Ein Rechtsanwalt klärt auf

Corona-Zeit: Die wichtigsten Fragen rund um Sex

In Zeiten von Corona gibt es einige Dinge, die Liebende beachten sollten.
© Getty Images/iStockphoto, nd3000

22. April 2020 - 16:32 Uhr

Was bedeutet Corona für unser Sexleben?

Die Corona-Krise ist weltweit eine Bedrohung. Die deutsche Regierung fordert von uns aktuell, dass wir unsere Kontakte zu den Menschen, mit denen wir nicht zusammenleben, auf ein absolutes Minimum beschränken. Kein Fitnessstudio, kein Abendessen mit Freunden, keine Konzerte - aber wie ist das eigentlich mit dem Sex? Ist Sex im Freien jetzt erlaubt und von welchem Sexpartner sollte ich mich während der Pandemie unbedingt fernhalten - diese Fragen beantwortet uns Rechtsanwalt Dr. Alexander Stevens.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus lesen Sie in unserem Live-Ticker bei RTL.de +++

Langeweile als Single? Sex mit dem Mitbewohner ist erlaubt

Dr. Stevens erklärt, dass die Ausgangsbeschränkung aktuell eigentlich nur Sex mit Fremden und Prostituierten verbietet. Der Sex mit der (Ehe-)Partnerin, dem Ehepartner und Lebensgefährten ist weiterhin erlaubt.

Aber was soll man in dieser schweren Lage als Single tun? Keine Kneipentour, kein Fußball - alles, was Spaß macht, ist verboten. Sex ist ein guter Zeitvertreib - nicht ohne Grund gehen Experten von einem echten Corona-Baby-Boom in neun Monaten aus. Auch die Verkaufszahlen von Sextoys sind bereits weltweit angestiegen.

Wer jetzt als Single in seiner Wohnung hockt, hat denkbar schlechte Karten. Für die Singles, die in einer Wohngemeinschaft leben, gibt es vielleicht ein Licht am Horizont: Sex mit dem Mitbewohner oder der Mitbewohnerin ist immerhin erlaubt! Daran scheitern sollte es dann nur, wenn der Mitbewohner oder die Mitbewohnerin nicht will.

Corona und Tinder-Dates

Und wenn man gerade kurz vor dem Kontaktverbot jemanden kennengelernt hat und vor dem heiligen dritten Date stand? Da hat man jetzt natürlich großes Pech. Aber gilt meine neue Bekanntschaft denn eigentlich wirklich noch als Fremder? Die Kontaktsperre erlaubt streng genommen keine weiteren Dates, erst recht keinen rücksichtslosen Sex, der zu einer Corona-Ansteckung führen könnte. Doch für sexhungrige Singles hat Dr. Stevens einen kleinen Tipp - mit Augenzwinkern:

"Sollte man in besonders strengen Bundesländern wie Bayern sich bei einem Date erwischen lassen, hilft dieser Tipp: Behaupten Sie einfach, dass die neue Bekanntschaft die Verlobte oder der Verlobte sei - schon ist der Kontakt erlaubt."

Dass dieser humorvolle Rat des Anwalts nicht unbedingt zum Nachahmen gedacht ist, sollte in Zeiten einer weltweiten Pandemie hoffentlich jeder verstanden haben. Aber rechtlich gesehen wäre man damit auf der sicheren Seite, so der Experte. Es gibt halt für jede Dummheit immer auch ein Schlupfloch.

Dating-Apps erleben gerade während der Corona-Krise einen echten Boom. Wie Sie solo und vor allem kontaktlos jetzt am besten daten können, verrät Ihnen ein Beziehungscoach hier.

Beziehung zu Menschen der Risikogruppe meiden

Gerade Menschen, die zur Risikogruppe gehören, laufen in diesen Zeiten besonders Gefahr, sich schnell anzustecken. Seien es junge Menschen mit einer Vorerkrankung oder auch ältere Menschen ab 50+ mit einem schlechten Immunsystem. Sie können dem aggressivem Virus kaum standhalten. Rechtanwalt Stevens rät Leuten, die eine Beziehung mit einer Person der Risikogruppe führen, auf Abstand zu gehen.

"Das gilt auch für beispielsweise jüngere Herren, die auf ältere Damen stehen", scherzt der Anwalt und rät in diesem pikanten Fall vom Besuch im Altersheim ab.

Doch mal Scherz beiseite! Weitere interessante Fragen rund ums Thema beantwortet Dr. Stevens hier:

Wenn der Partner an Corona erkrankt ist, darf man dann trotzdem Sex haben?

