Fett wird schlechter abgebaut

Deshalb nehmen wir im Alter wirklich zu

© Getty Images/iStockphoto, kwanchaichaiudom

16. September 2019 - 10:06 Uhr

Mit zunehmendem Alter zeigen sich Schlemmer-Sünden gnadenlos

Es ist ein Phänomen, das viele kennen: Mit Anfang zwanzig konnte man scheinbar essen, was man wollte, ohne auch nur ein Gramm Fett mehr anzusetzen. Ein, zwei Jahrzehnte später ist das völlig anders geworden: Jede Tüte Chips oder Tafel Schokolade scheint schon am nächsten Morgen gnadenlos auf den Hüften sichtbar zu werden.

Aber kommt uns das nur so vor oder nehmen wir mit zunehmendem Alter tatsächlich immer schneller zu, auch wenn wir gar nicht mehr essen? Forscher haben darauf nun eine mögliche Antwort gefunden.

Gespeichertes Fett wird schlechter abgebaut

Im Alter erlahmt der Fettstoffwechsel und gespeichertes Fett wird schlechter abgebaut. Das berichten Forscher aus Schweden im Fachmagazin "Nature Medicine". Dies könnte ein Grund dafür sein, dass viele Menschen im Alter zunehmen, obwohl sie gar nicht mehr essen oder weniger Sport treiben als zuvor.

Fett wird im Körper in Fettzellen gespeichert, den sogenannten Adipocyten, die etwa 90 Prozent des weißen Fettgewebes ausmachen. Fortwährend wird in den Zellen gespeichertes Fett abgebaut und neues eingelagert. Um zu prüfen, wie sich dieser Stoffwechsel im Laufe des Lebens verändert, hatte das Team um Peter Arner vom Karolinska University Hospital im schwedischen Stockholm 54 Personen untersucht. Von diesen hatten sie zweimal im Verlauf von durchschnittlich 13 Jahren eine Probe des Fettgewebes entnommen.

Probanden legten etwa 20 Prozent Körpergewicht zu

Es zeigte sich, dass sich mit zunehmendem Alter der Fettabbau verlangsamte. Und zwar unabhängig davon, ob die Person zugenommen hatte, ihr Gewicht hielt oder über die Jahre abnahm. Probanden, die ihre Kalorienaufnahme nicht reduziert hatten, legten über den Untersuchungszeitraum etwa 20 Prozent Körpergewicht zu.

Studie liefert nur eine Hypothese

Deutsche Experten sehen die Studie allerdings mit Vorbehalt. Helmut Frohnhofen, Abteilungsarzt für Altersmedizin am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen, betont, dass die Studie nur eine Hypothese liefern kann, keine verlässlichen Aussagen: "Die Ergebnisse der Studie sind ein interessanter Hinweis, aber es geht hier um recht wenige Probanden", so der Mediziner.

Grundsätzlich sei Übergewicht nicht rein biologisch bedingt: "Da spielen viele Faktoren eine Rolle, das ist zum Teil genetisch, zum Teil verhaltensabhängig. Wenn im Alter sportliche Aktivitäten eingeschränkt sind, lässt sich das Gewicht am besten über die Ernährung beeinflussen", so Frohnhofen.

Quelle: DPA/RTL.de