Wirkt anders als gedacht!

Doch nicht so gesund? Warum grüner Tee Stress nicht mindert, sondern sogar fördert

Grüner Tee wirkt anders als gedacht. Das fanden nun Forscher aus Zürich heraus.
Grüner Tee wirkt anders als gedacht. Das fanden nun Forscher aus Zürich heraus.
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27. Oktober 2021 - 18:19 Uhr

Grüner Tee gilt als lebensverlängernd

Gesund, lebensverlängernd und gut bekömmlich – viele Menschen schwören auf grünen Tee. Doch der Tee mit der angeblich heilenden Wirkung soll gar nicht so wirken wie gedacht. Forscher der ETH Zürich haben nun herausgefunden, dass grüner Tee uns nicht den Stress nimmt, sondern diesen sogar fördert – zumindest zunächst.

Bisher nahm man an, dass Grüntee oxidativem Stress vorbeugt

Grund für die angeblich so gute Wirkung des Grüntees sollen die darin enthaltenen Katechine ECG und EGCG (gehören zur Gruppe der Polyphenole) sein. Bisher wurde angenommen, dass die Katechine im Körper antioxidantisch wirken und so oxidativem Stress durch freie Sauerstoffradikale entgegenwirken und sogar vorbeugen.

Oxidativer Stress beschreibt ein Ungleichgewicht im Körper zwischen freien Radikalen und Antioxidantien bzw. Radikalfängern. Begünstigt werden freie Radikale durch äußere Einflüsse wie Zigaretten, Umweltgifte, UV-Strahlung, Stress oder schlechte Ernährung.

Gibt es zu viele freie Radikale, führt das zu einer Dysbalance im Körper. Antioxidantien oder Radikalfänger, die wir vor allem durch gesunde Ernährung aufnehmen, bringen die freien Radikale wieder in Schach. Ohne sie würden diese ungehindert zu oxidativem Stress führen und Schäden wie die Zerstörung von Zellen anrichten, was sich in schnellerer Hautalterung oder Erkrankungen wie Krebs äußern kann.

Lese-Tipp: Antioxidantien – darum sind so wichtig und hier sind sie enthalten

Erst Stress, dann Fitness?

Wie die Forscher der ETH Zürich rund um Michael Ristow, Professor für Energiestoffwechsel am Departement Gesundheitswissenschaften der ETH Zürich, nun mit Kollegen der Universität Jena in einem Test an Fadenwürmern herausfanden, unterdrücken die Katechine aus dem Grüntee oxidativen Stress nicht, sie fördern ihn stattdessen – zumindest kurzfristig!

In der in der Fachzeitschrift "Aging" veröffentlichten Studie heißt es, dass die Polyphenole aus dem Grüntee oxidativen Stress zuerst kurzfristig erhöhen. Nachfolgend hat das allerdings eine positive Wirkung: Wie die Forscher herausfanden, steigert dies die Abwehrfähigkeit der Zellen und des Organismus. Die Katechine aus dem grünen Tee verhelfen den damit gefütterten Fadenwürmern zu einem längeren Leben und größerer Fitness.

"Grüntee-​Polyphenole respektive Katechine sind also nicht Antioxidantien, sondern vielmehr Pro-​Oxidantien, die ähnlich wie eine Impfung die Abwehrfähigkeit des Organismus verbessern", wird Studienleiter Michael Ristow auf der Internetseite der ETH Zürich zitiert.

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Ähnlicher Mechanismus wie beim Sport

Einen ähnlichen Mechanismus wie bei den Katechinen des Grüntees kennen wir unter anderem vom Sport: Ristows Arbeitsgruppe zeigte bereits vor einigen Jahren, dass die gesundheitsfördernde Wirkung von Sport so funktioniert, dass sportliche Aktivitäten oxidativen Stress kurzfristig steigern und so langfristig die Abwehrmechanismen des Körpers verbessern.

Sollten wir weiter grünen Tee trinken - oder besser nicht?

Grüntee-Fans dürfen aufatmen! Sie können weiter täglich grünen Tee trinken, empfiehlt auch Studienleiter Michael Ristow. Allerdings rät er von Grüntee-​Extrakten oder -​Konzentraten ab. "Ab einer gewissen Konzentration wird es toxisch", heißt es auf der Homepage der ETH Zürich. Im schlimmsten Fall könne das zu Schäden an Organen führen. Wer zwischen Schwarz- und Grüntee schwanke, solle aber lieber zu grünem Tee greifen. Hier seien mehr Katechine enthalten. (akr)