Nach Festnahme mittels Zwangsnotlandung in Belarus

Vater von Protassewitsch-Freundin bittet um Begnadigung

Die Freundin des belarussischen Oppositionellen Roman Protassewitsch Sofia Sapega
Die Freundin des belarussischen Oppositionellen Roman Protassewitsch Sofia Sapega
© instagram.com/sapega_sofia_/Globallookpress.com, dpa, instagram.com/sapega_sofia_

17. Juni 2021 - 15:33 Uhr

Gnadengesuch für russische Tochter

Dreieinhalb Wochen ist es her, dass der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko eine Ryanair-Maschine zum Landen zwang, um den darin sitzenden Oppositionellen Roman Protassewitsch und dessen Freundin Sofia Sapega festnehmen zu lassen. Jetzt hat der Vater von Sapega bei Lukaschenko ein Gnadengesuch eingereicht.

"Sofia war am falschen Ort"

Dreieinhalb Wochen nach ihrer Festnahme in Belarus hat der Vater der Russin Sofia Sapega Machthaber Alexander Lukaschenko um eine Begnadigung seiner Tochter gebeten. "Jeder vernünftige Mensch versteht, dass Sofia am falschen Ort und mit der falschen Person war", sagte der 53-Jährige am Donnerstag dem russischen Nachrichtenportal Primamedia. "Bevor sie Roman Protassewitsch traf, war sie ein ganz normales Mädchen."

Sapega war gemeinsam mit dem Blogger Protassewitsch nach der Zwangslandung einer Passagiermaschine in Minsk festgenommen worden. Beide sind ein Paar. Die autoritären Behörden in Belarus werfen Sapega vor, Unruhen in der Ex-Sowjetrepublik gegen Lukaschenko organisiert zu haben. Sie sitzt in Untersuchungshaft. Ihre Inhaftierung war Thema bei einem Treffen des Machthabers mit Russlands Staatschef Wladimir Putin.

Seine Tochter sei während der Proteste im vergangenen Sommer und Herbst in Litauen gewesen, nicht in Minsk, sagte Andrej Sapega dem Portal in der Stadt Wladiwostok. Wenn die 23-Jährige in dieser Zeit etwas gemacht habe, dann habe das mit Liebe zu tun, sie habe das nicht aus Überzeugung gemacht. "Sie half Roman bei seiner Arbeit."

+++ Kommentar: Alexander Lukaschenko hat eine rote Linie überschritten +++

dpatopbilder - 14.06.2021, Belarus, Minsk: Der belarussische Dissident und Journalist Roman Protassewitsch gestikuliert, während er auf einer Pressekonferenz im Nationalen Pressezentrum des Außenministeriums vor Journalisten spricht. Pratassewitsch,
Blogger und belarussischer Oppositioneller Roman Protassewitsch.
© dpa, Ramil Nasibulin, bsc

EU verhängt Sanktionen

Die EU, Großbritannien und die USA hatten nach dem Vorfall erneut Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik verhängt. Protassewitsch war seit seiner Inhaftierung dreimal von dem Machtapparat öffentlich gezeigt worden. Es war unklar, unter welchen Umständen seine Äußerungen zustande kamen.

Seit Monaten gibt es Proteste in Belarus, nachdem sich der Diktator nach einer Präsidentschaftswahl erneut zum Sieger ausgerufen hatte. Lukaschenko regiert Belarus seit 1994 in autoritätem Stil. Belarus gilt als die einzige verbliebene Diktatur Europas.

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