Prinz Harry erhebt schwere Vorwürfe gegen Vater Charles

Erziehungs-Traumata: Wieso wiederholen wir die Fehler unserer Eltern?

Prinz Harry spricht offen über die Spannungen in der royalen Familie.
Prinz Harry spricht offen über die Spannungen in der royalen Familie.
© Imago Entertainment, i Images

15. Mai 2021 - 12:54 Uhr

Harry über Vater Charles: "Er hat mich so behandelt hat, wie er behandelt wurde“

Prinz Harry (36) nimmt kein Blatt vor den Mund: Schonungslos ehrlich spricht er nun in einem Podcast über seine Beziehung zu Prinz Charles und über die schreckliche Zeit als Royal. Sein Vater habe in der Erziehung durch Queen Elizabeth und Prinz Philip († 99) Leid erfahren - und dieses wiederum an seine eigenen Kinder weitergegeben. "Er hat mich so behandelt hat, wie er behandelt wurde", so Harry im Podcast "Armchair Expert".

Die Erziehungs-Traumata aus der Kindheit an den Nachwuchs weitergeben – das kommt nicht nur bei den Royals, sondern in vielen Familien vor. Die systemische Familienberaterin Ruth Marquardt erklärt im Gespräch mit RTL, wieso wir die Fehler unserer Eltern wiederholen – und wie wir den Kreislauf des Schmerzes durchbrechen.

Traumata können über Generationen hinweg vererbt werden

Hand aufs Herz – kennen Sie das auch? Plötzlich erschrecken Sie, weil Sie sich dabei ertappen, dass Sie etwas gesagt oder gemacht haben, das sie bei Ihren Eltern gehasst haben. "So wollte ich eigentlich nie werden!", denken wir dann erschrocken. Immer wieder kommt es vor, dass wir Verhaltensmuster unserer Eltern unbewusst übernehmen – sogar solche, unter denen wir selbst als Kind gelitten haben. Wieso tun wir das?

"Das liegt daran, dass wir als Kinder, im Alter bis ungefähr 12 oder 13 Jahren, wie ein unbeschriebenes Blatt sind", erklärt uns Familienberaterin Ruth Marquardt. "Wir schauen auf unsere Eltern, sehen, wie sie sich verhalten und kopieren deren Verhalten sozusagen auf unser weißes Blatt." "Am Modell lernen" – so nenne man dieses Muster in der Psychologie. Diese im frühen Alter abgeschauten Verhaltensmuster hinterfragen wir meist nicht, weil sie für uns ganz normal seien, erklärt die Expertin weiter. "Selbst wenn wir es furchtbar fanden, angeschrien zu werden, selbst wenn wir es schrecklich fanden, dass der Vater nie da war – auf einmal verhalten wir uns auch ganz ähnlich."

Wie wir den Kreislauf des Leids durchbrechen

Um den Kreislauf zu durchbrechen, sei es zunächst wichtig, problematische Muster und Strategien, die wir in der Kindheit erlernt haben, zu erkennen, so Ruth Marquardt. Auch die Abnabelung – emotional sowie räumlich – von der eigenen Familie könne in diesem Prozess eine Rolle spielen.

Dabei könne auch eine Psychotherapie helfen. "Viele Menschen denken, eine Therapie muss ich machen, wenn mit mir etwas nicht stimmt. Ich sehe das anders. Therapie bedeutet für mich: Ich finde meine Identität. Ich schaue: Lebe ich mein eigenes Leben oder lebe ich die Erwartungen anderer Menschen?"

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"Durch die Worte von Prinz Harry spricht ganz viel Weisheit"

Auch Prinz Harry suchte sich Unterstützung bei der Aufarbeitung seiner Familiengeschichte in Form einer Therapie. Seitdem er regelmäßig zur Therapie gehe – eine Idee seiner Frau Meghan – gehe es ihm schon viel besser, verrät Harry in dem Podcast weiter. Das sei wichtig für ihn gewesen, um endlich zu erkennen, was er wirklich will.

"Für mich spricht durch die Worte von Prinz Harry ganz viel Weisheit darüber, wie die Psyche funktioniert", sagt Ruth Marquardt. "Er hat etwas, scheint mir, gelernt darüber, dass sich Dinge wiederholen. Dass sich Geschichte wiederholt, wenn wir sie uns nicht bewusst machen." Durch diese Erkenntnis lege Harry den Grundstein dafür, den Kreislauf des Traumas seiner Familie zu durchbrechen, um seinen Kindern eine andere, vor allem freiere, Kindheit zu ermöglichen. (dhe)

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