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Der Fall "Armin Meiwes": Warum wurde er zum "Kannibalen von Rotenburg"?

01. September 2021 - 14:55 Uhr

Getötet, gebraten, gegessen

Es klingt nach einer richtig guten Horrorgeschichte, doch die Taten, die sich in dem kleinen nordhessischen Dorf Wüstefeld abgespielt haben, sind wirklich passiert. Armin Meiwes tötete einen Bekannten und aß ihn portionsweise auf. Sein Gutshaus in Wüstefeld bei Rotenburg wurde zum Schlachtfeld. Doch was veranlasst einen Menschen dazu, einen anderen aufzuessen? Unsere Reporter haben sich im dritten Teil unserer Wochenserie auf die Spuren des "Kannibalen von Rotenburg" begeben.

Opfer wollte von Meiwes gegessen werden

Gisela Friedrichsen hat als Gerichtsreporterin den Prozess von Armin Meiwes begleitet.
Gisela Friedrichsen hat als Gerichtsreporterin den Prozess von Armin Meiwes begleitet.
© RTL

Der Prozess gegen Armin Meiwes im Dezember 2003 wurde zum Medienspektakel. Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen war vor 20 Jahren als Gerichtsreporterin vor Ort und erinnert sich auch heute noch an diesen außergewöhnlichen Prozess: "Durchaus ein bisschen humorvoll, amüsiert hat er geplaudert über sein Leben, wie es dann zu seinen Fantasien gekommen ist und es zog sich eigentlich durch die ganze Schilderung auch der Tat und je länger man ihm zuhörte, desto entsetzter wurde man eigentlich!" Meiwes findet sein Opfer im Internet: Es ist Bernd B., ein Elektro-Ingenieur aus Berlin. Er sucht gezielt nach jemandem, der sich von ihm verspeisen lassen möchte. Bernd B. gibt sein Einverständnis und reist zu Meiwes nach Wüstefeld.

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Beide Männer wollten den Penis von Bernd B. essen

Bernd B. wird mit Schmerzmitteln und Alkohol betäubt, Meiwes schneidet ihm den Penis ab und brät ihn. Danach wollen die beiden Männer ihn gemeinsam verspeisen. Doch Meiwes beschreibt das Fleisch als ungenießbar. Nachdem Bernd B. bewusstlos wird, tötet Meiwes ihn. Er zerlegt die Leiche und friert einige Leichenteile ein. Seine Taten hält er auf einem Video fest. Dieses Video wird auch bei der Gerichtsverhandlung gezeigt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Gisela Friedrichsen erinnert sich noch gut an den Moment, als sie den Gerichtssaal wieder betrat: "Die Schöffin, die dieses Video noch nicht kannte, die war grün im Gesicht. Ich hab noch nie einen Menschen gesehen, der wirklich richtig grün im Gesicht ist. Sie brauchte nachher auch psychologische Betreuung, weil sie nicht verkraftet hat, was sie dort zu sehen bekommen hatte."

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20 Kilo Menschenfleisch verspeist

Bis zu seiner Verhaftung soll Armin Meiwes bis zu 20 Kilo Fleisch von Bernd B. verspeist haben – den Rest vergräbt er im Garten. Er prahlt mit seinen Erfahrungen in Kannibalen-Foren im Internet. Doch er hat noch nicht genug. Wieder sucht er im Internet nach jemandem, der sich gerne schlachten lassen möchte. Ein Student aus Innsbruck entdeckt im Juli 2002 Meiwes Anzeige im Netz und informiert die Polizei.

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Zwei Prozess, zwei Urteile

Der als "Kannibale von Rotenburg" bekannt gewordene Armin Meiwes steht am Dienstag (09.05.2006) in dem Verhandlungsraum des Landgerichts in Frankfurt am Main mit ausdruckslosem Gesicht. Meiwes, muss wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe antreten.
In einem erneuten Prozess bekam Meiwes eine lebenslange Haftstrafe wegen Mord.
© dpa/dpaweb, A3472 Frank May

In einem ersten Verfahren wird Meiwes am 30. Januar 2004 zu achteinhalb Jahren Gefängnis für "Tötung auf Verlangen" verurteilt. Sein Anwalt sieht das Urteil als Erfolg, doch die Staatsanwaltschaft akzeptiert das Urteil nicht. Zwei Jahre später kippt der Bundesgerichtshof das Urteil. Der Fall kommt vor das Frankfurter Landgericht und wird neu verhandelt. Das Ergebnis: Armin Meiwes bleibt im Gefängnis, und zwar lebenslänglich wegen Mordes.

Das Grauen in Wüstefeld

Doch wie gehen Meiwes Freunde mit der grausigen Tat um, die sich in seinem Gutshaus abgespielt haben. Manfred Stück ist Landwirt in Wüstefeld und war als Kind mit Armin Meiwes befreundet, später waren sie auch gemeinsam bei der Bundeswehr. Er hat Meiwes immer als ruhig und gelassen wahrgenommen, er hätte keiner Fliege etwas zu Leide tun können.

Gutshaus ist mittlerweile eine Attraktion

In diesem Gutshaus tötete der Kannibale von Rotenburg sein Opfer.
In diesem Gutshaus tötete der Kannibale von Rotenburg sein Opfer.
© RTL

Das Horrorhaus in Wüstefeld ist mittlerweile eine Attraktion geworden. Manfred Stück hat das Haus selbst noch nicht betreten, aber viele Besucher von Wüstefeld wollen sehen, wo der Kannibale von Rotenburg seine Taten verübt hat. Auch wenn das Gutshaus mittlerweile verfallen ist, es gehört immer noch Armin Meiwes. Und er könnte irgendwann nach Wüstefeld zurückkehren. (dgö)