News
Aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Videos

Fall Peggy: Dieses Polizeivideo zeigt das Mordgeständnis von Ulvi Kulac

Wurde der geistig Behinderte unter Druck gesetzt?

Am zweiten Prozesstag im Fall Peggy wurde ein Polizeivideo gezeigt, auf dem der geistig Behinderte Ulvi Kulac sein umstrittenes Geständnis abgelegt hatte. Die Soko Peggy versucht dabei, mit ihm die Tat zu rekonstruieren. Haben die Ermittler Ulvi Kulac vor 12 Jahren zu seinem Geständnis gedrängt?

Wurde der geistig Behinderte unter Druck gesetzt?
Von der vermissten Peggy wurde nie eine Leiche gefunden - hat Ulvi K. sie nicht umgebracht?

Der Vorsitzende Richter Michael Eckstein ließ im Gerichtssaal den Film vom Juli 2002 mit der Rekonstruktion der Ermittler zeigen. Ulvi K. ist darin auf einer Sitzbank am Marktplatz von Lichtenberg zu sehen. "Hier habe ich auf Peggy gewartet, um mich bei ihr dafür zu entschuldigen, was passiert ist", spricht er in die Kamera.

Als der Ermittler von ihm wissen will, was passiert sei, antwortet Ulvi K.: "Ich war mit ihr im Bett. Die Peggy wollte das. Hinterher hat sie geweint." An einer Gummipuppe zeigt der damals 24-Jährige vor laufender Kamera, wie er Peggy getötet habe. "Ich habe danach Herz und Puls bei ihr gefühlt, sie mit Ästen abgedeckt und danach eine geraucht."

Auf den Aufnahmen ist allerdings auch immer wieder zu erkennen, dass Ulvi vorgegebene Varianten der Ermittler bestätigt – er zeigt und erklärt wenig von sich aus. Teilweise gibt er auch Dinge an, die sich später nachweislich als falsch herausstellten.

Ermittler verteidigt Vorgehen

Ein Rechtsbeistand ist auf den Aufnahmen nicht an der Seite von Ulvi K. zu sehen. Nach den Angaben von Chef-Ermittler Geier hatte der Anwalt seinem Mandanten schon vorher die Anweisung gegeben: "Wenn Sie geholt werden, gehen Sie mit und machen auch alles mit." Diesen Satz habe der Jurist auch in sein Diktiergerät gesprochen. Der neue Verteidiger Michael Euler hatte beim Prozessauftakt erklärt, das Geständnis von Ulvi K. sei eine reine Fantasiegeschichte gewesen. Er habe unter dem Druck der Verhörmethoden gestanden.

Geier hingegen sagte: "Wir haben sehr viel Wert daraufgelegt, eine angenehme Verhörsituation zu schaffen. Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt."

Ulvi war im April 2004 als Mörder Peggys zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 7. Mai 2001 war die Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden.

Der Fall wird neu aufgerollt, weil ein Belastungszeuge eingeräumt hatte, beim ersten Prozess falsch ausgesagt zu haben. Außerdem sollen die Ermittler Ulvi K. bei seinem damaligen Geständnis beeinflusst haben.

Geier verteidigte die Ermittlungen gegen Ulvi K.: Der Gastwirtssohn habe zuvor bereits Kinder sexuell missbraucht. "Und der Tatverdächtige hielt sich nachweislich in der Nähe des Marktplatzes auf, was er vorher bestritten hatte."

Der Fallanalytiker Alexander Horn erklärte im Zeugenstand, dass er für die Ermittler ein Tathergangsszenario entworfen hatte. "Ich sollte ein denkbares Szenario entwickeln, was mit Peggy passiert sein könnte." Der vom Bundeskriminalamt zertifizierte Experte kam zu dem Ergebnis, Peggy könnte missbraucht und vom Täter wenige Tage später getötet worden sein, um die Tat zu vertuschen.

Das Geständnis von Ulvi K. war diesem Szenario verblüffend ähnlich – jetzt ist die Frage: Wurde es ihm anhand der Expertenvorlage eingeredet? Von der sogenannten Tathergangshypothese wussten Gericht und Ermittler im Jahr 2004 jedenfalls noch nichts - auch deswegen muss der Fall nun neu aufgerollt werden.

Mehr News-Themen