Der Oldie kann's noch!

Wie Fernando Alonso die Formel-1-Sensation des Wochenendes gelang

Fernando Alonso feierte das Podium gebührend.
Fernando Alonso feierte das Podium gebührend.
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21. November 2021 - 19:51 Uhr

Können, Taktik und 'ne Portion Wüsten-Glück

2014 ist eine Weile her. Deutschland war noch Fußball-Weltmeister, Hamilton erst ein einmaliger Formel-1-Weltmeister und Corona sowieso nur ein Bier. Eben in jenem Jahr, vor sieben Jahren, bestieg Fernando Alonso das letzte Mal das Podium nach einem Formel-1-Rennen. In Ungarn kraxelte er damals noch als Ferrari-Pilot aufs Podest und feierte den zweiten Platz. Bis zu diesem Sonntag war es das bislang letzte Mal.

"Ich habe so lange darauf gewartet"

Nun, sieben Jahre später, gelang ihm in der Wüste mal wieder ein Podest-Streich. Sein 98. der Karriere. Der Alpine-Fahrer fuhr in beeindruckender Manier und mit glänzend aufgehender Renn-Taktik beim Großen Preis von Katar auf den dritten Platz.

"Ob ich das genieße? Scheiße, ich habe so lange darauf gewartet", sagte der emotional euphorisierte Spanier. Nach "Olé Olé"-Rufen im Renner feierte er anschließend im Parc fermé mit den Alpine-Mitarbeitern den dritten Platz wie einen Titel. Mit seinem Coup wurde er erst zum dritten 40-Plus-Fahrer, dem dies gelang. Die weiteren: Michael Schumacher und Nigel Mansell.

"Unglaublich, sieben Jahre ist es her, wieder auf dem Podest zu stehen", jubelte Alonso. "Wir hatten von Anfang an einen Stopp geplant, es war ein neues Rennen, wir wussten nicht, ob es wirklich hinhaut. Ich genieße die Formel 1 so sehr und habe so lange auf dieses Podium gewartet. Ich bin sehr glücklich."

Reifendesaster spielt in Alonsos Karten

Der Routinier profitierte nicht nur von seinem Können und der herausragenden Taktik, sondern auch von Strafen seiner Konkurrenten – und das schon beim Start. Valtteri Bottas musste drei Ränge zurück, WM-Leader Max Verstappen sogar fünf. Als Dritter ging es für Alonso in der Wüste los, kurz nach dem Start schon schnappte er sich Pierre Gasly und dessen AlphaTauri, gegen Senkrechtstarter Verstappen machte er mit einem "Buff" die Tür zu. Hamilton zog vorne schnell einsam die Kreise – vor dem Spanier.

Dabei hatte Alonso sogar gedacht, zu Beginn den Mercedes-Mann attackieren zu können. Denn der zweimalige Weltmeister hatte die weichen Reifen drauf, Hamilton die etwas langsamere Medium-Mische. "Ganz ehrlich, heute hätte ich sogar gedacht, dass ich nach dem Start führen würde. Ich bin sehr glücklich für das Team."

Motiviert wie eh und je meldete er sich während des Rennens. "Sagt Esteban, er soll kämpfen wie ein Löwe", wies er das Team in Runde 45 an. Zu diesem Zeitpunkt lag der Garagennachbar auf Platz 5 und vor Sergio Perez, der mit reichlich "Bullen"-Pace anrauschte. Alpine-Kollege Ocon hielt den Mexikaner nur kurz auf, dennoch brachte Alonso den Vorsprung ins Ziel. In den letzten Runden profitierte der "Einstopper" Alonso dann auch von einer virtuellen Safety-Car-Phase. Williams-Pilot Nicholas Latifi hatte nach seinem Reifen-Defekt den Renner an einer ungünstigen Stelle abgestellt. Die Gelbphase half dem 40-Jährigen den dritten Rang zu verteidigen – wie ein Löwe.

Der Plan ging auf. "Wir hatten in diesem Jahr schon ein paar Mal eine Chance, aber immer ist etwas dazwischengekommen", sagte Alonso nach dem Rennen. "Nun hat alles wie geplant funktioniert, ich könnte nicht glücklicher sein! Alles in allem war dies unser bestes Rennwochenende 2021."

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Die Fans liegen ihm zu Füßen

Die Einstopp-Strategie ging in der Tat auf, war aber durchaus riskant, wie sich im Laufe des Rennens zeigte. Mehrere Fahrer wie George Russell, Latifi, Bottas oder Lando Norris hatten mit andauernder Renndauer Problemen mit den Pneus. Die Gummis am Alpine hielten – dank des Reifenmanagements von Alonso. Er war auf Soft losgefahren, stieg dann in Runde 24 auf Hard um. Zwischendurch musste er nach einem harten Zweikampf Verstappen-Helfer Perez vorbei lassen. Die Bullen holten den Mexikaner aber ein zweites Mal in die Box – aus Sicherheitsgründen. Die Angst vor weiteren Reifenplatzern ging um. So eroberte Alonso den dritten Rang zurück. Am Ende fuhr er mit knapp drei Sekunden Vorsprung auf Perez über die Ziellinie. Die Herzen der Fans hatte er schon längst gewonnen. Sie voteten ihn zum Fahrer des Tages

Einem weiteren Podest-Konkurrenten machten die Reifen ebenfalls einen Strich durch die Rechnung. Bottas war lange auf Kurs, aber ihm platzte der vordere linke Reifen. Am Funkensturm, den der Finnen hinter sich herzog, knatterte Alonso lässig vorbei.

Zusammen mit Ocons fünftem Platz holte er wichtige Punkte für das Team. In der Konstrukteurswertung behauptet Alpine den fünften Platz vor AlphaTauri. 25 Punkte liegen die Franzosen vor dem Schwesterteam von Red Bull.

Auf dem Podium ließ es Alonso dann Emirat-konform mit Rosenwasser kräftig krachen. Auch hier zeigte sich: Er hat nichts verlernt. Auf der Strecke und auf dem Podium. (msc)