Getränkelieferant greift durch

Aus Durstexpress wird Flaschenpost: Hunderte Mitarbeiter werden entlassen

Fusioniert mit Flaschenpost: Durstexpress kündigt hunderten Mitarbeitern
© picture alliance

03. Februar 2021 - 10:14 Uhr

Flaschenpost und Durstexpress sollen fusionieren

Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hat nun zwei Getränkelieferanten: Flaschenpost und Durstexpress. Doch aus zweien will das Unternehmen künftig eins machen und das mit schweren Folgen für die Mitarbeiter. Die gehen auf die Barrikaden.

Getränkelieferanten sind Gewinner der Coronakrise

Getränke über die App aussuchen, bestellen und innerhalb von zwei Stunden liefern lassen. Das Prinzip von Flaschenpost ist denkbar einfach und verspricht: Frische Getränke sind in nur wenigen Augenblicken beim Kunden. Und der muss noch nicht mal schwere Wasserkisten oder Bierkästen schleppen. Das Konzept des Getränkelieferanten geht auf, seit Monaten weitet das Startup Flaschenpost erfolgreich seine Liefergebiete aus, auch weil Corona das Geschäft ordentlich anheizte.

Im Herbst wurde dann verkündet: Flaschenpost beendet das Nischendasein und gehört jetzt zum Bielefelder Lebensmittelkonzern Dr. Oetker. Blöd nur, dass der Konzern, der eigentlich bekannt ist für Pudding, Joghurt und Tiefkühlpizza, schon länger einen Getränkelieferant im Portfolio hat. Der hauseigene Durstexpress liefert eben auch Getränke per Smartphone-Order.

Die Idee von Dr. Oetker, die beiden Lieferanten zu fusionieren ist daher nur logisch. Aus Durstexpress wird Flaschenpost. Doch die Leidtragenden sind die Mitarbeiter von Durstexpress. Vielen von ihnen wurde nun gekündigt.

Hunderte Arbeitsplätze bei Durstexpress in Gefahr

Wie die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätte (NGG) mitteilt, wurden alle rund 450 Beschäftigten des Durstexpress-Standorts in Leipzig entlassen. Auch am Standort in Bochum wurden alle 100 Mitarbeiter rausgeschmissen. Deutschlandweit sollen 2.300 Angestellten gehen. Sowohl die Fahrer als auch die Lagerarbeiter hätten zwar die Möglichkeit, sich bei Flaschenpost zu bewerben, allerdings zu deutlich schlechteren Bedingungen und weniger Gehalt, heißt es von Arbeitnehmervertretern.

Für den Geschäftsführer der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau Jörg Most, sei es ein Unding, dass Dr. Oetker Flaschenpost für eine Milliardensumme kaufe, aber nicht dafür sorgt, dass Arbeitnehmerbelange erst genommen würden, sagte er gegenüber dem MDR. Er fordert einen fairen und transparenten Betriebsübergang.

Mitarbeiter von Durstexpress protestieren

Um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen, wollen die Angestellten in Leipzig demonstrieren. Geplant sei ein Fahrradkorso durch die Innenstadt. Die Forderung: Dr. Oetker soll die Kündigungen zurücknehmen. Außerdem wolle man dafür kämpfen, dass bei Flaschenpost und Durstexpress Betriebsräte eingeführt werden, die die Belange der Mitarbeiter durchsetzen. Bisher gibt es die nicht. Auch am Standort Bochum protestieren die Mitarbeiter und halten eine Mahnwache ab.

Lieferdienste boomen durch Corona

Pizza, Einkäufe, Medikamente oder Getränke- für fast alles gibt es mittlerweile einen Lieferdienst. Und gerade in der Corona-Pandemie boomt das Geschäft mit der Lieferung. Doch dabei macht es einen großen Unterschied, ob Besteller auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Wie schnell Online-Lieferdienste wirklich sind, haben wir für Sie getestet.