Der Krebs ist ihr ständiger Begleiter

Diagnose Brustkrebs: Die Ärzte gaben Claudia noch zwei Jahre zu leben - das war 2013!

Claudia Altmann-Pospischek ist Brustkrebs-Aktivistin
Claudia Altmann-Pospischek ist Brustkrebs-Aktivistin
© Ines Thomsen

13. Oktober 2021 - 6:12 Uhr

Leben mit der Diagnose "Metastasierter Brustkrebs"

Claudia Altmann-Pospischek ist eine beeindruckende Frau. Die 46-jährige Niederösterreicherin erhielt 2013 eine niederschmetternde Diagnose: Metastasierter Brustkrebs. Die Ärzte gaben ihr damals eine Überlebensdauer von zwei Jahren. Doch Claudia fand sich nicht einfach mit dieser Prognose ab. Sie akzeptierte ihre Krankheit als Beifahrer in ihrem Leben und macht das Beste daraus.

Claudias Krankheit ist nicht heilbar

"Warum ich?" fragt sich Claudia Altmann-Pospischek, als sie die Diagnose erhält. Die damals 38-Jährige fällt in ein tiefes schwarzes Loch. Die bislang lebenslustige, weltoffene Frau kann es einfach nicht verstehen: es gibt keine Vorerkrankungen, keine erbliche Belastung, auch die Vorsorgetermine hat sie regelmäßig wahrgenommen.

Es war im England-Urlaub 2013, als Claudia merkt, es ist etwas in der Brust, mehrmals spürt sie dort einen deutlichen Stich. Zurück in Österreich besteht sie bei ihrem Arzt auf einer Mammographie, obwohl der Arzt sie dafür für viel zu jung hält. Doch Claudia pocht darauf: "Ich bin ein dringender Fall", sagt sie bei ihrem Termin. Ihr Instinkt hat sie nicht getäuscht. Die Diagnose: bösartige Tumorerkrankung – Krebs! Und es soll sich herausstellen: Dieser Krebs metastasiert, ist also chronisch und nicht heilbar.

Internationaler Tag des metastasierten Brustkrebs am 13. Oktober

Der 13. Oktober gilt als der internationale Tag des metastasierten Brustkrebs. Der Tag soll dieser speziellen Krebsart mehr Aufmerksamkeit bringen und auf die massiven Probleme betroffener Frauen hinweisen. Ein Anliegen, das auch Claudia Altmann-Pospischek sehr am Herzen liegt.

Laut Deutscher Krebshilfe wird eine von acht Frauen irgendwann im Laufe ihres Lebens die Diagnose Brustkrebs erhalten, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren. Auch Männer können daran erkranken, allerdings ist bei ihnen die Erkrankung mit ca. 750 neuen Fällen pro Jahr selten. Von metastasiertem Brustkrebs spricht man, wenn der Primärtumor in andere Organe streut, was bei etwa einer von vier Patientinnen der Fall ist. Die Metastasen treten am häufigsten in Knochen, Lunge und Leber auf, aber auch Haut oder Gehirn können befallen sein.

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Tumor entfernt - doch der Krebs hat bereits gestreut

Metastasierter Brustkrebs ist chronisch, also unheilbar
Claudia während eines Krankenhaus-Aufenthaltes
© privat

Der Tumor in der Brust wird entfernt, doch der darauf folgende Körperscan ergibt: Claudia hat bereits Metastasen in Leber und Knochen. Für sie bedeutet das: Sie wird sterben, es gibt keine Heilung mehr. Ihr wird bewusst: Ich werde nicht mehr gesund. Seitdem lebt Claudia mit diesem ständig über ihr schwebenden Damokles-Schwert.

Ihre Ärzte prognostizieren damals eine Überlebenszeit von zwei Jahren. Es folgt ein kräftezehrender Therapiemarathon mit Operationen, Chemotherapien, Antihormon- und Antikörpertherapien, Bestrahlungen und Knochenaufbauspritzen. Diese ersten zwei Jahre sind die bislang schlimmsten für Claudia – es sind Jahre, in denen sie auf den Tod wartet, an denen sie jeden Tag vor ihrem geistigen Auge ein Kalenderblatt abreißt. Sie fühlt sich allein und hoffnungslos. Doch nun lebt sie bereits acht Jahre mit der Krankheit und ist sehr froh darüber, denn anfangs hätte es ihr niemand zugetraut, sagt sie im Gespräch mit RTL.

Ihre Krankheit ist wie ein schwerer Rucksack

Die tägliche Konfrontation mit dem eigenen Tod lässt einen anders leben, sagt Claudia. Das Leben ist härter, weil schwieriger und kürzer geworden – aber auch intensiver und genussvoller. Ihre Krankheit ist für sie wie ein schwerer Rucksack, den sie zu tragen hat. Gefüllt mit Schmerzen, Nebenwirkungen der Medikamente und enormer psychischer Belastung.

