"Struktur gibt Kindern Sicherheit!"

Familienalltag in Coronazeiten: So meistern Sie die Herausforderung!

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15. April 2020 - 13:19 Uhr

Eltern und Kinder müssen sich neuen Herausforderungen stellen

Durch die Ausbreitung des Coronavirus hat sich unser aller Alltag von heute auf morgen komplett verändert. Vor allem Eltern stehen aufgrund geschlossener Kitas und Schulen vor der Herausforderung, neben dem Job auch die Kinderbetreuung zu 100 Prozent bewältigen zu müssen. Viele fragen sich: Wie bekomme ich Struktur in meinen neuen Alltag? Miriam Hoff, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche, erklärt, warum ein geregelter Tagesablauf gerade jetzt für Kinder so wichtig ist und gibt Tipps, wie dieser gelingen kann. 

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Neue Situation erfordert Neuorientierung des Alltags

Für die meisten Eltern sah der Alltag bislang so aus: Aufstehen, im Bad fertigmachen, anziehen, Kinder wecken und anziehen, gemeinsam frühstücken, die Kinder in die Kita oder Schule verabschieden und anschließend zur Arbeit fahren. In Zeiten der Coronakrise fällt dieser Ablauf spätestens beim Punkt "Kita oder Schule" in sich zusammen. Da die Kindergärten und Schulen geschlossen sind, ist eine gute Planung und vor allem viel Improvisationstalent nötig. Da wir alle soziale Kontakte auf das nötigste herunterfahren sollen, um uns und andere zu schützen, fallen auch Großeltern, Tanten, Freunde und Bekannte als Babysitter weg. Die meisten Familien sind das erste Mal überhaupt komplett auf sich zurückgeworfen. Viele Eltern arbeiten zudem das erste Mal in ihrem Arbeitsleben im Homeoffice, was ebenfalls eine neue Herausforderung ist – erst recht, wenn – bestenfalls im Zimmer nebenan – die Kinder herumtoben. Was nun?

So bekommen Sie Struktur in den neuen Alltag

Die Psychotherapeutin Miriam Hoff weiß, wie wichtig Struktur gerade für Kinder ist. "Struktur vermittelt Sicherheit und gibt Kindern die Möglichkeit, Dinge vorauszusehen und zu planen." So könnten Kinder die Erfahrung machen, dass sie sich auf ihre Familie verlassen können, auch wenn die äußeren Umstände gerade sehr instabil sind und sich alles im Wandel befindet. Hoff empfiehlt Eltern die Gestaltung einer Art Stundenplans, um Struktur in den Alltag zu bekommen. "Struktur erleichtert es uns, durch den Tag zu kommen und ist auch ein gutes Mittel gegen Langeweile." Indem man den Tag in Blöcke von eineinhalb bis zwei Stunden einteilt, wisse man immer, was als nächstes kommt.

Stundenplan schafft Sicherheit und Orientierung

Die Psychotherapeutin empfiehlt, den Tagesablauf an einer Tafel aufzumalen. Bei kleineren Kindern könne mit Symbolen gearbeitet werden, während größere Kinder mit in die Planung und Gestaltung miteinbezogen werden sollten. "Je mehr ich das Kind mit in die Selbstverantwortung nehme, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch umgesetzt wird", erklärt Hoff. Sie rät, sich bei der Gestaltung an dem Schulstundenplan zu orientieren. Da die Konzentrationsfähigkeit in den Morgenstunden und am Vormittag am größten sei, sollten auch da die Lerneinheiten platziert werden. Am Nachmittag sollten dann überwiegend Spiel- und Freizeitaktivitäten, aber auch Ruhe- und Entspannungszeiten auf dem Plan stehen. "Das Einhalten von Zeiten fürs Spielen, Lernen, aber auch für Mahlzeiten vermittelt den Kindern Sicherheit und Vertrauen."

Wie solch ein Stundenplan aussehen könnte, weiß Moderatorin und Mama Eva Imhoff. In ihrer Elternkolumne erklärt Eva Imhof, wie sie und ihre Familie es schaffen, beim "Homeschooling" nicht die Nerven zu verlieren. Und sie teilt sogar den Stundenplan mit uns, an den sie sich mit ihrer Familie in dieser besonderen Zeit hält.

Eine feste Struktur wirkt Ängsten entgegen

Laut Hoff kann ein fester Ablauf aber nicht nur gegen Langeweile helfen und Struktur in den Alltag bringen. Auch Ängste der Kinder könne man so gut in den Griff bekommen. "Ängsten kann man am besten begegnen, indem man Sicherheit schafft. Diese Sicherheit erreicht man durch immer gleiche Abläufe, durch vertrauensvolle Treffen und durch Versprechen, die eingehalten werden", weiß die Expertin. Dies alles trage dazu bei, dass Kinder so oft wie möglich die Erfahrung machen können, dass Dinge so eintreffen, wie sie es erwarten. Und genau das stelle ein "Gegengewicht zu dem Unvorhersehbaren in der Umwelt" dar.

Hoff rät außerdem dazu, mit den Kindern auch über die eigenen Bedenken und Sorgen angesichts der Coronakrise zu sprechen. Eltern sollten versuchen, den Kindern altersgerecht zu erklären, was gerade passiert und ihre Fragen zu beantworten, anstatt diese Antworten ihrer Fantasie zu überlassen. Auch dies schaffe ein Gefühl von Sicherheit.

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