Der Faktencheck

Das steckt hinter Glööcklers irrer Palmblatt-Theorie

26. Januar 2022 - 16:56 Uhr

von Jessica Bürger

An Tag 5 wurde es bei "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" überirdisch-spirituell. Denn Harald Glööckler und Eric Stehfest hatten geradezu tiefen-psychologische Gespräche über Wiedergeburt, paranormale Aktivitäten und Weissagungen auf Palmblättern. Ja, gerade letzteres hat Glööckler ziemlich zu denken gegeben: "Und es ist erstaunlich, in meinem Palmblatt stand ganz vieles drin, was jetzt auch bei mir stattfindet gerade", sagte der Modedesigner in der Show. Was genau, sehen Sie im Video. Die Esoterik-Stunde mit Eric Stehfest können Sie wiederum im Video sehen.

Doch was sind diese Palmblattbibliotheken in Indien eigentlich und stehen wirklich Prophezeiungen auf den Blättern? Mit Dr. Jonas Buchholz vom Südasien Institut der Universität Heidelberg haben wir Glööcklers Behauptungen einmal diskutiert

Palmblattbibliotheken gibt es wirklich

Behauptung 1: "(…) Da kannst du in Indien zu einer Bibliothek gehen, dein Palmblatt finden und da stehen dann Dinge drin über dein Leben jetzt."

Faktencheck: Das stimmt – zumindest mehr oder weniger. Palmblattbibliotheken liegen momentan voll im Trend. Immer mehr Reiseunternehmen bieten Trips nach Indien, Sri Lanka und Bali an, wo Reisende sich die Zukunft vorhersagen lassen können. Die wohl größte dieser Bibliotheken liegt in Bangalore, Indien, mit über einer Millionen Palmblättern. Das Reiseunternehmen "Mystic Travels" beschreibt den Besuch der Bibliothek auf seiner Website als "atemberaubend" und die Palmblätter als "individuelle Schicksalsblätter". Vor Ort sollen Besucher nur ihren Geburtstag nennen, den Geburtsort und die Geburtszeit, damit die Palmblattleser die richtige Prophezeiung finden.

Jonas Buchholz von der Uni Heidelberg sieht das Ganze jedoch skeptisch. "Es gibt in Indien eine Form von Wahrsagerei von Leuten, die vorgeben solche Palmblattmanuskripte zu besitzen und anhand dieser Manuskripte wahrsagen", erklärt er im RTL-Interview. Das sei vor allem in Südindien eine populäre Art von Wahrsagerei, mittlerweile habe sich das aber auch in westlichen Kreisen herumgesprochen. "Diese Wahrsager haben eine Art Palmblatt-Manuskript vor sich liegen und geben dann eben vor, daraus weiszusagen", so Buchholz.

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Wann und wer diese Blätter beschrieb, weiß keiner

Behauptung 2: "Vor 7.000 Jahren haben Mönche in Indien auf Palmblättern Leben von Menschen geschrieben, die jetzt stattfinden (...)."

Faktencheck: Möglich, aber bisher nicht belegt. "Es ist absolut nicht haltbar, dass die Palmblätter vor Ort 7.000 Jahre alt sind", sagt Buchholz. Das Klima in Indien sei viel zu feucht und warm, die Palmblätter würden nur kurz überdauern. Sie könnten maximal aus dem 17., wohl eher aber aus dem 18. Jahrhundert stammen, so Buchholz. "Und eine so große Zahl von Palmblättern über lange Zeit immer wieder neu zu übertragen, ohne dass Fehler oder Verluste entstehen, ist nicht plausibel." Vor 7.000 hätte es Indien noch gar keine Schrift gegeben, erklärt er, die Palmblätter können erst viel später beschrieben worden sein.

Buchautorin Annett Friedrich sagt auf ihrer Website "Palmblätterbibliothek" zwar, dass die Blätter zwar nicht von Mönchen aber immerhin von Rishis, den "heiligen Sängern, Dichtern, Poeten und Sehern des Hinduismus" verfasst wurden. Aber auch das sei nach Buchholz' Ansicht nur eine Vermutung. "Es gibt die Vorstellung, dass diese Weisungen von mythischen Weisen geschrieben wurden, aber das ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar", sagt er. Im Grunde sei gar nicht greifbar, wer diese Texte geschrieben hat.

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"Ich halte das für Humbug!"

Behauptung 3: "(…) Dass ich aufs Land gezogen bin, 98 bis 100 Jahre alt werden würde, immer gesund bleiben, mir nie Gedanken um Materielles machen muss!"

Faktencheck: Niemand weiß, was auf diesen Palmblättern wirklich steht. "Das hat niemand wirklich erforscht, eigentlich müsste man sich diese Manuskripte mal ansehen", sagt Buchholz. Doch er vermutet, dass das schwierig werden könnte, weil die Wahrsager sich nicht in die Karten schauen lassen würden. Und da die Blätter wohl in Alt-Sanskrit und Alt-Tamil beschrieben wurden, kann ein Laie sie auch nicht so einfach übersetzen. Könnte an Glööcklers Prophezeiung dennoch etwas dran sein? "Ich persönlich halte das für Humbug, wenn ich ehrlich bin", sagt Buchholz deutlich. "Das ist nichts anderes als Kristallkugeln oder Tarot-Karten und andere Wahrsagerei-Geschichten!" Die Wahrsager würden die Palmblätter vermutlich nur als Staffage benutzen und ihren Kunden einfach erzählen, was diese gerne hören möchten.

Playlist: Alle Dschungelcamp-Highlights im Video

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ bei RTL und auf RTL+

RTL zeigt den Dschungelcamp-Start am 21. Januar 2022 um 21:30 Uhr – danach läuft IBES täglich live ab 22 Uhr (donnerstags schon ab 21:15 Uhr). Parallel zur TV-Ausstrahlung gibt es den Spaß auch im Livestream auf RTL+. Alle Folgen von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" stehen im Anschluss natürlich online zum Streamen bereit.