Aufholjagd kein Zuckerschlecken

Hamiltons schmaler Grat in Istanbul

Lewis Hamiltons 102. Karriere-Pole ist beim Türkei-GP 2021 nur Startplatz 11 wert
Lewis Hamiltons 102. Karriere-Pole ist beim Türkei-GP 2021 nur Startplatz 11 wert
© dpa, Umit Bektas, AG aju

09. Oktober 2021 - 17:41 Uhr

Hamilton zuversichtlich, Wolff skeptisch

So schnell wie möglich nach vorne kommen, ohne dabei zu viel riskieren und sich einen Ausfall einhandeln – Lewis Hamiltons Devise für den Großen Preis der Türkei am Sonntag (14 Uhr im RTL-Live-Ticker) ist klar, aber auch ein anspruchsvoller Balance-Akt. Nach seiner Schadensbegrenzung im Qualifying rechnet sich der Mercedes-Star von Startplatz 11 einiges aus und nimmt sich WM-Kontrahent Max Verstappen zum Vorbild. Silber-Teamchef Toto Wolff dämpft die Erwartungen. Red Bull hofft auf Schützenhilfe eines alten Hamilton-Rivalen.

Hamilton will's wie Verstappen machen

"Ich bin insgesamt sehr zufrieden und glücklich. Morgen wird es schwierig, aber ich werde alles geben. Wir haben im letzten Rennen bei Max gesehen, was möglich ist", gab Hamilton nach der 102. Pole Position seiner Karriere, die wegen seiner Grid-Strafe doch nur Platz 11 wert ist, zu Protokoll.

In der Tat: Verstappen hatte beim letzten Rennen in Russland gezeigt, wie man den Schaden einer Rückversetzung so klein wie möglich hält. Vom letzten war der Holländer in Sotschi auf den zweiten Platz "gepflügt", wie Hamilton es ausdrückte. Gepflügt, weil Verstappen in einer verrückten Schlussphase der russische Regen zu Hilfe kam.

Hamilton hofft auf die Gerade

Warum sollte Hamilton ähnliches in Istanbul nicht gelingen? Der Regen könnte erneut das Zünglein an der Waage sein. Außerdem startet er als immerhin Elfter, also deutlich weiter vorne als Verstappen in Russland. Und: Als Strategie-Ass hat Mercedes noch Hamiltons Pole-Erben und Wingman Valtteri Bottas im Ärmel. Sollte der Finne Platz 1 nach dem Start behaupten, könnte er das Tempo und damit den Rennverlauf zugunsten eines heranstürmenden Hamiltons beeinflussen.

Zu guter Letzt ist da ja noch die Mercedes-Pace am Bosporus. Hamilton und Bottas fuhren der Konkurrenz im Istanbul Park bisher scheinbar nach Belieben um die Ohren. "Es gibt hier eine lange Gerade, vielleicht ist da was möglich", setzt Hamilton auf die Stärke seines Motors.

Skeptischer als der Rekord-Champion klingt Silber-Häuptling Toto Wolff. "Die Strategie ist das Einzige, was uns über bleibt", sagte der Österreicher bei Servus TV: "Gestern sind wir hinter einem Haas hergefahren und konnten auch den nicht überholen." Er rechne daher nicht unbedingt mit einer großen Aufholjagd seines Starpiloten.

Nun muss man wissen, dass Wolff ein Meister des Understatements ist. Red Bull und Verstappen wissen das jedenfalls und rechnen mit einem entfesselten Hamilton. Sollte Verstappen nicht früh an Bottas vorbeikommen, werde man sich entsprechend rüsten, sagte Teamberater Helmut Marko bei Sky. Will heißen: "Auf Abstand und Sicherheit gehen, um uns gegen Hamilton verteidigen zu können. Wir rechnen damit, dass er nach vorne kommt. Das Tempo von Mercedes war schon sehr anständig."

Die graue Bullen-Eminenz machte allerdings aus seiner Hoffnung keinen Hehl, dass die starke Mittelfeld-Riege Charles Leclerc (Ferrari/Startplatz 3), Pierre Gasly (AlphaTauri/4) und Fernando Alonso (Alpine/5) den Weltmeister so lange wie möglich aufhält. Süffisant merkte Marko an, dass Alonso seit seiner Zeit mit "King Lewis" bei McLaren 2007 "ja kein Hamilton-Fan ist".

Und dann ist da aus Red-Bull-Sicht auch noch die Nummer 2 des Teams, Sergio Perez, der von 6 ins Rennen geht. Eines ist sicher: Der Mexikaner wird sich ganz, ganz breit machen, wenn Hamilton heranfliegt. Wie gesagt: Istanbul ist ein schmaler Grat für Hamilton. (mar)