Hilferuf der Hotelbranche

Existenzangst: Sandra und Jessica Schwarz bangen um ihr Hotel

14. Oktober 2020 - 14:07 Uhr

Beherbergungsverbot ist sehr verwirrend

Wenn man von A nach C reist, darf man dann dort auch in einem Hotel übernachten. Oder geht das nur wenn ich aus B komme. Dürfen in D alle aus A, B und C übernachten? Gilt das für Geschäftsreisende oder für private Übernachtungen?

Die genaue Antwort kennt niemand. Und bevor man das Risiko eingeht, womöglich im Auto oder auf dem Bahnhof schlafen zu müssen, bleiben die meisten lieber zu Hause.

Zimmer stehen leer

Und so stehen auch die meisten Zimmer im Hotel "Träumerei" im hessischen Odenwald leer. In dem Hotel von Sandra Schwarz und ihrer Schwester, der Schauspielerin Jessica Schwarz, dürfen Menschen aus Risikogebieten gerade nicht übernachten. Das würde zurzeit auch für Mitbesitzerin Jessica gelten, denn sie kommt aus dem Risikogebiet Berlin. Vor wenigen Monaten konnten sich beide noch gemeinsam miteinander freuen, als das Hotel nach dem Lockdown wieder öffnen durfte. Doch nun ist schon wieder alles anders.

Wie so viele Hoteliers steckt Sandra Schwarz in einem Dilemma. "Auf der einen Seite wollen wir natürlich unsere Gäste schützen, ich möchte natürlich mein Personal schützen. Aber auf der anderen Seite müssen wir ja auch an unsere Zukunft denken", berichtet sie.

Wie ungewiss die Zukunft für viele Hotels ist zeigen die Zahlen des Hotel und Gaststätten-verbands: Demnach fühlen sich 60 Prozent der Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Und dabei steht die kalte Jahreszeit erst noch bevor. Die meisten Experten rechnen dann mit weiter steigenden Corona-Fällen in den kommenden Monaten.

Tourismusbranche fordert mehr Augenmaß

In Anbetracht dieser Existenzängste hat der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft vor einem zweiten Lockdown der Branche durch die Hintertür gewarnt. Notwendig seien "weniger Aktionismus, mehr Augenmaß und ein Ende der Stigmatisierung des Reisens", forderte der Verband. "Die Tourismusbranche und ihre Gäste brauchen endlich verlässliche, verständliche und vor allem verhältnismäßige Regelungen", sagte Verbandspräsident Michael Frenzel. Er warnte vor einer Pleitewelle in der Branche mit ihren rund drei Millionen Beschäftigten.

Reisen stelle kein deutlich größeres Infektionsrisiko dar als die gewöhnliche Alltagsmobilität, wenn sich die Reisenden an die geltenden Sicherheits- und Hygienevorschriften hielten, argumentierte Frenzel. "Die in der vergangenen Woche verschärften Beherbergungsverbote für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten müssen aufgehoben werden." Am Nachmittag berät Kanzlerin Merkel mit den 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, auch über die Frage, ob das Beherbergungsverbot auch weiterhin bestehen bleibt. Der Grund: Die Regeln seien zu intransparent.