstall sich den Australier leisten kann, sei dahingestellt. Ein prominenter Ersatz für den abgewanderten Schumacher wäre er allemal.

Bliebe am Ende noch das verwaiste Cockpit bei Williams. Dieses sollte dem Vernehmen nach ursprünglich 2023 an Piastri gehen, als man bei Alpine noch davon ausging, dass Alonso langfristig bleibt. Doch weil sich das australische Supertalent zu Höherem berufen fühlt, dürfte hier nun Neuling Nyck de Vries die besten Chancen haben. Im Gegensatz zu Piastri würde der Niederländer nicht nur auf Leihbasis zum britischen Rennstall wechseln. Diese Perspektive soll Williams besonders reizen. De Vries machte sich jahrelang Hoffnungen auf ein Mercedes-Cockpit, fasste bei den Silberpfeilen aber nie Fuß. Wie auch immer es weitergeht, die Silly Season bleibt spannend. (sfu/msc/sport.de)