Wohnkonzept gegen Einsamkeit

WG-Feeling für Senioren in der Darmstädter Lincoln-Siedlung

20. September 2021 - 17:45 Uhr

Gemeinschaftliches Leben wie auf dem Land - nur eben in der Stadt

Wohnen in den Städten ist oft anonym: So weiß man oft nicht einmal, wer neben einem wohnt. Anders, quasi wie auf einem Dorf, soll es in der Lincoln-Siedlung in Darmstadt zugehen. RTL Hessen-Reporterin Bella Christophel hat sich das besondere Wohnprojekt dort angeschaut. Ihre Eindrücke gibt es im Video.

Rentner Jürgen: "Ich will nicht alleine sein"

Mit seinen 75 Jahren ist Jürgen Krapp einer der Ältesten, der hier in eines der drei Wohnprojekte in der Lincoln-Siedlung im Stadtteil Bessungen im Süden Darmstadts gezogen ist. "Ich bin verwitwet, stehe also jetzt praktisch allein da", sagt der Rentner im RTL-Interview. So habe er sein Haus verkauft, weil er gerne in einer Gemeinschaft leben wollte: "Ich lebe gerne in einer lockeren Gemeinschaft, wo man dann - wann immer man Lust hat - was zusammen unternehmen kann."

Möglich machen dies Gemeinschaftsräume: In einer großen Küche ist Platz für Begegnungen. Es werden auch zusammen Feste und Abendessen organisiert. Wer dann vom Trubel mit seinen Nachbarn genug hat, kann sich in seine Wohnung zurückziehen.

Wohnkonzept schafft Räume für gemeinsame Aktivitäten

Freiraum und Zeit für sich: Auf ihrer Terrasse im "Zusammenhaus" in Darmstadt fühlt sich Barbara Mansfeld wohl.
Freiraum und Zeit für sich: Auf ihrer Terrasse fühlt sich Barbara Mansfeld wohl.
© RTL, RTL Hessen, Hasan Gazi

Viele Senioren wohnen noch in Wohnungen, in denen sie mit ihren Kindern gelebt haben. Oft sind diese zu groß, schwierig zu unterhalten, teuer – und nicht selten machen die meist leeren Zimmer einsam.

Christa Graf ist gerne in den Neubau gezogen: "Letzendlich fühle ich mich so wie in einem Dorf mitten in der Stadt, weil aus der Stadt wollte ich nie weg. Aber ich habe alle Vorteile, die dörfliches Leben bieten kann." Der größte Vorteil: Rentnerin Christa ist nicht mehr alleine.

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Die Darmstädter Wohnbau-Dezernentin Barbara Akdeniz (B'90/Grüne) unterstützt das Konzept der Lincoln-Siedlung.
Die Darmstädter Wohnbau-Dezernentin Barbara Akdeniz (B'90/Grüne) unterstützt das Konzept der Lincoln-Siedlung.
© RTL, RTL Hessen, Hasan Gazi

Die Wohnprojekte haben sehr unterschiedliche Herangehensweisen: Manche sind zum Beispiel genossenschaftlich organisiert. Alle haben aber immer auch einen Teil von Wohnungen, die gefördert werden. "Diese Projekte tragen auch dazu bei dass bezahlbares Wohnen tatsächlich umgesetzt wird", sagt Darmstadts Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (B'90/Grüne), "die Probleme auf dem Wohnungsmarkt liegen auf der Hand: Teure Mieten!"

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Daher setzt die Stadt auf einen hohen Anteil geförderter Wohnungen, möglichst 45 Prozent bei Neubauten. "Wir setzen uns aber auch für eine gute Durchmischung ein, damit es nicht nur Siedlungen für Menschen mit einem großen Geldbeutel und woanders andere Siedlungen für Menschen mit einem kleinen Geldbeutel gibt", sagt Akdeniz.(bho)