Tatverdächtiger im Fall Madeleine "Maddie" McCann

Maddies Eltern in Sorge: Ermittlungen gegen Christian B. könnten eingestellt werden

Die Eltern von Maddie McCann sind laut der Zeitung "The Sun" in Sorge.
Die Eltern von Maddie McCann sind laut der Zeitung "The Sun" in Sorge.
© dpa, John Stillwell, ihe sab

15. Juli 2020 - 17:51 Uhr

Ungewissheit im Fall Maddie McCann

Kate und Garry McCann wollen 13 Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter Maddie endlich wissen, was mit ihr passiert ist. Die Antwort scheint näher gerückt zu sein, nachdem die Ermittler den 43-jährigen Christian B. unter Mordverdacht gestellt haben. Er soll das Mädchen im Jahr 2007 in Portugal verschleppt und getötet haben. Doch nun vermuten britische Medien, dass die Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen eingestellt werden könnten. Maddies Eltern sind offenbar in Sorge. 

Ermittlungen "nicht auf unbestimmte Zeit"

Wie die britische Zeitung "The Sun" berichtet, bestehe die Befürchtung, dass Christian B. bald aus dem Gefängnis freikommen könnte. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine Aussage des leitenden Staatsanwalts Christian Wolters. Laut Wolters gibt es noch immer "keinen dringenden Tatverdacht" gegen den Beschuldigten. Ob die Ermittler genug Beweise im Fall Maddie finden werden, bleibe abzuwarten. Noch gäbe es Zeit, da B. wegen anderer Delikte mindestens bis zum Frühjahr 2021 in Haft bleiben werde, so der Anwalt. Zugleich kündigte er aber an, dass die Ermittlungen "nicht auf unbestimmte Zeit fortgesetzt" werden, heißt es.

Zurzeit verbüßt der Tatverdächtige eine Strafe wegen eines Drogendelikts in der JVA Kiel, die das Amtsgericht Niebüll im Jahr 2011 gegen ihn verhängte. Die Haft soll im Frühjahr 2021 enden. Bereits im Juni sollen seine Anwälte beantragt haben, die Freiheitsstrafe auf Bewährung auszusetzen. Das dürfte so schnell aber nicht passieren, wie Stephanie Gropp von der Staatsanwaltschaft Flensburg zu RTL sagte.

Am 16. Juli will der Europäische Gerichtshof zudem entscheiden, ob eine weitere Verurteilung wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin in Portugal mit dem Gesetz über die internationale Rechtshilfe in Einklang zu bringen ist. Dafür ist er am 16. Dezember 2019 verurteilt worden, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Seine Anwälte hatten Revision eingelegt. RTL ist am Donnerstag vor Ort und berichtet.

Maddies Eltern befürchten Freilassung

Wie es Maddies Eltern in diesen verwirrenden Tagen geht, kann man nur erahnen. Laut "The Sun" machen sie sich Sorgen, dass B. nicht angeklagt und frühzeitig aus der Haft entlassen werden könnte. "Selbst wenn dem Antrag stattgegeben werden würde, wäre immer noch der Untersuchungshaftbefehl da, der in dem Verfahren wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung ergangen ist. Dieser ist noch nicht aufgehoben. So wie die Aktenlage jetzt ist, kommt der Verurteilte so oder so nicht raus", erklärte Gropp.

Währenddessen wurden vor wenigen Tagen mehrere Brunnen und Schächte in der Nähe von Praia da Luz, dem Ort, wo Maddie vor 13 Jahre spurlos verschwunden ist, durchsucht. Spuren des Mädchens seien nicht entdeckt worden. Englische Zeitungen berichten übereinstimmend, die Polizei habe mit Tauchern nach der Leiche des Mädchens gesucht. Dies sei wohl auf Initiative der portugiesischen Ermittler geschehen, sagte Staatsanwalt Wolters der "The Sun". "Wir haben die Aktion weder eingeleitet, noch haben wir von portugiesischer Seite etwas darüber gehört", sagte Wolters. Weiter stellte er klar: "Um unnötige Spekulationen zu vermeiden, werden wir keine Zwischenergebnisse mehr veröffentlichen."

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