Neues Tierschutzgesetz in Frankreich

Endlich! Zirkustiere werden verboten - Haustierbesitzer müssen amtliches Dokument unterschreiben

19. November 2021 - 12:25 Uhr

Tierschutz ist das "Zeichen einer bewussten Gesellschaft"

Frankreich hat ein wegweisendes Gesetz im Kampf gegen Tierquälerei verabschiedet. Das neue Gesetz verbietet Zirkustiere, schreibt höhere Strafen bei Misshandlung von Tieren vor und hält strenge Regeln und Beschränkungen für den Verkauf von Haustieren fest. "Sich für das Wohlergehen der Tiere einzusetzen, ist das Zeichen einer bewussten Gesellschaft und ihrer Verantwortung gegenüber einer empfindlichen natürlichen Welt. Es ist ein Zeichen einer reifen Zivilisation", sagt die französische Umweltministerin Barbara Pompil – im Video.

Beschränkungen für Zirkusse und Aquarien

Das neue Gesetz verbietet Wildtiere in Wanderzirkussen bis 2028 und will die Zucht von Wildtieren für Zirkusvorführungen bis 2023 verhindern. Was mit den Tieren ab 2028 geschehen soll, ist noch nicht diskutiert worden. Möglich ist, dass Zirkusbesitzer ihre Tier zwar halten, aber nicht mehr öffentlich präsentieren dürfen. Zusätzlich wurde eine Kommission eingerichtet, die darüber beraten soll, wie Tiere, die in Gefangenschaft leben, besser behandelt werden können.

Das Gesetz hat auch Aquarien im Visier. So sind Delfin- und Orca-Shows ab 2026 verboten. Genauso wie die Vermehrung und Zucht dieser Tiere in Gefangenschaft. Eine Ausnahme bilden Vermehrungsprogramme, die der wissenschaftlichen Forschung dienen oder die in Auffangstationen betrieben werden.

Auch Tiershows oder das Präsentieren von Tieren in Discos und auf privaten Partys wird verboten: Ab 2023 dürfen Wildtiere nicht mehr in TV-Varietés und Spielshows gezeigt werden. Das Zähmen von Bären und Wölfen wird ebenfalls verboten. Derzeit sind in Frankreich 850 Zirkustiere, 21 Delfine, vier Orcas und fünf Bärentrainer registriert.

Die Zucht von amerikanischen Nerzen und anderen Wildtierarten zur Pelzgewinnung wird vollständig verboten.

Das Land will ein Haltungsverbot bestimmter Wildtiere im Zirkus. Foto: T. Hase/Archiv
Solche Bilder wird es in Frankreich zukünftig nicht mehr zu sehen geben.
© DPA

Impulskäufe von Haustieren sollen verhindert werden

Auch für die private Haltung von Tieren sieht das Gesetz strengere Regeln vor. So müssen Erstkäufer von Hunden und Katzen eine so genannte "Verpflichtungs- und Einverständniserklärung" unterzeichnen und an die Behörden schicken. Danach gilt eine 7-Tage-Frist, in der die künftigen Besitzer ihre Meinung noch ändern können. So sollen Impulskäufe verhindert werden, die später oft damit enden, dass die Haustiere wieder ausgesetzt werden.

Der Verkauf von Heimtieren ist ebenfalls strenger reguliert. Ab 2024 dürfen Zoohandlungen keine Hunde und Katzen mehr verkaufen - und sie auch nicht mehr im Schaufenster ausstellen. Nur ausgesetzte Hunde und Katzen werden in Zusammenarbeit mit Tierheimen in Zoohandlungen zum Verkauf angeboten. Der Online-Verkauf von Haustieren wird vollständig verboten, mit Ausnahme von Websites zugelassener Züchter und Tierhandlungen. Der Verkauf von Heimtieren an Minderjährige wird verboten, es sei denn, die Eltern haben zugestimmt.

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Misshandlung mit bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft

Misshandlungen von Haustieren sind in Frankreich bereits strafbar. Doch die neue Gesetzgebung verschärft die bestehenden Strafen, vor allem für Misshandlungen durch Kinder. Ab sofort beträgt die Höchststrafe fünf Jahre Gefängnis und 75.000 € Geldstrafe.

Die absichtliche Tötung von Haustieren oder anderen gezähmten Tieren steht ab sofort ebenfalls unter Strafe. Allerdings liegt es im Ermessen des Richters, ob er die Tierquälerei mit einer Gefängnisstrafe oder mit einem Aufklärungskurs über Tierquälerei bestraft. Zudem soll auch im französischen Schulunterricht künftig mehr über den richtigen Umgang mit Haustieren gesprochen werden. (lgr)