Der beste Freund des Menschen

Epilepsie & Co: Wie Hunde Krankheiten erschnüffeln können

Hunde haben einen richtig guten Riecher!
Hunde haben einen richtig guten Riecher!
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23. Juli 2021 - 16:07 Uhr

Durch ihren ausgeprägten Geruchssinn helfen Hunde dem Menschen

Hunde sind nicht ohne Grund der beste Freund des Menschen. Sie sind treu, süß und in der Regel für Kuscheleinheiten jeglicher Art zu haben. Und die Fellnasen können sich sogar als echte Lebensretter entpuppen. Durch ihren exzellenten Geruchssinn helfen sie dem Menschen immer wieder in schwierigen Situationen und können sogar Krankheiten erschnüffeln. Aber wie genau funktioniert das eigentlich?

Den Hundenasen entgeht so gut wie nichts

Drogen aufspüren, das blinde Herrchen sicher über die Straße geleiten, Kranke beschützen oder Team-Mitglied der Polizeistaffel sein: Hunde haben echt coole Jobs. Denn nicht ohne Grund werden die flauschigen Vierbeiner beispielsweise zum Suchen von Sprengstoff, Drogen oder vermissten Personen eingesetzt.

Auch wenn akute Feuer-Gefahr besteht, schlagen sie Alarm. Hunde sind "Nasentiere" und haben einen viel ausgeprägteren Geruchssinn – sie "sehen" die Welt quasi durch ihre Nase. So hat ein Dackel beispielsweise 125 Millionen Riechzellen, ein Schäferhund sogar 220 Millionen – 40 Mal so viele wie der Mensch. Damit können Hunde Stoffe riechen, deren Konzentration weit unter dem liegt, was unserer sensibelsten Messmöglichkeiten im Labor wahrnehmen können.

Und damit können Hunden sogar Krankheiten wie Epilepsie, Diabetes oder Krebs erschnüffeln.

Epilepsie: Hunde erkennen epileptische Anfälle

Die Krankheit – beziehungsweise der Begriff – Epilepsie fasst eine Gruppe verschiedener Gehirnerkrankungen zusammen. Betroffene leiden wiederholt unter epileptischen Anfällen, die als eine Art Kurzschluss im Gehirn gesehen werden, da unsere Nervenzellen unter Strom stehen. Sie laden sich auf und entladen sich. Die dadurch entstehenden elektrischen Impulse steuern alle menschlichen Aktivitäten. Bei einem gesunden Menschen sind diese Vorgänge fein aufeinander abgestimmt. Während eines Anfalls ist das Zusammenspiel bei Epileptikern jedoch gestört.

Einige ausgebildete Hunde können ihre Herrchen und Frauchen bereits im Voraus – dank ihrer Nase – warnen, wenn ein epileptischer Anfall bevorsteht. Zudem sind sie als "Bewacher" vor Ort, wenn die Betroffenen unter einem Anfall leiden, spenden Trost und Nähe. Sollte ein erhöhtes Erstickungsrisiko bestehen, kann der Vierbeiner sogar Speichel entfernen. Als echte Assistenzhunde sind diese Hunde zudem oft in der Lage, einen Notfallknopf zu betätigen oder den Betroffenen ihr Handy zu bringen, um Hilfe zu rufen.

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Auch Krebserkrankungen können Hunde erschnüffeln

Ein Border Collie Welpe schnuppert auf einer Wiese den Boden ab.
Der ausgeprägte Geruchssinn des Hundes zahlt sich auch für den Menschen aus.
© picture alliance / Arco Images, D. Albers

Dass Hunde Tumore und verschiedene Krebsarten erschnüffeln können ist bereits bekannt. Mexikanische Forscher rund um Dr. Héctor Guerrero-Flores vom Mexikanischen Institut für Soziale Sicherheit in Mexiko-Stadt haben jedoch vor einiger Zeit mithilfe einer Studie herausgefunden, dass die Schnüffel-Nasen besonders bei der frühen Erkennung von Zervixkarzinomen, also Gebärmutterhalskrebs, einen extrem guten Riecher beweisen.

Wie die ausgebildeten Hunde das bewerkstelligen? Indem sie an getragenen Damenbinden schnüffeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der mexikanische Beagle, der im Rahmen der Studie zum Einsatz kam, hatte dabei eine Treffsicherheit von über 90 Prozent. Zum Vergleich: Bei den gängigen Methoden, um Gebärmutterhalskrebs zu diagnostizieren, ist die Quote deutlich geringer. So liegt die Erfolgsquote beim Pap-Test und bei der Untersuchung auf humane Papillomaviren (HPV) bei rund 60 Prozent.

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Spezielle Diabetikerwarnhunde erschnüffeln sogar Diabetes

So ganz genau weiß man noch nicht, wie Hunde dazu in der Lage sind, Krankheiten des Menschen zu erschnuppern. Bei Diabetikerwarnhunden weist jedoch einiges darauf hin, dass die Fellnasen chemische Verbindungen eines Diabetikers erschnüffeln können. Während ihrer Ausbildung werden sie immer dann belohnt, wenn sie einen niedriger Blutzuckerspiegel erkennen. So konzentrieren sich die Hunde dann auf den speziellen Geruch und wissen im Notfall, was zutun ist.

Hunde können auch das Coronavirus erschnüffeln

Seit dem die Coronavirus-Pandemie ausgebrochen ist, wird nach neuen Methoden gesucht, Infizierte schnellstmöglich zu identifizieren, um die Ausbreitung einzudämmen. Seit Oktober 2020 kommen am Flughafen in Helsinki, in Finnland vier speziell trainierte Spürhunde zum Einsatz, die Corona-Infizierte vor Ort erschnüffeln sollen. Die Universität Helsinki hat in vorläufigen Tests bereits gezeigt, dass die Vierbeiner das Virus tatsächlich mit einer Sicherheit von fast 100 Prozent erschnüffeln – und das noch bevor die betroffenen Menschen überhaupt Symptome entwickeln.

Auch eine französische Studie, an der auch die Pariser Krankenhausgesellschaft AP-HP beteiligt war, konnte das mit ihren Ergebnissen bestätigen: 97 Prozent der Infizierten konnten von den Tieren über den Geruch erschnüffelt werden. Negativ-Getestete erkannten die Vierbeiner immerhin noch zu 91 Prozent. (vdü)

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