Egoismus abschalten, die Welt retten - mit was wir alles aufhören müssen

Die Fliegerei belastet die Umwelt. Jeder von uns muss sich einschränken, wenn wir die Welt einigermaßen erhalten wollen.
Die Fliegerei belastet die Umwelt. Jeder von uns muss sich einschränken, wenn wir die Welt einigermaßen erhalten wollen.
© dpa, Daniel Reinhardt

16. Oktober 2015 - 18:05 Uhr

Jeder von uns kann etwas tun – ein Kommentar von Oliver Scheel

Egoismus ist etwas, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Ehrgeiz hat den Menschen voran gebracht, das ist keine Frage. Und so treibt der Egoismus die Menschen zu besonderen Leistungen. Und der Mensch wünscht sich, etwas Besonderes zu sein, geachtet zu werden. Erinnert sei an den Werbespruch "Mein Auto, mein Haus, meine Yacht". So vernebeln uns Konsum und Werbung die Sinne, die Massenproduktion erreicht immer neue Dimensionen, alles auf Kosten der Natur und derer, die für wenig Geld an den Fließbändern der Welt stehen.

Im Jahr 2013 ist gewiss: Wir haben durch unseren Lebensstil das Klima ins Wanken gebracht. Wenn wir nicht bald die ökologische Reißleine ziehen, sind die Folgen des Klimawandels nicht mehr beherrschbar und ist in der Folge auch das Überleben der Menschheit nicht mehr gesichert.

Das heißt: Wir alle müssen uns einschränken. Dazu gehört Konsumverzicht, denn die Produktion all der schönen Güter ist ein enormer Treibhaus-Emittent. Und natürlich gehört dazu auch der Verzicht auf Flugreisen und Autofahrten. Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen liegt laut der Klimaschutzorganisation atmosfair bei 2.300 kg CO2. Allein ein Wochenend-Ausflug nach Mallorca bringt aber 830 kg an CO2-Emissionen auf unser Konto. Und ein Jahr lang einen Mittelklassewagen fahren (etwa 12.000 km), belastet unser Konto mit 2.000 kg CO2. Hier besteht für uns alle die Möglichkeit, aktiv mitzuarbeiten an der Eindämmung des Klimawandels.

"Brauch' ich das wirklich?" – Diese Frage muss zentraler Punkt unseres Handeln sein

Und es ist höchste Zeit: Trotz all der schönen Versprechungen auf den Klimakonferenzen ist der weltweite CO2-Ausstoß im Jahr 2011 so hoch gewesen wie noch nie. Und im Jahr 2012 pusteten wir Deutsche wieder mehr Treibhausgase in die Luft als in den Jahren zuvor.

Jeder Einzelne kann etwas dagegen tun. Zum Beispiel durch Verzicht. Wir müssen auch unsere Interessen, unsere ganz persönlichen Wünsche hinten anstellen, wenn die Klimaerwärmung noch eingedämmt werden soll.

Es geht nicht darum, dass wir mit allem aufhören müssen, was unsere Freizeit ausmacht und was uns durch die modernen Verkehrsmittel und den Wettbewerb alles offen steht. Es geht darum, dass wir uns die Frage stellen: "Brauch ich das jetzt wirklich?" Muss ich am Wochenende nach Amsterdam fliegen? Muss ich diese Schuhe, diese Hose, dieses T-Shirt wirklich haben? Muss ich all die leckeren Sachen im Supermarkt kaufen oder reicht nicht auch ein bisschen weniger?

Dazu gehört auch die Devise: 'think globally, act locally' - global denken, lokal handeln. Es macht eben Sinn, lokale Produkte zu kaufen. Dieses Bewusstsein setzt sich auch mehr und mehr durch. Wir müssen keinen neuseeländischen Wein trinken, wir brauchen keine kalifornischen Nüsse, keine Erdbeeren aus Marokko, keine Mandarinen aus Südafrika. Es ist an der Zeit, zu den Wurzeln zurückzukehren. Kohl essen, wenn es Kohl gibt, Äpfel, wenn es Äpfel gibt. Wir ernähren uns nicht schlechter, wenn wir das Angebot nutzen, das die Jahreszeiten hergeben.

Eine Studie brachte vor wenigen Monaten zu Tage, dass etwa 30 Prozent unserer Lebensmittel weggeworfen werden. 30 Prozent! Das heißt, fast ein Drittel der Anbauflächen könnte man sinnvoller nutzen. Die Landbevölkerung könnte auf den Parzellen eigenes Gemüse anbauen, um sich so gut es geht selbst zu ernähren, anstatt in den Ballungszentren in Lohnabhängigkeit zu geraten. Regenwald wird abgeholzt, um auf dem Boden Pflanzen anzubauen, die wir nachher wegschmeißen. Was für ein Irrsinn.

Wir, die Verbraucher, können das ändern. Indem wir unser Konsumverhalten ändern. Wenn wir uns nur jeden Tag einmal die Frage 'Brauche ich das jetzt wirklich?' stellen, wenn wir nur einmal am Tag so handeln, dann ist schon unglaublich viel gewonnen. Es sind etwa 80 Millionen Menschen, die in Deutschland leben. Wenn wir alle jeden Tag auf eine Kleinigkeit verzichten, auf eine Autofahrt, ein T-Shirt oder ein Stück Fleisch – dann geht es der Erde und natürlich auch uns ein kleines bisschen besser.

Das lohnt sich – jeden Tag. Der indische Revolutionär Mahatma Gandhi formulierte es so: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." Wir müssen nur jeden Tag unser eigenes Tun hinterfragen. Dann besteht die Chance, den kommenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.