Wie schlimm wird es wirklich?

Evergrande-Beben macht sich an den Börsen bemerkbar

21. September 2021 - 13:34 Uhr

Megapleite könnte Folgen für Weltwirtschaft haben

Reißt der angeschlagene Immobilienriese Evergrande aus China die gesamte Weltwirtschaft in eine Krise? Erste Vorzeichen gibt es bereits an der Börse. Immerhin hat der Konzern inzwischen Schulden von umgerechnet mehr als 256 Milliarden Euro angehäuft. Eine Megapleite könnte gravierende Folgen für die gesamte Wirtschaft haben – und auch Deutschland treffen.

Regierung in Peking will Evergrande bestrafen

Der angeschlagene Konzern Evergrande muss frisches Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger zu bezahlen. Anleger befürchten einen Zahlungsausfall. Die Probleme haben sich laut Beobachtern für Evergrande in den letzten Monaten verschärft, weil Peking strengere Regeln für den hoch verschuldeten Immobiliensektor des Landes durchsetzt. Wirtschaftliche Probleme im Reich der Mitte können sich über internationale Handels- und Finanzbeziehungen auch auf die Weltwirtschaft übertragen – und das könnte in diesem Fall passieren.

Bereits vor einigen Tagen gab es am Hauptsitz des chinesischen Krisenkonzerns Evergrande Tumulte: Rund 100 aufgebrachte Anleger verlangten unter Protesten ihr Geld zurück. Auch die Investoren befürchten jetzt, dass Evergrande nicht der einzige chinesische Immobilienentwickler ist, bei dem ein Ausfallrisiko besteht.

Die Regierung in Peking hat bereits angekündigt, dass sie den Konzern für das Missmanagement bestrafen werde.

Greift Peking ein, um Evergrande-Pleite abzuwenden?

Eine Gefahr, dass das Unternehmen mit den über 250 Milliarden Euro Schulden eine ausgewachsenen Krise entwickeln könnte, sieht Richard Bernstein, Chef des Vermögensverwalters Richard Bernstein Advisors, allerdings nicht: "Ich gehe davon aus, dass es eine Rettungsaktion für Anleihe- und Kreditgläubiger geben wird", erzählt er weiter. Im Klartext: Das Unternehmen ist zu groß, um Pleite zu gehen.

Die US-Ratingagentur S&P warnte in einer Mitteilung allerdings davor, dass nicht von einer Rettung des Konzerns durch die chinesische Regierung ausgegangen werden könne. Peking wäre demnach nur dann zum Eingreifen gezwungen, "wenn es zu einer weitreichenden Ansteckung käme, die den Zusammenbruch mehrerer großer Bauunternehmen zur Folge hätte und systemische Risiken für die Wirtschaft darstellen würde", so die Agentur. Eine Pleite von Evergrande allein würde jedoch wahrscheinlich nicht zu einem solchen Szenario führen, so S&P weiter. Auch von dieser Seite scheint es Entwarnung zu geben.

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Evergrande-Chef wendet sich optimistisch an Mitarbeiter

Eine mögliche Megapleite von Evergrande hat allerdings bereits Auswirkungen auf den Handel mit Kryptowährungen: Am Dienstag fiel der Bitcoin zeitweise um knapp acht Prozent auf ein Sieben-Wochen-Tief von 40.172 Dollar. Vor allem spekulativ orientierte Anleger könnten bei einem Kollaps des hoch verschuldeten Konzerns und die dadurch ausgelösten Börsen-Turbulenzen panisch reagieren, warnt Analyst Timo Emden von Emden Research.

Entsprechend machte sich das Evergrande-Beben auch im Dow-Jones-Index bemerkbar. Am Montag ging er mit einem Minus von knapp 1,8 Prozent aus dem Handel.

Evergrande-Chef Xu Jiayin, der das Chaos mit zu verantworten hat, schaut dagegen optimistisch in die Zukunft – und hat seinen Mitarbeitern in einem Brief Mut zugesprochen. Er sei fest davon überzeugt, dass man den "dunkelsten Moment" überwinden könne, hieß es in dem am Dienstag anlässlich des chinesischen Mondfestes verschickten Schreiben. Chinesische Staatsmedien haben den Brief verbreitet – und das könnte man tatsächlich als gutes Zeichen werten. (dpa/reuters)