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Dresden: Kita-Eltern blockieren Behindertenparkplätze – Rollstuhlfahrer müssen auf der Straße aussteigen

Autos blockieren Behindertenparkplätze vor Kita

Wegen rücksichtsloser Eltern: Rollstuhlfahrer müssen mitten auf der Straße aussteigen

Dresden Kita Behindertenparkplatz
Nicht alle Eltern, die die Behindertenparkplätze vor blockieren, zeigen sich einsichtig.
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Kita-Eltern parken einfach auf Behindertenparkplatz

Eigentlich lässt das Verkehrsschild "Behindertenparkplatz" keinen Spielraum für Interpretationen. Doch manchen Eltern in Dresden ist das offenbar egal: Sie parken einfach auf den für Behinderte reservierten Flächen, um ihre Kinder von der Kita abzuholen. Rollstuhlfahrer müssen deshalb mitten auf der Straße aussteigen – ein gefährliches Manöver.

Rollstuhlfahrer kommen nicht auf den Bürgersteig

"Ich bin zwei Minuten wieder weg", erklärt ein Parkplatz-Blockierer lässig, als wir ihn ansprechen. Was er offenbar ignoriert: Auch in den angeblichen zwei Minuten könnte ein Behindertenfahrzeug den Platz dringend benötigen.

Denn gegenüber der Kita befindet sich die Landesarbeitsgemeinschaft Sachsen e.V., die mit körperlich schwer behinderten Menschen arbeitet. Wegen der belegten Parkplätze müssen die Autos der Organisation auf der Fahrbahn halten und Rollstuhlfahrer dort aussteigen lassen. Das ist gefährlich: Die Behinderten kommen auch nicht auf den Bürgersteig, weil die Kita-Eltern mit ihren Autos den Weg versperren.

Oma von behindertem Kind: Eltern könnten ruhig ein paar Meter laufen

Dresden Kita Heike Möller
Heike Möller ärgert sich fast täglich über ignorante Eltern.
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Das geht gar nicht, findet Heike Möller (55). Auch ihr Enkelkind ist behindert und wird jeden Tag vom Fahrdienst von der Schule nach Hause gebracht. Wenn sie das Kind am Parkplatz abholt, ärgert sie sich immer wieder über die ignoranten Eltern.

"Weil die Eltern vom Kindergarten hier alles zuparken, muss der Fahrdienst jedes Mal mitten auf der Straße halten und das Kind dort aussteigen", erklärt sie. Die Mütter und Väter seien "völlig unvernünftig und nicht einsichtig". Von einigen sei sie schon beleidigt worden, berichtet Heike Möller. Dabei hat sie für die Eltern sogar Verständnis, findet aber auch: Keiner würde sich einen Zacken aus der Krone brechen, wenn er statt direkt vor der Kita 50 Meter weiter weg parkte. "Ich würde meinem Kind auch zutrauen, mal ein paar Meter zu laufen", sagt sie.

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Dresden: Ungenutztes Gelände könnte zum Kita-Parkplatz werden

Dresden Kita Thomas Neumann
Wenn die abgesenkten Bordsteine zugeparkt sind, muss Thomas Neumann im Rollstuhl warten, bis die Autos weggefahren sind.
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Durch eine Baustelle vor der Dresdner Kita wird die angespannte Parkplatzsituation noch verschärft. Eine Lösung könnte sein, ein ungenutztes Gelände auf der anderen Straßenseite zu einem Kita-Parkplatz umzubauen. "Wenn die Eltern der Meinung sind, sie müssen zwingend ihre Kinder mit dem Auto bringen, dann muss man Parkplätze schaffen", findet Thomas Neumann. Er ist Leiter des Selbsthilfevereins für behinderte Menschen gegenüber der Kita und sitzt selbst im Rollstuhl.

Auch Neumann leidet unter den Falschparkern. "Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln komme, habe ich das Problem, dass diese abgesenkten Bordsteine auch gerne mal zugeparkt sind", erklärt er. "Dann komme ich einfach nicht mehr weiter und muss quasi warten, bis derjenige wegfahren ist."

Selbsthilfeverein-Leiter hofft auf Einsicht

Als wir nachmittags die Lage beobachten, stellen sich tatsächlich fast im Minutentakt Eltern auf die Behindertenparkplätze. Darauf angesprochen, gibt's jede Menge Ausreden – aber auch einsichtige Mütter und Väter, die ihr Auto direkt wegfahren.

Auf Einsicht hofft auch Thomas Neumann. "Es gibt ja genug Platz", sagt er und verweist auf das gegenüberliegende Gelände. "Am Ende ist das ja lösbar."

Stadt Dresden will vor Kita verstärkt kontrollieren

Die Stadt Dresden äußert sich noch zurückhaltend, will immerhin den Bereich vor der Kita stärker kontrollieren – "im Rahmen der Möglichkeiten", heißt es in einer Stellungnahme. Außerdem wolle die Kita das Gespräch mit den Eltern suchen, um sie für die Problematik zu sensibilisieren. Damit Thomas Neumann und seine Schützlinge bald wieder aussteigen können, ohne sich in Gefahr zu begeben.