Ehepaar aus Österreich jetzt ohne Schutz?

Schock nach Impfung: Paar hat keine Antikörper

Der Johnson & Johnson Impfstoff wird nur einmal verabreicht. Bei einem Paar aus Österreich hat er aber wohl nicht angeschlagen.
Der Johnson & Johnson Impfstoff wird nur einmal verabreicht. Bei einem Paar aus Österreich hat er aber wohl nicht angeschlagen.
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03. September 2021 - 12:15 Uhr

War die Impfung wirkungslos?

Keine Antikörper trotz Impfung. Diese erschreckende Nachricht haben Raffaela und ihr Mann Martin aus Niederösterreich jetzt schwarz auf weiß. Doch wie kann das sein? RTL-Medizinexperte Dr. Specht erklärt, was passiert sein könnte und was die beiden jetzt tun sollten.

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Nach der Impfung kommt der Schock

Am 28. Juli war es soweit: Raffaela und ihr Mann Martin wurden endlich geimpft. "Das war im Rahmen einer betrieblichen Impfung durch die Stadtwerke, wo mein Mann arbeitet. Wir waren beide sehr froh, dass wir die Impfung bekommen haben", erzählt Raffaela heute.at.

Lese-Tipp: Ungeimpfte infizieren sich viel häufiger als Geimpfte.

Später lassen die beiden sich auf Antikörper testen, einfach, um ganz sicher zu sein, dass die Corona Impfung wirkt. Mit dem Ergebnis aber hätten sie nicht gerechnet: Martins Antikörper werden mit dem Wert 8 angegeben, Raffaelas sogar nur mit 1. Viel zu wenig! "Ich bin jetzt praktisch wie ein Ungeimpfter, komme aber mit meinem Impfpass überall hinein", erzählt die 30-Jährige heute.at. Ein großer Schock für die beiden. Haben sie sich und andere womöglich unbewusst in Gefahr begeben?

Beide hatten den Impfstoff vom Hersteller Johnson&Johnson bekommen, müssen somit nur einmal geimpft werden. Eigentlich. Denn jetzt scheint ja alles wirkungslos gewesen zu sein – obwohl die beiden sogar eine deutliche Impfreaktion wie Fieber und blaue Flecken gezeigt haben.

Auch andere Impfungen wirken nicht

Arzt und Medizinexperte Dr. Christoph Specht
Arzt und Medizinexperte Dr. Christoph Specht
© RTL

Medizinexperte Dr. Specht schätzt den Fall auf RTL-Anfrage so ein: "Es gibt sogenannte Impfversager: Menschen, bei denen die Impfung nicht anschlägt. Das kommt gar nicht so selten vor, auch bei anderen Impfungen. Deswegen wird beispielsweise die Masernimpfung zweimal verabreicht. Aber nicht als Booster, wie viele denken, sondern weil es bei etwa 5% der Impflingen zu keinerlei Reaktion auf die erste Impfung kommt. Zweimal zu impfen schadet nicht und ist im Zweifel günstiger und weniger umständlich, als bei jedem Impfling nach der Impfung auf Antikörper zu testen. Es wäre erstaunlich, wenn es bei Corona anders wäre."

Es kann also durchaus sein, dass die beiden keine nachweisbaren Antikörper gebildet haben. Nachweisbar, das ist ein gutes Stichwort. Denn es könnte auch sein, dass die beiden sehr wohl Antikörper im Blut haben, die man mit den gängigen Antikörpertests aber nicht so einfach nachweisen kann.

Lese-Tipp: So schnell lassen sich Antikörper im Blut nachweisen.

Dr. Specht erklärt RTL: "Es könnte auch sein, dass die beiden bereits eine zelluläre Immunabwehr gegen das Coronavirus haben." Das bedeutet: Das Immunsystem "lernt" im Laufe des Lebens immer mehr Erreger und Toxine "kennen" und speichert deren Strukturen, um sie bei einem erneuten Eindringen effektiver bekämpfen zu können. Und diese zellulären Antikörper sind eben bei den standardmäßigen Antikörpertests nicht nachzuweisen.

Heißt: Vielleicht sind Raffaela und Martin also doch gegen Corona geschützt – vielleicht aber auch nicht. Was also tun?

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Testen oder impfen

Medizinexperte Dr. Specht würde den beiden raten, entweder einen erneuten Antikörpertest durchführen zu lassen, um etwaige Fehler ausschließen zu können. Oder sich erneut impfen zu lassen, am besten mit einem mRNA Impfstoff wie Moderna oder Biontech. Diese haben auch eine höhere Wirksamkeit gegen Covid-19.

Warum aber wird dann trotzdem mit Johnson&Johnson geimpft?

Schlechter sei der Wirkstoff nicht unbedingt, erklärt Dr. Specht RTL gegenüber. "Nicht so viel schlechter ist er, wenn er die schweren Verläufe von Corona verhindern soll. Das kann er fast so gut wie die mRNA Impfstoffe. Er wurde zugelassen, weil er besser als 50% wirkt. Dann kam Biontech mit 95% Wirksamkeit und daran hat man sich gewöhnt. Deswegen erscheint Johnson&Johnson schlechter. CureVac aber zum Beispiel hatte nur eine Wirksamkeit von 47%. Johnson&Johnson nimmt man aber trotzdem, weil er der Landrover unter den Impfstoffen ist. Auf die gesamte Weltbevölkerung gesehen ist das der Effektivste. mRNA Impfstoffe sind Diven, sie sind teuer, kompliziert und schwierig zu lagern. Johnson&Johnson muss man nur einmal geben, er ist leicht transportabel, leicht zu lagern und billig."

Die Wirksamkeitsstudie des Johnson&Johnson Impfstoffs würde sich vor allem auf die erste Covid-19 Variante beziehen. Derzeit sind die Varianten Alpha (B.1.1.7) und Delta (B.1.617.2) in Deutschland vorherrschend und dagegen wirke Johnson&Johnson gut, erklärt Dr. Specht weiter.

Wie Raffaela und Martin aus Niederösterreich weiter verfahren wollen, wissen sie noch nicht. Fest steht nur: Sie sollten etwas tun, um wirklich sicher gegen das Virus geschützt zu sein. (cga)