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Corona in Hamburg: Massenquarantäne weil Spanien-Urlauber nach Rückkehr feiern geht

Bisher 130 Menschen in Quarantäne - Tendenz steigend

Massenquarantäne in Hamburg wegen infiziertem Reiserückkehrer

Corona-Testzentrum im Flughafen Düsseldorf
Reiserückkehrer müssen sich auf Corona testen Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Negativer Test, trotzdem infiziert

Nach einem negativen Coronatest hat sich ein Reiserückkehrer aus Spanien vergangenen Samstag eine gute Zeit in zwei Bars im Hamburger Stadtteil St. Georg gemacht. Später wurde klar: Der Mann ist mit dem Coronavirus infiziert. „Wir müssen aufgrund der Reiseanamnese davon ausgehen, dass die Delta-Variante des Coronavirus vorliegt. Eine Sequenzierung wird durchgeführt“, erklärte der Sprecher der Sozialbehörde Martin Helfrich.

Kontaktverfolgung in beiden Lokalen unzureichend

In einer der Bars habe es nur eine einzige Login-Station für die Luca-App gegeben, die durch die Registrierung der Daten die Kontaktverfolgung für die Gesundheitsämter erleichtern soll. Alle Menschen, die dort in diesem Zeitraum anwesend waren, müssen nun mit einer Quarantäneanordnung rechnen. „In einer weiteren Bar gab es zwar Tisch-bezogene Check-In Möglichkeiten. Allerdings sind dem Anschein nach die erforderlichen Abstände zwischen den Tischen nicht eingehalten worden“, erklärt Helfrich weiter. Zusätzlich hätten Gäste die Tische gewechselt. Bisher wurden 130 Menschen in Quarantäne versetzt, Tendenz steigend.

Auch in Georgsheil droht Massenquarantäne

Noch extremer hat es die Gemeinde Georgsheil im Landkreis Aurich erwischt. Dort hat am vergangenen Samstag laut der Ostfriesen Zeitung ein Fußballspieler aus Norden die Disco „Galaxy“ besucht – mittlerweile ist nachgewiesen: auch er ist mit Corona infiziert. Seit Anfang Juli dürfen in Niedersachsen Clubs wieder auf machen – zwar mit negativem Coronatest, aber dafür mittlerweile ohne Masken- und Abstandspflicht. Das Gesundheitsamt muss nun die Kontaktpersonen ermitteln, laut Landrat Olaf Meinen (parteilos) kommen nach den Daten der Luca-App rund 1.100 Menschen in Frage. Auch dieser Mann habe nach Bericht der Ostfriesen Zeitung zuvor Urlaub auf Mallorca gemacht, wo die Inzidenz seit Wochen steigt und mittlerweile wieder bei 265 liegt. Der Landkreis Aurich hat nun alle Besucher der Disco gebeten, bei Symptomen wie Husten, erhöhter Temperatur oder Verlust des Geschmackssinns zu Hause zu bleiben und das Gesundheitsamt zu kontaktieren.

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Appell aus der Politik an Reiserückkehrer

Landrat Meinen hat den aktuellen Fall nochmal zum Anlass genommen, an alle Urlaubsrückkehrer zu appellieren: „Sie sollten nicht gleich zur nächsten Party gehen, sondern sich erst testen lassen.“ Auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) befürwortet strengere Regeln für Corona-Tests bei der Rückkehr von Urlaubern nach Deutschland. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte schon vor einigen Wochen davor, dass Reiserückkehrer oder die Mutation eine 4. Welle auslösen könnten: „Durch Reiserückkehrer wird sich die Mutante spätestens im Herbst auch in Deutschland großflächig ausbreiten.“ Er befürchte, dass wir uns im Urlaub ein Problem ins Land holen, was insbesondere die Kinder betrifft.

Kommen jetzt strengere Test- und Quarantäneregeln?

Lauterbach fordert im Interview mit RTL strengere Maßnahmen: "Wenn wir das verhindern wollen, muss gründlich geprüft werden: Wer hat sich getestet? Wer hat sich in der richtigen Zeit getestet?" Nur so sei sichergestellt, dass niemand das Virus weiterträgt. Außerdem helfe es, wenn so viele Menschen wie möglich vollständig geimpft werden. Auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kritisiert die aktuellen Einreiseregeln scharf . Seiner Meinung nach, sollten alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten grundsätzlich in Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test aufgehoben werden dürfe. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte in der „Welt“ schärfere Grenzkontrollen: "Ich unterstütze ausdrücklich die Forderung nach Kontrollen an den Grenzen, ob aktuelle Negativ-Tests vorliegen. Genau daran hat es bislang gemangelt.“

(dpa/jbl)