Red-Bull-Berater Helmut Marko im Interview

Marko: Fahrer und Teams im WM-Kampf "wahnsinnig gefordert"

06. Mai 2021 - 12:19 Uhr

Marko: "Vorne ist der, der keinen Fehler macht"

Helmut Marko sieht den WM-Kampf zwischen Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und Herausforderer Max Verstappen schon vor dem vierten Saisonrennen in Barcelona (Sonntag, ab 14 Uhr live bei RTL) am Siedepunkt. "Ich glaube, wir haben schon eine ziemliche Zuspitzung, es geht in jedem Rennen ganz, ganz eng zu. Letztlich ist der vorne, der keinen Fehler macht", sagte der Red-Bull-Berater im Interview mit RTL/ntv. Viel enger als zwischen den Titelrivalen könne es nicht zugehen, so Marko. Die Prognose des Österreichers: "Ich fürchte, es wird so bis Saisonende bleiben." Im Video spricht Marko über Verstappens großes Plus im WM-Kampf und verrät, was den "Bullen" zu Mercedes noch fehlt.

Tagesform, Strecke und Strategie entscheidend

Das Duell zwischen Mercedes und Red Bull sei "ein Wettkampf auf sehr, sehr hohem Niveau". Die Tagesform könne dabei ebenso den Ausschlag geben wie "das Streckenlayout" und das Wetter, sagte Marko.

Neben den Fahrern müssten auch die Renn-Hirne an den Kommandoständen jederzeit auf Zack sein, betonte der 78-Jährige. "Von der Strategie her sind die Teams wahnsinnig gefordert, auch was die Abstimmung angeht."

Spanien dieses Jahr "Bullen"-Weide?

Für den Spanien-GP auf dem Circuit de Catalunya ist Marko optimistisch. Zwar sei der Kurs vor den Toren Barcelonas in der Vergangenheit "immer eine Mercedes-Strecke" gewesen. "Da wir in den vergangenen drei Rennen aber mehr oder minder immer auf Augenhöhe waren und die äußeren Konditionen nicht immer optimal zu unseren Gunsten gelaufen sind, gehen wir davon aus, dass wir hoffentlich wieder die Oberhand haben", sagte die graue Eminenz der "Bullen".

Auch dürften die leidigen "weißen Linien" in Barcelona kein Problem sein, spöttelte Marko. Verstappen und Red Bull seien zuletzt von den Track-Limit-Regeln die "Meistbetroffenen" gewesen, monierte der Teamberater. Er habe den Eindruck, diese "werden bei uns am konsequentesten angewendet".

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Video: Marko grantelt wegen Track Limits

Red Bull hofft auf Reifenvorteil in Barcelona

Bei Red Bull hofft man insgeheim zudem, dass die Reifen Mercedes in Barcelona das Leben schwer machen. Der W12 habe "Probleme mit den Hinterreifen", erläuterte Marko. "Je griffiger der Asphalt desto größer die Chance, dass es zu einer Überhitzung kommt und damit zu einem Verlust an Performance."

In Portimao habe Mercedes von dem glatten Asphalt auf der Achterbahnpiste profitiert. Auch sei es an der Algarve und zuvor in Imola ungewöhnlich kühl gewesen, was den Silbernen in die Karten gespielt hätte, so Marko. In Katalonien sollten "die Temperaturen für die Jahreszeit wieder normal um die 20 Grad sein", sagte er. Und weiter: "Wir glauben auch, dass die Kurvencharakteristik unserem Auto mehr entgegenkommt."

Perez braucht "etwas Rennglück"

Im Kampf gegen Hamilton und Mercedes setzt Red Bull neben Alphatier Verstappen weiterhin voll auf die Fahrkünste von Sergio Perez. Die Entwicklung beim Mexikaner stimme "generell", lobte Marko. "Sein Speed wird immer besser sowohl im Rennen als auch im Qualifying."

Allerdings sehe man bei Rückkehrer Fernando Alonso, Aston-Martin-Zugang Sebastian Vettel, "teilweise bei Carlos Sainz" im Ferrari und "ganz deutlich" bei McLaren-Mann Daniel Ricciardo: "Leute, die umsteigen, brauchen ihre Zeit, die Autos sind sehr diffizil." Etwas "Rennglück", dann sei Perez "auf Podiumskurs".

Bis Sommer "volles Programm" bei Red Bull für 2021

Mit Blick auf die technische und aerodynamische Entwicklung der aktuellen Boliden hat Red Bull laut Marko einen klaren Zeitplan. "Bis zum Sommer entwickeln wir volles Programm", betonte der Österreicher. Zwar arbeite man parallel "natürlich" schon am Auto für 2022, "das vom Reglement her ja einen der gravierendsten Eingriffe der letzten 20 Jahre darstellt". Der Fokus liege bei den WM-Kontrahenten zurzeit aber auf der Gegenwart.

"Mercedes und Hamilton wollen ihren achten Titel, wir wollen unseren ersten Titel seit 2013. Wenn man nicht weiterentwickelt, glaube ich nicht, dass man dieses Ziel erreicht. Wir haben beide starke Kapazitäten in der technischen Abteilung", sagte der Red-Bull-Häuptling.

Letztendlich sei 2021 "eine gewisse Gratwanderung, dass man versucht, die WM zu gewinnen und gleichzeitig für das nächstjährige Reglement ein Top-Auto hinzustellen", so Marko.

MAR

Auch interessant