Das Scheitern der Roten an sich selbst

Ferrari und seine Fahrer im WM-Kampf: zuverlässig unzuverlässig

 Formula 1 2022: French GP CIRCUIT PAUL RICARD, FRANCE - JULY 24: A despondent Charles Leclerc, Ferrari F1-75, after crashing out of the lead at Le Beausset during the French GP at Circuit Paul Ricard on Sunday July 24, 2022 in Le Castellet, France.
Au Backe! Charles Leclerc nach seinem selbstverschuldeten Aus beim Frankreich-GP
www.imago-images.de, IMAGO/Motorsport Images, IMAGO/Carl Bingham

Es könnte die vorzeitige Entscheidung im WM-Kampf gewesen sein: In Runde 18 des Frankreich-GP fuhr Charles Leclerc seine Siegchance beim 12. Saisonrennen buchstäblich gegen die Wand. Eingangs der schnellen Beausset-Kurve verlor der Monegasse das Heck seines Ferrari, drehte sich und krachte frontal in die Streckenbegrenzung. Es war bereits das dritte Mal in dieser Saison, dass Leclerc in Führung liegend ausschied.

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"Muss das in den Griff bekommen, wenn ich Weltmeister werden will"

Anders als bei den vorausgegangenen Ausfällen war diesmal nicht ein technisches Problem verantwortlich. "Oder zumindest weiß ich davon noch nichts“, sagte Leclerc später bei Sky. „Es war einfach ein Fehler." Auf 32 Punkte beziffert Leclerc schon seine Punktverlust durch eigene Fehler – 25 in Le Castellet und noch einmal 7 durch seinen Dreher beim Heimspiel der Scuderia in Imola.

"Am Ende des Jahres werden wir zusammenrechnen, und wenn mir dann 32 Punkte fehlen, dann weiß ich, dass die von mir selbst kommen und ich die Meisterschaft nicht verdiene", sagte Leclerc zerknirscht. "Ich muss das in der zweiten Saisonhälfte in den Griff bekommen, wenn ich Weltmeister werden will!"

Rote Hemdsärmlichkeit auch in Le Castellet

Er habe das Gefühl, seit Saisonbeginn auf seinem höchsten Niveau zu fahren. „Aber das hat alles keinen Sinn, wenn ich solche Fehler mache“, meinte der 24-Jährige, dem nach dem Frankreich-Sieg von Max Verstappen in der WM nun schon 63 Punkte auf den Titelverteidiger im Red Bull fehlen. Doch Leclerc alleine, wäre nicht daran Schuld, wenn die Roten am Ende wieder einmal den Titel verpassen würden – obwohl sie in dieser Saison zweifellos das schnellste Auto im Feld haben.

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Standfestigkeitsprobleme, strategische Fehlentscheidungen und peinliche Pannen bringen Leclerc und seine Mannschaft aus Maranello regelmäßig um den Lohn ihrer Arbeit. Auch beim Frankreich-GP war wieder rote Hemdsärmeligkeit zu beobachten: Beim ersten Reifenservice von Carlos Sainz etwa leistet sich die Boxencrew einen „Unsafe Release“, was dem Spanier eine 5-Sekunden-Strafe einbrachte.

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Fehler in allen Mannschaftsteilen

Außerdem beorderte man den vom vorletzten Platz gestarteten Sainz (wegen einer Motorenstrafe) just in dem Moment zu einem zweiten Boxenstopp, als dieser gerade Platz 3 erobert hatte – mit einem spektakulären Überholmanöver gegen Red-Bull-Mann Sergio Perez.

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Zwar fuhr Sainz zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich lange auf seinen Mediumwalzen – doch wenn sie für das Manöver gegen Perez gut genug waren, hätte sie möglicherweise auch die letzten 10 Runden bis ins Ziel noch durchgehalten. Und selbst wenn nicht: Schlechter als der am Ende von Sainz erreichte 5. Platz wäre es wohl nicht geworden. Anders aber wäre Platz 3 drin gewesen – zumal Überholen ziemlich schwierig war an diesem Tag auf dem Circuit Paul Ricard.

Und auch das passte zum gebrauchten Tag von Ferrari in der Hitze von Le Castellet: Leclerc hätte nach seinem Abflug möglicherweise weiterfahren und Schadensbegrenzung betreiben können, denn sein Auto wies keine sichtbaren Schäden auf. Doch Leclerc konnte den Rückwärtsgang nicht einlegen, weil die Technik streikte. "Irgendetwas mit der Kupplung hat nicht funktioniert, und ich konnte nicht rückwärts fahren", gab er später zu Protokoll.

Zuverlässig unzuverlässig - seit 2007

All diese Probleme sind nichts Neues bei Ferrari. Seit dem letzten WM-Titel der Roten, 2007 mit Kimi Räkkönen, wiederholen sich Szenarien wie die in dieser Saison: Fernando Alonso und auch Sebastian Vettel scheiterten in dieser Zeit mit Versuchen, die Krone der Königsklasse wieder nach Maranello zu holen – an eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten von Team und Technik. Bei allen Zuverlässigkeitsproblemen – von Fahrern und Fahrzeug – zuverlässig scheint man sich bei Ferrari vor allem auf eines verlassen zu können: Das Scheitern an sich selbst. (wwi)