Anwältin klärt auf: Diese Rechte haben Eltern

Darf ich während der Arbeitszeit mit meinem Kind zum Arzt?

Wenn beim Kind ein Arztbesuch ansteht, liegt dieser häufig in der Arbeitszeit der Eltern.
Wenn beim Kind ein Arztbesuch ansteht, liegt dieser häufig in der Arbeitszeit der Eltern.
© iStockphoto, Viktorcvetkovic

30. Juni 2021 - 17:15 Uhr

Darf der Arbeitgeber mir den Arztbesuch mit Kind verbieten?

Egal ob Routine-Untersuchung, Impf-Termin oder Akut-Sprechstunde: Wenn Eltern mit ihrem Kind zum Arzt müssen, passiert das meist, während sie selbst gerade arbeiten müssen. Fragt sich also: Haben Eltern eigentlich ein Anrecht darauf, während der Arbeitszeit mit ihrem Nachwuchs zum Arzt zu gehen – oder kann der Arbeitgeber auch sein Veto einlegen? Rechtsanwältin Nicole Mutschke hat Antworten.

Arztbesuch des Kindes: Das sollten Arbeitnehmer beachten

Bei der Frage, ob der Arbeitnehmer wegen eines Arzttermins des Kindes der Arbeit fernbleiben darf, komme es grundsätzlich auf zwei Dinge an, erklärt uns Rechtsanwältin Nicole Mutschke. Zum einen müsse geklärt sein, ob das Kind unbedingt Betreuung vom Elternteil brauche. Dabei gebe es keine feste Altersgrenze bei Kindern, sondern nur einen Richtwert. "Man sagt immer: Bis ca. zwölf Jahre, aber es kommt grundsätzlich immer auf das Kind an", so die Anwältin. Zum anderen müsse es sich um einen Termin handeln, der nicht aufgeschoben werden kann – zum Beispiel wenn das Kind akut krank ist.

"Wenn das Kind klein ist, es dringend zum Arzt muss und auch kein anderer das für mich übernehmen kann, dann darf ich auch der Arbeit fern bleiben", fasst Nicole Mutschke zusammen. In diesem Fall sollten Eltern den Arbeitgeber umgehend darüber informieren, rät die Anwältin. Dann drohten ihnen auch keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen. "Der Arbeitgeber kann jetzt nicht sagen: Ich mahne dich dafür ab, weil du jetzt nicht kommst."

Wird mein Lohn fortgezahlt?

Eine andere Sache sei, ob man trotzdem weiter Geld bekomme. "Das ist tatsächlich ein Unterschied", gibt Nicole Mutschke zu bedenken. "Das eine ist: Ich muss nicht hingehen. Aber ob dann auch weiter Entgelt gezahlt wird, das kommt auf den konkreten Arbeitvertrag an." Im Paragraf 616 BGB sei eine solche Entgelt-Fortzahlungspflicht zwar grundsätzlich festgelegt, wenn der Arbeitnehmer aus dringenden Gründen vorübergehend verhindert ist. Der Arbeitgeber könne die Regelung jedoch auch ausschließen. "Dann muss ich zwar nicht zur Arbeit gehen, aber ich bekomme kein Entgelt", erklärt Nicole Mutschke. Eine Alternative sei dann, sich für den Arzttermin Urlaub zu nehmen – allerdings benötigten Arbeitnehmer auch hierfür die Zustimmung des Chefs.

Wenn der Arbeitgeber nicht zahlt, haben berufstätige Eltern mit einem Attest vom Arzt allerdings auch Anspruch auf Kinderkrankengeld von der Krankenkasse. Um Eltern in der Corona-Pandemie zu entlasten, hat die Bundesregierung Anfang des Jahres die Verdopplung der Kinderkrankentage für 2021 beschlossen. Demnach wurden die Tage pro Elternteil von 10 auf 20 verdoppelt. Alleinerziehende erhalten dabei 40 statt der üblichen 20 Tage.

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