Fahrschulen zwar geöffnet, aber jetzt fehlen Prüfungsplätze

Fahrschüler verzweifeln: Lockdown bremst Prüflinge aus

Annie Moughal am Steuer bei ihrer praktischen Fahrstunde mit Fahrlehrer Mats Wöhler.
Annie Moughal am Steuer bei ihrer praktischen Fahrstunde mit Fahrlehrer Mats Wöhler.
© RTL Nord

16. Juli 2021 - 14:29 Uhr

Wochenlanges Warten auf Termine

Nach monatelanger Schließung wegen Corona, haben seit März die Fahrschulen im Norden wieder geöffnet. Eigentlich ein Grund zur Freude für alle Führerschein-Anwärter, doch es gibt ein neues Problem: Es fehlen Prüfplätze.

„Ich konnte gar nichts mehr“

Die Lübeckerin Annie Moughal ist seit August 2020 dabei ihren Führerschein zu machen. Schon im Dezember besteht sie die theoretische Prüfung und dann kommt der Lockdown und die Fahrschulen machen dicht. "Ich war richtig fertig. Ich konnte gar nichts mehr, ich wollte aufhören mit Führerschein. Hab keine Lust mehr gehabt", berichtet die 31-Jährige verzweifelt RTL Nord-Reporter Kai Ziemen. Dazu konnte Moughal bisher nicht zur Fahrprüfung antreten.

Extra-Fahrstunden, um im Training zu bleiben

So wie Annie geht es gerade vielen Fahrschülern in Schleswig-Holstein und Hamburg. Teils monatelang warten die Prüflinge auf Prüfplätze. Fahrlehrer Mats Wöhler von der Fahrschule Trautmann gibt schon Extrastunden, damit seine Schüler nicht aus der Übung kommen. Trotzdem seien seine Fahrschüler sauer: "Sie bezahlen viel Geld für den Führerschein, sind auch aufgeregt und dann klappt das nicht so, wie wir das geplant oder organisiert hatten." Den Frust bekämen dann erstmal die Fahrlehrer oder die Fahrschule zu spüren.

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Von 20 Prüfanträgen werden vier genehmigt

Inhaberin Martina Trautmann
Inhaberin Martina Trautmann betreibt seit 1996 ihre Fahrschule in Lübeck.
© RTL Nord

Verantwortlich für die Planung der Prüfungen ist der TÜV Nord. Inhaberin Martina Trautmann bildet in ihrer Fahrschule seit 1996 aus, zurzeit fast 500 Fahrschüler. In den letzten zwei Wochen hat sie 20 Prüfungsanträge gestellt, aber nur vier Fahrschüler bekamen einen Platz. Sie fordert deshalb, beispielsweise Hilfe von der Dekra anzunehmen: "Wenn [der TÜV] das nicht kann, dann müssen kurzfristig Alternativen geschaffen werden. Das ist für uns existenziell."

Der TÜV ist personell am Limit

Laut TÜV Nord liegt die Ursache im Lockdown. Rund 12.000 Praxistermine hätten nicht wie geplant stattfinden können. Seit Wochen fahre man hier auch personell am Limit, so Peter Schmidtke von TÜV Nord. "Die Lösung, andere Prüforganisationen oder Mitarbeiter anderer Prüforganisationen hinzuzuziehen geht rein formal, rein gesetzlich im Moment gar nicht, weil Kraftfahrsachverständigengesetz das entsprechend gar nicht vorsieht", erklärt Schmidtke RTL Nord gegenüber..

Auch sonnabends bietet der TÜV schon Termine an und setzt Mitarbeitende aus anderen Bereichen ein. Anwärterin Annie hat nun auch Glück, denn nächste Woche darf die Lübeckerin nach Wochen des Wartens endlich zur Praxisprüfung antreten. (nid)