Das Auge wählt mit: Attraktive Politiker haben größeren Wahlerfolg

10. Januar 2018 - 14:29 Uhr

Wagenknecht und Lindner ganz vorn dabei

Spieglein, Spieglein an der Wand… ist es wirklich so einfach? Natürlich nicht, aber Aussehen und Erfolg spielen offensichtlich auch in der Politik eine wichtige Rolle. Attraktive Menschen haben mehr Erfolg bei Wahlen, zumindest laut einer Studie von Düsseldorfer Soziologen. Die Wissenschaftler haben insgesamt 1.786 weibliche und männliche Direkt- und Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl 2017 verglichen.

Abstimmen: Wen finden Sie attraktiv?

Die Tester vergaben auf einer Attraktivitätsskala von 0 (nicht attraktiv) bis 6 (sehr attraktiv) ihre Punkte. Das Ergebnis sei eindeutig, behaupten die Forscher. Es gebe einen "signifikanten Zusammenhang" zwischen Attraktivität und Wahlerfolg - sowohl mit Blick auf die Erst- als auch auf die Zweitstimme, so Ulrich Rosar von der Universität Düsseldorf. Der Soziologie-Professor misst seit 2002 die Attraktivitätswerte von Bundestagskandidaten und vergleicht diese mit ihren Wahlerfolgen.

Von den zehn prominenten Spitzenkandidaten der SPD, CDU, CSU, FDP, Grünen und AfD landete Sahra Wagenknecht (Linke) als attraktivste Politikerin auf Platz eins, gefolgt von Christian Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD). SPD-Chef Martin Schulz landet auf Rang 6, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt auf Rang neun, Schlusslicht ist Alexander Gauland (AfD).

Die Schönste ist eine Linke aus Dortmund, bei den Männern ist ein AfD-Mann aus Hessen vorn

Jan Ralf Nolte, Celine Erlenhofer
AfD-Politiker Jan Ralf Nolte (links) und Linken-Politikerin Celine Erlenhofer

In der Gruppe aller 486 weiblichen Direktkandidaten, die zur Wahl standen, liegt Wagenknecht aber nur auf Platz 52. Und Lindner ist auch nicht der attraktivste Politiker, sondern kommt in der Gesamtwertung der 1.293 Männer "nur" auf Rang 30. Die schönste Kandidatin ist demnach Celine Erlenhofer, die für die Linke im Wahlkreis Dortmund II antrat. Der schönste Mann unter den Kandidaten ist laut Studie Jan Ralf Nolte (AfD) aus dem hessischen Waldeck.

Zwölf Frauen und zwölf Männer hatten als Testpersonen Fotos aller Kandidaten angesehen. Dennoch ist die Studie den Wissenschaftlern zufolge aussagekräftig. Denn es gebe einen "Attraktivitätskonsens". Das bedeute, dass die Attraktivität von allen Menschen ziemlich gleich beurteilt werde.

Wie stark sich das Aussehen eines Kandidaten auf das Wahlergebnis auswirkt, wird in der noch andauernden Studie nicht deutlich.