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Dolomiten: Gletschersturz reißt viele Bergsteiger mit sich - auch Deutsche unter den Verschütteten

Retter haben kaum noch Hoffnung

Gletschersturz reißt viele Bergsteiger mit sich - auch Deutsche unter den Verletzten

Monströse Lawine erfasst Wandergruppen Unglück in Norditalien
01:06 min
Unglück in Norditalien
Monströse Lawine erfasst Wandergruppen

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Ein entsetzliches Unglück erschüttert die Menschen in Italien und darüber hinaus. Mindestens sechs Tote forderte ein Gletschersturz an der Flanke des Berges Marmolata in den Dolomiten am Sonntag (3. Juli). 14 Bergsportler wurden verletzt, konnten aber gerettet werden. Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge galten am Montag fast 20 Menschen als vermisst. Hoffnung, sie lebend zu finden, gibt es kaum. Ein Video vom Gletschersturz zeigt auch zwei Bergsteiger, die nur wenige Meter neben dem herabstürzenden Schutt und Geröll am Berg stehen.

Autos gezählt - von den Haltern fehlt bisher jede Spur

Es sind die gewaltige Massen von Eis, Schnee, und Fels, die für Hoffnungslosigkeit bei den Rettern sorgen. Das sagte Walter Cainelli von der Bergrettung der norditalienischen Provinz Trentino am Sonntagabend. Die Retter befürchten Schlimmstes: Bis zu 30 Menschen könnten an dem Berg ums Leben gekommen sein, wie italienische Medien berichten.

Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass Deutsche in das Unglück involviert sind. Nach bisherigem Stand handle es sich um zwei Personen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Ersten Informationen zufolge seien die beiden verletzt. Weitere Angaben machte das Auswärtige Amt zunächst nicht. Der Honorarkonsul in Bozen und die deutsche Botschaft in Rom stünden im ständigen Austausch mit den italienischen Behörden, hieß es weiter.

Ein „unvorstellbares Blutbad“ am Berg - wohl Kind (9) unter den Opfern

Wer und wie viele Menschen an dem Tag auf dem Berg unterwegs waren, wissen die Retter nicht. Sie zählten die Autos, die auf dem Parkplatz am Fuß des Bergmassives standen und schätzen daraufhin, wie viele Menschen auf dem Berg waren. 16 Wagen parken dort – von den Haltern fehlt bisher jede Spur. „Wir wissen noch nicht, ob die Wagen den toten oder vermissten Personen gehören oder Leuten, die nichts mit dem Unfall zu tun haben“, sagte Maurizio Fugatti, Regionalpräsident von Trentino-Südtirol.

Unter den bislang geborgenen Opfern befindet sich auch ein neunjähriges Kind, berichtet unter anderem die italienische Zeitung „La Repubblica“. Die Identifizierung der Toten ist schwierig: Die Nachrichtenagentur Ansa zitierte Ermittler, wonach sich an dem Berg ein „unvorstellbares Blutbad“ abgespielt habe. Durch die Eis- und Steinbrocken seien die Körper der Opfer regelrecht „zerstückelt“ worden. Der sichtlich geschockte Bergretter Luigi Felicetti berichtete von dem Einsatz: „Als wir vor Ort ankamen, bot sich uns ein unglaubliches Bild. Überall lagen Eisblöcke und riesige Steine.

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Reinhold Messner sieht Gletscherabbruch als Folge des Klimawandels

Aufgrund der Gefahr, dass weitere Eisblöcke abbrechen könnten ,mussten die Rettungsarbeiten a Sonntagabend auch noch unterbrochen werden. Das gesamte Gebiet ist derzeit für die Öffentlichkeit gesperrt. Der italienische Ministerpräsident, Mario Draghi, drückte den Opfern und Hinterbliebenen sein Beileid aus.

Für den Extrembergsteiger und Umweltschützer Reinhold Messner ist das Unglück eine Folge der Erderwärmung und des Klimawandels: „Diese fressen die Gletscher weg“, sagte der 77-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. An den Abbruchkanten der Gletscher bilden sich dann sogenannte Eistürme - Seracs genannt – „die so groß sein können wie Wolkenkratzer oder Häuserzeilen“, erklärte Messner. Vorfälle wie an der Marmolata „werden wir häufiger sehen“, prognostizierte er, denn „heute gibt es viel mehr Fels- und Eisabbrüche als früher“. (eon, mit dpa)