Angst vor nächstem Desaster in Baku?

Heckflügel-Gate: Mercedes-Boss Wolff schickt Drohung in Richtung Red Bull

Ist der Heckflügel am Wagen von Max Verstappen regelkonform?
Ist der Heckflügel am Wagen von Max Verstappen regelkonform?
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24. Mai 2021 - 16:07 Uhr

„Dann wird’s schmutzig“

Kommt in den Titelkampf der Formel 1 eine ordentliche Portion Schlammschlacht hinzu? Vor dem nächsten Rennwochenende in Baku (4. bis 6. Juni) sieht alles danach aus. Denn: Mercedes-Boss Toto Wolff kündigte schon mal an, dass es "schmutzig" werden könnte. Die Sorge beim Weltmeisterteam scheint riesig zu sein, dass Titelrivale Red Bull mit einem illegalen Heckflügel einen Vorsprung von bis zu einer halben Sekunde pro Runde rausholen könnte. Kein unbedeutender Faktor, der Mercedes nach dem Stadtkurs-Desaster in Monaco so gar nicht schmeckt. Und so schickte der Chef persönlich eine Drohung hinaus an die Konkurrenz.

Wolff hofft auf FIA-Handlung vor Baku

Sollte Red Bull also auf die Idee kommen, den "Flexiflügel" auch in Baku einzusetzen, "dann wird das angesichts des Vorteils, den das bedeutet, zu den Stewards gehen", kündigte Wolff in einem Interview bei "Sky" am Sonntag nach dem Monaco-GP an.

Doch damit nicht genug: "Und wenn die Stewards dafür nicht ausreichen, dann geht das zum Internationalen Berufungsgericht weiter", meinte Wolff. "Daher glaube ich, dass die FIA das Thema vor Baku regeln wird. Wenn nicht, wird's schmutzig."

Red Bull und der clevere Vorteil des „Flexiflügels“

Hintergrund des Heckflügel-Gates: Red Bull scheint einen flexiblen Flügel entwickelt zu haben, der sich auf den Graden so stark biegt, dass das Auto weniger Widerstand hat – in den Kurven, wo der Heckflügel aber in seiner eigentlichen Position steht, geht den Bullen so kein Anpressdruck verloren. Ein cleverer Schachzug, der bisher allen Tests der FIA standgehalten hat. Bisher.

Nachdem TV-Bilder in Barcelona erstmals den Trick aufdeckten, kündigte der Weltverband für den 15. Juni neue, schärfere Tests an. Alles schön und gut. Nur kommen diese Tests etwas spät, wenn vorab der zweite Stadtkurs auf dem Rennkalender steht – denn dort scheint das Prinzip "Flexiflügel" mit den vielen, engen Kurven besonders wirksam zu sein.

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Mercedes: Taktische Aussage nach Monaco

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Toto Wolff
© REUTERS, HANDOUT, ao

Wolffs Aussagen sollen nicht für einen schlechten Verlierer stehen. "Eigentlich ist jetzt nicht der Zeitpunkt, über den Heckflügel zu reden. Sie haben hier aus eigener Kraft gewonnen. Der Heckflügel hatte mit der Leistung von Red Bull nichts zu tun. Sie waren einfach besser. Das müssen wir akzeptieren und ihnen zum Sieg gratulieren", gestand der Mercedes-Boss nach dem Monaco-Rennen offen und ehrlich.

Vielmehr scheint der Zeitpunkt von Wolffs Aussagen mit Blick aufs nächste Rennen taktisch gewählt zu sein: Er könnte damit die FIA zum Handeln zwingen, die Tests noch vor Baku durchzuführen. Immerhin geht es hier um die Fahrer- und Team-WM. Und die sind aktuell so eng wie schon lange nicht mehr. RB (149) führt mit einem mageren Pünktchen vor Mercedes (148), Max Verstappen (105) hat mit vier Zählern in der Fahrerwertung hauchdünn die Nase gegenüber Lewis Hamilton (101) vorn.

Bei den FIA-Überprüfungen soll dann genau unter die Lupe genommen werden, ob Red Bulls Heckflügel auch Artikel 3.8 des Regelwerks entspricht. Dabei geht es um den "aerodynamischen Einfluss" und er besagt, dass jedes Teil am Wagen, "das sich auf die aerodynamische Performance auswirkt, in Relation zum gefederten Teil des Autos unbeweglich" sein muss. Klare Ansage. Punkt.

McLaren könnte Mercedes bei Protest unterstützen

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Auch Andreas Seidl (re.) und McLaren-CEO Zak Brown schauen genau auf den Heckflügel von Red Bull.
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Falls Mercedes Protest wegen des Red-Bull-Rückflügels einlegt, droht den Silberpfeilen dann andererseits Ärger durch die Konkurrenz für den eigenen Frontflügel? "Wir haben die Frontflügel analysiert", erklärte Wolff. "Die biegen sich genauso wie bei Red Bull. Wir könnten also auch dort gegenseitig Protest einlegen. Klar ist aber, dass sich ihr Heckflügel mehr biegt, als er das sollte. Das wurde als nicht regelkonform eingestuft."

Durch den angekündigten FIA-Test nennt Wolff den aktuellen Zustand "ein Vakuum". "Es ist, wie es ist. Wir glauben aber, dass wir da eine ziemlich starke rechtliche Ausgangsposition haben." Und der Ansicht könnte wohl auch McLaren sein, die ähnliche Beobachtungen wie Mercedes gemacht haben. "Wir sind nicht happy darüber, dass gegnerische Autos, die aus unserer Sicht ganz klar nicht den Regeln entsprechen und von denen das auch festgestellt wurde, weiterhin fahren dürfen", sagte McLarens Teamchef Andreas Seidl zum "Heckflügel-Gate".

In dem Sinne: Lasset die Schlammschlacht beginnen. (ana)