Sie warnte nach erstem Corona-Fall in Deutschland

Dr. Camilla Rothe: Die Ärztin, auf die keiner hörte

Dr. Camilla Rothe im Experten-Podcast "Klartext Corona" der Apotheken Umschau zur Corona-Mutation: "Wir müssen extrem wachsam sein"
© LMU Klinikum München, obs/Wort & Bild Verlag - Gesundheitsmeldungen/Steffen Hartmann

27. Januar 2021 - 17:22 Uhr

Infektion ohne Symptome: Warnung lange nicht ernstgenommen

Es ist ein Jubiläum, auf das wir wohl alle gerne verzichtet hätten: Ein Jahr Corona in Deutschland! Dr. Camilla Rothe hat am 27. Januar 2020 nicht nur den ersten Covid-19-Patienten in Deutschland diagnostiziert, sondern auch als eine der Ersten erkannt, dass eine Infektion auch ohne Symptome ansteckend sein kann. Doch bis ihre Warnung von der WHO ernstgenommen wurde, dauerte es relativ lange. In einem Podcast der Apotheken Rundschau hat sie jetzt ein Resümee gezogen.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Patient Zero: Infiziert um die halbe Welt gereist

Zu den 100 einflussreichsten Personen des Jahres kürt das Times Magazin normalerweise Kunstschaffende oder Menschen aus Politik und Wirtschaft. Doch im letzten Jahr hat es die deutsche Infektiologin Dr. Camilla Rothe vom Universitätsklinikum in München in die renommierte Liste geschafft. Denn ziemlich genau vor einem Jahr, am 27. Januar 2020, hat sie die allererste Covid-19-Infektion in Deutschland diagnostiziert.

Der erste Patient in Deutschland wollte damals von Dr. Camilla Rothe wissen, ob er sich bei ihr auf das Virus SARS-CoV-2 testen lassen könne. Eine Woche voller Meetings mit einer Kollegin aus Shanghai lagen hinter ihm, ebenso ein Wochenende mit grippalem Infekt. Die Kollegin schien währenddessen völlig symptomfrei, wurde aber bei ihrer Rückreise nach China positiv auf das neuartige Virus getestet.

Zur Erkenntnis, dass das Virus auch ohne Symptome ansteckend sein kann, sagt Dr. Rothe im Apotheken Umschau -Podcast "Klartext Corona": "Das war schon alarmierend, dass man infiziert um die halbe Welt reisen und auch noch ohne Beeinträchtigung arbeiten kann und dabei Leute ansteckt. Das war alles damals nicht bekannt!"

Erkenntnisse "vielleicht zu unbequem"

Ihre Beobachtung hat Dr. Camilla Rothe schnellstmöglich in ihrem Wissenschaftsnetzwerk geteilt und mithilfe eines Beitrags in einem der führenden Fachmagazine, dem New England Journal of Medicine, ihre Kolleginnen und Kollegen gewarnt. "Dennoch hat es relativ lange gedauert, bis man das auf höchster Ebene, also bis zur WHO, ernst genommen hat" , erklärt Rothe. Die Gründe dafür sind ihr bis heute unklar und sie fragt sich, ob es "vielleicht zu unbequem war, dass man es nicht hören wollte". Jetzt sei eine neutrale Prüfung der damaligen Geschehnisse umso wichtiger und sie begrüßt die Bestrebungen der WHO, mit einem Komitee der Wahrheitsfindung näher zu kommen.

Im Video: Ein Jahr Corona - die Chronik der Ereignisse

Neue Virus-Mutation: brisanteste Entwicklung

Auch zur neuen Virus-Mutation äußert sie sich. "Wir müssen extrem wachsam sein" , warnt Dr. Camilla Rothe. Das Auftreten der Mutanten ist für die Infektiologin aktuell die brisanteste Entwicklung und muss genauestens beobachtet werden. Dafür sei laut Rothe eine gute Charakterisierung der Mutanten notwendig, die klärt, ob sie zum Beispiel infektiöser sind oder kränker machen und ob die vorhandenen Impfstoffe wirksam bleiben.

Quelle: dpa/RTL.de

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Corona-Virus hält die Welt seit einem Jahr in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt spannende Dokumentation zur Entstehung, Verbreitung und den Folgen der Pandemie.