Prozess in Mönchengladbach

Elterntaxi endete tödlich: Mutter überfährt Kind mit SUV - Bewährungsstrafe

Schulkinder auf dem Weg nach Hause Berlin Deutschland 14 05 2010 MODEL RELEASE vorhanden S
Schulkinder auf dem Weg nach Hause Berlin Deutschland 14 05 2010 MODEL RELEASE vorhanden S
© imago/photothek, Thomas Koehler/photothek.net, imago stock&people

08. September 2020 - 11:38 Uhr

Achtjährige achtlos überrollt

Im Dezember 2018 bringt Frau A. ihre zwei Kinder mit dem Auto zur Schule – wie so viele Eltern an diesem Morgen. Doch auf dem Weg übersieht sie die kleine Melek. Das achtjährige Mädchen wird von dem SUV überrollt und dabei tödlich verletzt. Heute fiel das Urteil gegen die Frau vor dem Amtsgericht in Mönchengladbach.

"aus Unachtsamkeit" überfahren

Der Staatsanwalt hielt Frau A. vor, Melek "aus Unachtsamkeit" überfahren zu haben. Am ersten von zwei Prozesstagen hatte die Frau erklärt, sie sei vor der Grundschule um etwa acht Uhr morgens nur Schrittgeschwindigkeit gefahren und habe plötzlich nur einen Schatten gesehen. Die Warnsensoren ihres SUV hätten laut gepiept, sie habe versucht auszuweichen und stark gebremst.

Die achtjährige Melek wurde an diesem Morgen selbst von ihrem Vater zur Schule gebracht. Als sie aus dem Wagen ausstieg, hörte ihr Vater einen Knall. Auf der Straße lag seine Tochter. Laut Gutachten überrollte die Angeklagte das Mädchen mit dem rechten Vorderreifen und dem rechten Hinterreifen ihres Mercedes. Der 2,2 Tonnen schwere Wagen fuhr über den Brustkorb und den Kopf der Achtjährigen. Die angeklagte Fahrerin und ihre Tochter sagen aus, dass sie im Wageninneren nichts von dem tragischen Vorfall gemerkt hätten.

Auch Meleks Vater eilt zu seiner Tochter. "Papa, hab keine Angst. Ein Auto hat mich überfahren", habe die Kleine zu ihm gesagt, als er ihre Hand auf der Straße hielt. Und dann weiter: "Papa, ich kann nicht atmen. Was soll ich machen?" Bei seiner Aussage kommen ihm die Tränen. Seine Tochter stirbt später im Krankenhaus.

Drei Monate Fahrverbot und Bewährung

Das Amtsgericht Mönchengladbach verurteilte die 44-jährige Frau A. zu zehn Monaten auf Bewährung sowie einem dreimonatigen Fahrverbot. Außerdem müsse sie ein Fahrsicherheitstraining absolvieren. Vor Gericht hatte sie ausgesagt, dass sie eine sichere Fahrerin sei. Auf die Frage, ob Frau A. das Auto noch fahre, soll sie gesagt haben:. "Ich brauche das Auto – wegen der Kinder." Am Ende des Termins entschuldigte sich die 44-jährige bei den Angehörigen und sagte, es tue ihr Leid, sie sei selbst Mutter.

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2019 verunglückt alle 19 Minuten ein Kind

Die Zahlen getöteter Kinder im Straßenverkehr sind über die Jahre gesunken. Doch trotzdem kommt es oft zu Unfällen, teilweise mit schwerwiegenden Folgen. Im Jahr 2018 verunglückten laut Statistischem Bundesamt 29.134 Kinder unter 15 Jahren bei Straßenverkehrsunfällen in Deutschland – 79 von ihnen tödlich. Im Jahr 2019 kam im Durchschnitt alle 19 Minuten ein Kind unter 15 im Straßenverkehr zu schaden. Insgesamt waren es 28.005. In diesem Jahr hat das geringere Verkehrsaufkommen während der Pandemie, insgesamt, zu weniger Verkehrsunfällen geführt. Mit 148.100 verletzten und 1.281 getöteten Menschen ist der Wert im ersten Halbjahr der niedrigste seit der deutschen Wiedervereinigung gewesen.