Zahl der Abtreibungen könnte dadurch steigen

Down-Syndrom: Zahlt die Krankenkasse bald den pränatalen Bluttest?

21. März 2019 - 14:47 Uhr

Bundesausschuss will den Test zur Kassenleistung machen

Diese Frage geht ganz tief in Ihr Gewissen: Wenn Sie wüssten, dass Ihr ungeborenes Kind das Down-Syndrom hat – würden Sie das Kind bekommen? Seit einigen Jahren können Schwangere die Wahrscheinlichkeit mit Hilfe eines Bluttests berechnen lassen, mussten aber bisher dafür selbst bezahlen. Das will der Gemeinsame Bundesausschuss ändern – und den Test zur Kassenleistung machen, zumindest für Risiko-Schwangere.

Verbände und Pränatal-Mediziner befürchten, dass es dadurch zu mehr Abtreibungen kommen könnte. Ob der Test zur Kassenleistung wird, soll voraussichtlich im Spätsommer entschieden werden.

Wie funktioniert der Blut-Test?

Down-Syndrom-Bluttest
Mit einem solchen "Praena-Test" soll mittels einer vorgeburtlichen Blutentnahme geprüft werden, ob das ungeborene Kind Trisomie 21 hat. Foto: Tobias Kleinschmidt/Symbol
© deutsche presse agentur

Für die Tests wird den Schwangeren ab der 11. Woche Blut abgenommen. Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann unter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde. Mit einer Treffsicherheit von 99 Prozent gilt dieses statistische Verfahren als sicherer als das sogenannte Erst-Trimester-Screening mit einer Quote von 95 Prozent.

​Positiv getestet – und dann?

Die Zahl der Abtreibungen werde steigen, das vermuten sowohl die Geschäftsführerin des Deutschen Down-Syndrom-Infos-Centers Elzbieta Szczebak als auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin Professor Dieter Grab. "Es ist davon auszugehen, dass künftig deutlich mehr Frauen einen solchen Test machen werden. In der Summe wird es schon so sein, dass mehr Frauen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen", so Grab.

Jetzt entscheiden sich etwa zehn Prozent der Schwangeren bewusst für ein Baby mit Down-Syndrom (Trisomie 21). 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt.

Kritik am Bluttest: Kein Ersatz für normale Standard-Untersuchungen

Der Bluttest wird von Ärzten durchaus kritisch gesehen. Andere Krankheiten oder Fehlbildungen könnten so aus dem Fokus geraten: "Man sucht damit ja lediglich nach den Trisomien 13, 18 und 21", so Professor Grab. "Man darf nicht glauben, dass mit dem Bluttest die gesamte pränatale Diagnostik erledigt ist. Er ist kein Ersatz für normalen Standard der Überwachung", ergänzt er.

Positiver sieht er daher die Ultraschall-Untersuchung im Ersttrimester-Screening: Dort habe man "die Chance, den Kindern zu helfen, denn es werden auch wichtige Organe wie Herz, Magen und Gehirn untersucht." Würde nur der Bluttest genutzt, könnten Krankheiten, die schon im Bauch behandelt werden könnten, zu spät erkannt werden. Ein offener Rücken wäre so ein Beispiel.