Bei ihrer letzten Untersuchung vor drei Monaten wurden keine akuten Veränderungen festgestellt. "Mein Krebs schläft zur Zeit, aber irgendwann wird er resistent sein gegen die Medikamente", weiß Claudia. Die Angst vor der nächsten Untersuchung ist ein ständiger Begleiter.

Als unheilbar Kranke fühle man sich immer als Außenseiter. Man ist in Dauer-Therapie und kann in den meisten Fällen nicht mehr arbeiten, was auch finanzielle Einschnitte bedeutet. All das belastet das Umfeld und stellt Familie und Freunde vor große Herausforderungen.

Ich lebe ja noch!

Der Wendepunkt kommt für Claudia nach den harten ersten zwei Jahren, als sie feststellt: Ich lebe ja noch! Von da an konzentriert sie sich darauf, ihr Leben zu leben, es aktiv zu gestalten, die ihr verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen. Immer wieder wird sie auch gefragt: Wie hältst Du das aus? Worauf sie antwortet: "Ich habe drei Möglichkeiten: Rausgehen und mein Leben so gut wie möglich zu leben und es so lange zu genießen, wie es geht, oder zu Hause vorm Fernseher zu sitzen und auf den Tod zu warten oder von der nächsten Brücke zu springen."

Claudia hat sich für die erste Möglichkeit entschieden: Sie geht raus und lebt ihr Leben. Hilfe und Unterstützung bekommt sie von ihrem Mann Peter, ihrem "Fels in der Brandung", wie sie ihn nennt, er ist immer an ihrer Seite. Auch ihre Eltern und ihre Freunde stehen geschlossen hinter ihr und ihren vielen Projekten und Plänen.

Denn nicht zuletzt ihr großes Engagement für an Brustkrebs erkrankte Frauen lässt sie weiter durchhalten und gibt ihr viel Kraft.

Andockstelle für betroffene Frauen

Dabei liegt Claudias Schwerpunkt darauf, ein Bewusstsein für die chronisch Erkrankten zu schaffen. Der Fokus der Öffentlichkeit liege hauptsächlich auf denjenigen, die geheilt wurden oder jenen, die an der Krankheit gestorben sind. Die immer größer werdende Gruppe der Frauen, die jeden Tag mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert sind, deren Krebs chronisch ist, wird häufig übersehen. Ein Grund dafür, so Claudia, ist, dass man ihnen ihre Krankheit häufig nicht ansieht. So sieht auch Claudia nicht aus wie die "typische Krebspatientin, die man sich ja häufig als abgemagerte und bleiche Gestalt vorstellt, die durch Krankenhausflure wandert." Im Gegenteil, sie wirkt kraftvoll und optimistisch, sie legt Wert darauf, gut auszusehen, weil auch das ihr beim Leben mit dem Krebs hilft.

In ihrem Blog "Claudias Cancer Challenge" schreibt sie über alles, was ihr auf der Seele brennt. Der Blog ist ihre Herzensangelegenheit und ihr Sprachrohr: Hier berichtet sie von ihrem Alltag als chronisch an Krebs erkrankter Frau, von schönen, aber auch dunklen Tagen, von großartigen Erlebnissen, aber auch von ihrer Angst vor den nächsten Untersuchung und den möglichen Folgen.

Claudia selbst bezeichnet sich als Brustkrebs-Aktivistin, die mit Herz und Seele dabei ist, anderen Frauen zu helfen, ihren eigenen Weg im Umgang mit der Krankheit zu finden. Sie bietet ihnen eine Andockstelle, wenn sie die Diagnose bekommen und nicht mehr allein weiter wissen. Zusammen mit anderen betroffenen Frauen gründete sie die "Meta-Mädels", ein Zusammenschluss von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs. Hier treffen sie sich in der Gruppe, bieten sich gegenseitig seelische Unterstützung und vernetzen sich untereinander. Medizinisch und organisatorisch unterstützt von der österreichischen Krebshilfe.

Ihre schönste Bestätigung ist es, wenn Frauen ihr sagen: "Du hast mir geholfen".

Was kommt als nächstes?

Am 13. Oktober wird sie auf Initiative der österreichischen Krebshilfe zusammen mit ihren "Meta-Mädels" an einem Empfang im österreichischen Parlament teilnehmen. Ein Zeichen der Wertschätzung für ihr Engagement, worüber sich Claudia sehr freut, denn auch das hilft, ein größeres Bewusstsein für die Krankheit "Metastasierter Brustkrebs" und die davon Betroffenen zu schaffen.

Ein weiteres Highlight im Oktober: eine Reise zusammen mit ihrem Mann Peter ins gemeinsame Lieblingsreiseziel England.

Für Claudia gilt, das Leben zu gestalten und zu genießen – getreu ihrem Motto: "Every day is an adventure!" Sie sagt: "Das Leben mit Krebs ist wie eine Achterbahnfahrt. Ich habe gelernt, das Positive in all dem Negativen zu erkennen; mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und den Augenblick zu schätzen." Diese positive Haltung möchte sie auch anderen betroffenen Menschen vermitteln. Einen Appell aber richtet sie an alle Frauen: "Geht zur Vorsorge, geht zur Mammographie!" (psc)