Nach dem Corona-Applaus

Das fordern unsere Pflegekräfte jetzt

11. Mai 2021 - 18:58 Uhr

Der Corona-Applaus ist verhallt

Sie leisten während der Corona-Pandemie eine unfassbar wichtige Arbeit. Pflegekräfte wurden beklatscht für ihre Arbeit! Den "Helden der Nation" wurde alles Mögliche in Aussicht gestellt – auch bessere Gehälter. Am 12.05. ist der Internationale Tag der Pflege. Anlass, sich einmal anzuschauen, was vom Applaus übriggeblieben ist.

Es gibt tatsächlich mehr Geld

Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlichte, zeigen: Pflegekräfte bekommen deutlich mehr Geld als noch vor zehn Jahren. Fachkräfte in Krankenhäusern, wie Krankenpflegerinnen und -pfleger, verdienten letztes Jahr brutto 32,9 Prozent mehr als 2010. In Pflegeheimen lag der Anstieg sogar bei über 38 Prozent. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft stieg das Gehalt nur um rund 21 Prozent.

Im Durchschnitt verdienten Fachkräfte in der Krankenpflege 3578 Euro brutto im Monat, in Pflegeheimen lag der Durchschnitts-Verdienst bei 3291 Euro brutto.

Arbeitsbelastung ist hoch

Doch vielen Pflegekräften geht es nicht nur um Geld – vielmehr sind es die Arbeitsbedingungen, die diesen Beruf so anstrengend machen. Nicht wenige von ihnen wünschen sich gerade in diesem Bereich Verbesserungen. Kristin Haydari arbeitet als Pflegekraft an der Uniklinik Mannheim und sagt: "Ich hätte gerne einfach bessere Arbeitsbedingungen, dass ich Personal habe, dass ich Mittel zur Verfügung habe und gute Rahmenbedingungen - das ist mir wesentlich wichtiger, als dass ich 100 Euro mehr im Monat auf dem Konto habe."

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Wochenendarbeit ist Standard

Auch ohne Pandemie gehören Wochenend- und Schichtarbeit für die meisten Pflegekräfte zum Alltag. Rund 60 Prozent der Krankenpflegerinnen und -pfleger arbeiten im Schichtdienst. In anderen Berufen machen das nur 14 Prozent.

An Wochenenden arbeiten regelmäßig sogar 74 Prozent der Kranken- und 79 Prozent der Altenpflegekräfte. Insgesamt machen das nur circa 36 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland. Auch hier könnte mehr Personal helfen.

Personal wird mehr - doch es reicht noch nicht

Laut Bundesagentur für Arbeit wurden von Oktober 2019 bis Oktober 2020 18.500 zusätzliche Pflegekräfte eingestellt, aber das ist immer noch viel zu wenig: 100.000 zusätzliche Kräfte werden in den nächsten zehn Jahren gebraucht, sagen mehrere Studien. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Der Pflegeberuf scheint attraktiver zu werden. Im Jahr 2019 begannen 71 300 Menschen eine Ausbildung in einem Pflegeberuf. Das waren 8 % mehr als im Vorjahr und 39 % mehr als noch zehn Jahre zuvor.

Welche zusätzlichen Maßnahmen sich die Pflegekräfte wünschen und welche drastischen Auswirkungen der Personalmangel teilweise auf den ambulanten Pflegedienst hat, sehen Sie oben im Video.

rcl

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