Hier verhält es sich wie beim Sex mit einem HIV-Infizierten: Weiß man von seiner HIV-Erkrankung und hat dennoch Sex, ohne dies dem Geschlechtspartner zu offenbaren, macht man sich wegen (gefährlicher) Körperverletzung strafbar. Für eine Corona-Infektion kann grundsätzlich nichts anderes gelten, zumal das Ansteckungsrisiko bei Corona deutlich höher ist als bei HIV!

Was ist, wenn derjenige, den ich mit Corona angesteckt habe stirbt – ist es dann Mord?

"Mord wäre es nicht, da es an einem Mordmerkmal fehlt, aber man könnte tatsächlich über Totschlag nachdenken: Zwar lehnt die deutsche Rechtsprechung, anders als zum Beispiel Italien, den Tötungsvorsatz ab, wenn ein HIV-Erkrankter ungeschützten Geschlechtsverkehr hat mit dem Argument, dass wegen der langen Inkubationszeit bis zum Ausbruch von Aids der Täter begründete Hoffnungen haben darf, dass bis dahin ein Heilmittel gefunden wird", erklärt der Experte.

"Doch anders als bei Aids ist aktuell bei Corona die Sterberate nicht nur extrem hoch, sondern auch entsprechend schnell, sodass selbst die Hoffnung, der Geschlechtspartner werde schon nicht an Corona versterben, wenig begründet sein dürfte – zumindest nach derzeitigem Stand der medizinischen Entwicklung. Mit anderen Worten: Schlafe ich als an Corona-Erkrankter mit jemandem, der sich daraufhin infiziert und verstirbt, wäre eine Anklage wegen Totschlags durchaus denkbar. Es müsste aber dann nachgewiesen werden, dass das Coronavirus auch wirklich durch den Geschlechtsverkehr übertragen wurde - und nicht etwa auf anderem Wege, wie zum Beispiel schon im Vorfeld im Supermarkt oder ähnliches."

Was, wenn der Geschlechtspartner weiß, dass ich Corona habe und trotzdem mit mir Sex hat?

"Weiß mein Sexualpartner, dass ich Corona habe und ich habe mit ihm einvernehmlichen Sex, mache ich mich nicht strafbar. Denn jedem sind die Risiken der Ansteckung mit Corona aufgrund der extensiven Medienberichterstattung bekannt. Wer dennoch mit einem Corona-Infizierten Sex hat, gefährdet sich selbst und ist dann ganz allein für sein Handeln verantwortlich."

Ich könnte mich vielleicht angesteckt haben, darf ich trotzdem Sex haben?

"In einem solchen Fall kann man sich wegen fahrlässiger Körperverletzung, gegebenenfalls Tötung, strafbar machen. Denn wenn man den begründeten Verdacht hat, möglicherweise an Corona erkrankt zu sein, geleitet es die Sorgfaltspflicht, sich vor dem Geschlechtsverkehr testen zu lassen. Tut man dies nicht, stellt das eine Sorgfaltspflichtverletzung dar und diese Fahrlässigkeit wird grundsätzlich bestraft. Allerdings dürfte auch hier der Nachweis, dass sich der Sexualpartner ausgerechnet beim Sex mit Corona infiziert haben soll – anders als bei HIV, wo man die Infizierung anhand von virologischen Untersuchungen auf einen bestimmten Übertragungsakt zurückführen kann – sehr schwierig sein."

Trotz Kontaktverbot: Sex im Freien erlaubt?

"Jetzt jedenfalls mehr denn je. Denn zum einen ist es ja weiterhin gestattet, sich an der Luft zu bewegen und 'Sport' zu machen, solange man dies nur zu zweit, mit seinen engsten Kontakten tut. Zum anderen ist Sex in der Öffentlichkeit erlaubt, solange man dadurch andere nicht erregt - im Sinne von Verärgern. Die Erregung öffentlichen Ärgernisses ist aber denknotwendig nur dann möglich, wenn es auch eine Öffentlichkeit gibt, die öffentlichen Sex wahrnimmt und dadurch erregt werden könnte. Jetzt, wo viele Orte menschenleer sind, kann man auch kaum noch jemand anderen durch öffentlichen Sex verärgern und selbst wenn man dummerweise doch erwischt wird, könnte es vielfach am entsprechenden Vorsatz fehlen, da man angesichts der Ausgangsbeschränkungen darauf vertrauen durfte, dass man nicht 'erwischt' wird. Dann ist der Sex in der Öffentlichkeit auch nicht strafbar."

Video-Playlist: Alles, was Sie zum Coronavirus wissen müssen

RTL.de-Doku: „Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus“

NEUE FOLGE: Im zweiten Teil der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" auf TVNOW stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.